Bad Arolsen: Ehrenamtliche Unterstützer für die hauptamtlichen Bewährungshelfer gesucht

„Jeder hat eine Chance verdient"

+
493951-20120309211001.jpg

Bad Arolsen - Mit einer Informationsveranstaltung am Mittwoch im Bürgerhaus Bad Arolsen sollen neue ehrenamtliche Kräfte für die Bewährungshilfe gefunden werden.

 „Wir haben schon wieder einen neuen Fall für Sie", begrüßt Sigrid Engelhard von der Bewährungshilfe Korbach Uwe Seitz. Sie weiß den neuen Probanden bei Seitz in guten Händen: schließlich hat Letzterer sich für die Bewährungshilfe immer wieder als verlässlicher Unterstützer erwiesen - und zwar in vielen Stunden ehrenamtlicher Arbeit.

Sieben weitere ehrenamtliche Mitarbeiter gibt es in der Bewährungshilfe. Die Kapazitäten der drei hauptamtlichen Bewährungshelferinnen Elisabeth Emmerich-Jäger, Julia Hösel und Sigrid Engelhard sind mit insgesamt rund 200 verurteilten Gesetzesbrechern auf Bewährung ausgelastet. Während sie sich um die Erfüllung der Bewährungsauflagen kümmern, sollen die ehrenamtlichen Helfer diese Arbeit ergänzen. Dabei gehe es vor allem darum, die Verurteilten in der Alltagsbewältigung unterstützen. Großer Bedarf bestände vor allem in gemeinsamen Behördengängen oder der Wohnungssuche. Einige Freiwillige betreuen aber beispielsweise auch Kinder der sogenannten Probanden oder helfen beim Lernen für Abschlussprüfungen.

Im Korbacher und im Bad Wildunger Raum sind bereits ehrenamtliche Mitarbeiter im Einsatz. Doch vor allem für Bad Arolsen sucht Julia Hösel noch händeringend nach aktiven Helfern und informiert daher am kommenden Mittwoch im Bürgerhaus, Raum 1 (Volkshochschule), 19 Uhr, über die Arbeit.

Interessierte werden zunächst zu einem Bewerbungsgespräch eingeladen, bevor sie in einer kostenfreien Schulung auf den Umgang mit den Probanden vorbereitet werden. Die Arbeit solle möglichst in der Nähe des Wohnorts stattfinden, erläutert Emmerich-Jäger.

Freiwillig

Bei Bedarf laden die hauptamtlichen Bewährungshelferinnen Probanden und Ehrenamtliche zu einem Kennenlern-Gespräch ein. Wie lang der Einsatz dann dauert, hängt von dem Projekt, aber auch von den Probanden und dem Engagement der Helfer ab. Wichtig sei jedoch, dass keine kontinuierliche Mitarbeit von den freiwilligen Helfern verlangt werde, versichert Emmerich-Jäger - man könne auch jederzeit eine Anfrage ablehnen. Die Arbeit mit den ehemaligen Straftätern wird zwar nicht vergütet, aber die entstehenden Ausgaben, wie etwa Fahrtkosten, erstattet der Trägerverein "Förderung der Bewährungshilfe in Hessen".

Auf eine Entlohnung kommt es Mitarbeitern wie Uwe Seitz aber auch nicht an - sie hoffen vielmehr, tatsächlich helfen zu können. Mit insgesamt drei Probanden hat er sich in den vergangenen Monaten beschäftigt: Dabei hat er Misserfolge erlebt und ist mit manchen Hilfsangeboten gescheitert. Aber es gibt auch immer wieder Erfolge, betont Sigrid Engelhard sichtlich dankbar und erinnert an eine erfolgreiche Wohnungsvermittlung. Obwohl Seitz ständig mit Straftätern zu tun hat, habe er nie Hemmungen im Umgang mit ihnen gehabt, denn "jeder hat eine Chance verdient", lautet sein Motto. So hilft er in seiner Freizeit den Probanden überall, wo Bedarf besteht: Er gibt Nachhilfe, sucht geeignete Wohnungen, und lässt sich auch von Diskussionen auf diversen Ämtern nicht abschrecken.

Erfolg

Vor allem aber scheint er weniger an der Vergangenheit als an einer veränderten Zukunft der Probanden interessiert: Er sucht die Gespräche und will sie wieder in eine Gemeinschaft integrieren. Dafür bedarf es seiner Meinung nach nur ein bisschen Lebenserfahrung und Geduld. Dafür werde man aber manchmal mit den Früchten des Erfolgs belohnt: Zum Beispiel, wenn ein ehemaliger Schützling, der noch vor Kurzem obdachlos war, plötzlich nicht nur Wohnung, sondern auch eine reelle Chance auf eine Festanstellung hat.

Interessierte können sich bei Sibylle Lachmitz unter Telefonnummer 0561/9121155 melden, um sich als ehrenamtliche Mitarbeiter zu bewerben. Die Informationsveranstaltung findet im Bürgerhaus Arolsen am Mittwoch, 14. März, ab 19 Uhr statt. (ik)

Kommentare