Grabsteine auf dem Alten Friedhof erzählen Waldecker und Familiengeschichte

Juristen im liberalen Waldeck

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Bad Arolsen - Die kunstvoll gestalteten Denkmale auf dem Alten Friedhof erzählen Geschichten und entführen in einer längst vergessene Zeit der Stadtgeschichte.

Dr. Christa Winterberg wohnt in Frankfurt. In einer Mitgliederzeitschrift der Deutschen Stiftung Denkmalschutz fand sie einen Hinweis auf die Einzigartigkeit des Arolser Friedhofs, auf dem das Andenken an längst verstorbene Bürger der Stadt bewahrt wird, indem der einst entwidmete Friedhof nun wieder als Park und Ruhestätte genutzt wird. Das brachte sie auf die Idee, der Gesichte ihrer Familie nachzuspüren. Dabei reichte ein Anruf bei Edith Hüttig, die sich seit Jahren um den Erhalt der kunstvoll gestalteten Sandstein- Denkmale auf dem alten Friedhof bemüht. Schon die bloße Erwähnung des Namens Winterberg ließ bei Edith Hüttig die Alarmglocken schrillen: Die Familie Winterberg ist auf dem Arolser Friedhof gleich mit zwei gut erhaltenen Grabanlagen aus dem 19. Jahrhundert vertreten. Es stellte sich heraus, dass sowohl der Urgroßvater, Geheimrat Carl Winterberg, als auch der Großvater, Rechtsanwalt und Notar Richard Winterberg auf dem Arolser Friedhof ihre letzte Ruhe gefunden haben. Dank des Einsatzes von Dr. Günter Jedicke, einst Vorsitzender des Waldeckischen Geschichtsvereins, und seiner Freunde wurden die alten Grabsteine nicht beseitigt, sondern erhalten und neuerdings auch restauriert. Darum bemüht sich Edith Hüttig mit einigen Gleichgesinnten. Dr. Christa Winterberg ist überglücklich, hier die Erinnerungen an ihre Vorfahren wiedergefunden zu haben. Urgroßvater Carl Winterberg war waldeckischer Staatsminister, als das seinerzeit erstaunlich liberale Staatsgrundgesetz für den Freistaat Waldeck 1849 beraten wurde. Geboren wurde er am 19. Januar 1812 in Korbach als Sohn des Pfarrers Christian Winterberg und der Luise Varnhagen. Er heiratete Emma Rhode, die Tochter des Obergerichtsrates August Rhode in Arolsen. Winterberg wurde 1847 Regierungssekretär in Arolsen und infolge der liberalen Revolution im August 1848 mit Vorträgen im Geheimen Kabinett betraut. Ein Jahr später wurde er Regierungsrat, vergleichbar heute mit dem Titel Staatsminister zuständig für Angelegenheiten des Fürstlichen Hauses, Auswärtiges, Justiz, Kirchen und Schulen.Von 1851 bis 1869 war Winterberg Vorsitzender des Staatsministeriums und damit Regierungschef der Fürstentümer Waldeck und Pyrmont. Berufen wurde er von der Fürstin-Regentin Emma im Namen ihres jugendlichen Fürsten Georg Victor. Dieser verlieh Winterberg 1853 den Titel Geheimer Rat und Regierungspräsident. Er starb 60-jährig am 15. April 1872 in Arolsen.

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