Überraschende Ausgrabungsergebnisse in Volkmarsen

Jüdisches Ritualbad unter Gewölbekeller

Ernst Klein und Joachim Geritzen auf der Treppe zum drei Meter tief liegenden Tauchbad. Die Nische hinter Klein und die beiden Nischen neben Geritzen belegen, dass es sich hier wahrscheinlich um eine Mikwe, ein jüdische Ritualbad, aus dem 13. Jahrhundert handelt. Fotos. Elmar Schulten

Volkmarsen - Dass jüdische Kultur seit dem Mittelalter in Volkmarsen tief verwurzelt war, wussten Geschichtsforscher bisher vor allem aus Urkunden. Nun hat ein Archäologenteam um Ernst Klein in einem der vielen Gewölbekeller der Altstadt ein jüdisches Ritualbad ausgegraben.

Klein wusste schon seit langem, dass das Haus am Steinweg 24 ursprünglich der Familie des Juda Hüneberg (frühere Jakob) gehörte. 1860 verkaufte die Familie das Gebäude, um an anderer Stelle ein neues Haus zu kaufen.

Über die Jahrzehnte müssen die neuen Eigentümer mehrere Umbauten vorgenommen und das Ritualbad im Keller mit Bauschutt verfüllt haben.

Nachdem die heutige Eigentümerin dem Grabungsteam die Genehmigung erteilt hatte, machten sich der Warburger Bodendenkmalpfleger Peter Kirschbaum, der Warburger Joachim Geritzen und Ernst Klein im Oktober auf die Suche nach dem von ihnen unter dem Kellerboden vermuteten Bad.

Die neuen Eigentümer hatten einen Boden aus Backsteinen verlegen lassen. Mit einer Wünschelrute spürte Kirschbaum das alte Tauchbecken auf.

Unmengen von Steinen und Bauschutt mussten in harter Knochenarbeit ausgebuddelt werden.

Dabei gingen die Hobbyarchäologen systematisch vor, informierten das Landesamt für Denkmalpflege und dokumentierten jeden einzelnen Fund in einem Grabungstagebuch.

Gestern präsentierten die drei stolz ihren Fund einem hr-Fernsehteam und der WLZ: Dass das Loch, das sich auch heute noch regelmäßig mit Grundwasser füllt, eine Mikwe, ein jüdisches Ritualbad gewesen sein muss, belegen die Nischen, die an drei Stellen zur Ablage von Kerzen und Körperschmuck bestimmt waren.

Bezirkskonservator Dr. Bernhard Buchstab wird von Ernst Klein so zitiert: „Etwas Vergleichbares gibt es wahrscheinlich im ganzen Landkreis Waldeck-Frankenberg nicht.“

In Volkmarsen gibt es noch über 20 Gewölbekeller, die bereits im 13. Jahrhundert gebaut wurden. Die vorhandenen Säulen und die oft mit beeindruckenden Steinmetzarbeiten verzierten Kapitelle machen heute noch deutlich, dass die Erbauer sehr wohlhabende Bürger der damals sich entwickelnden Stadt waren.

Zur Datierung der Hausgeschichte dienen übrigens auch die Funde im Bauschutt: Die Ausgräber dokumentierten Knochen, Ton- und Glasscherben, ein Stück einer Tonpfeife vermutlich um 1700 im Hannoverschen gebrannt, weil ein Stempel vermuten lässt, Porzellanscherben und - ganz oben, offenbar aus jüngerer Zeit - eine Plastikente.

Wie alt der hölzerne Boden in drei Metern Tiefe ist, soll nun ein dendrochronologisches Gutachten klären.

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