Gedanken eines Gartenbesitzers in einem feuchten Sommer

Kampf den Schleimmonstern

Schneckenplage. Vor allem Nacktschnecken scheint der feucht-warme Sommer nach dem milden Winter gut zu bekommen. Fotos: Schulten

Bad Arolsen - Warnung! - Der folgende Text ist nichts für empfindliche Gemüter. - Es geht um Gefräßigkeit und Gier, Ekel und Schleim, um hinterhältigen Mord und um Kannibalismus. Genauer gesagt: Der folgende Artikel dreht sich um Arion Vulgaris, die Spanische Wegschnecke.

Schnecken sind harmlose Pflanzenfresser, doch es gibt auch Varianten, die machen es auch dem größten Tierliebhaber schwer, diese eklig schleimigen Geschöpfe ungeschoren durch den Garten kriechen zu lassen.

Die Spanische Nacktschnecke gilt laut Internet-Lexikon Wikipedia als Neozoon in Mitteleuropa. Mit anderen Worten: Sie gehört hier eigentlich nicht hin, wurde irgendwann und irgendwie eingeschleppt, hat hier keine natürlichen Feinde, fühlt sich daher sehr wohl und vermehrt sich seit den 1970er-Jahren scheinbar ungehemmt in Deutschland.

Schneckenplage weckt den Jagdinstinkt

Sie fressen nicht nur Pflanzen, sondern auch Aas, sehr gerne auch die eigenen Artgenossen, sobald diese Verletzungen aufzeigen. Besonders unangenehm ist ihr hartnäckiger, klebriger Schleim, der sich nur mühsam beseitigen lässt.

Besonders der vergangene milde Winter und der feuchte Sommer scheinen den braunen Schleimern gut zu bekommen. Wikipedia berichtet von einer ähnlichen Schneckenplage 2007 in Großbritannien, wo bis zu 1000 eklige Exemplare pro Quadratmeter gezählt worden sein sollen.

So schlimm sieht es im Garten des Autoren dieses Textes noch nicht aus. Das mag aber auch daran liegen, dass die Schultens jeden Abend auf Schneckenjagd gehen. 50 Schleimer sind schnell eingesammelt. Eine eigens dafür reservierte Würstchenzange aus Holz, im Fachhandel für unter einen Euro erhältlich, leistet hier allabendlich gute Dienste.

Wer seinen Garten liebt und viel Geld und Zeit in üppig blühende und/oder wohlschmeckende Pflanzen investiert, der ist es bald leid, die Früchte seiner Arbeit mit gefräßigen Horden zu teilen, die sich in der Dämmerung auf den Weg machen und bis zum Morgengrauen zerstörerischen Kahlfraß hinterlassen.

Um das zu verhindern, muss der Gärtner dem Feind Schnecke mit Entschlossenheit begegnen. Und zwar möglichst schnell und ausdauernd.

Schnecken sind Freunde der Dämmerung. Um diese Zeit erwischt man sie am leichtesten. Man bewaffne sich mit einer Taschenlampe und begebe sich auf die Jagd - möglichst an jedem(!) Abend. Viele Schnecken sind dann bereits sichtbar unterwegs.

Schnecken heben gern mal einen. Deshalb lohnt ein Versuch mit Bierfallen. Leere Joghurtbecher werden in der Erde versenkt und halb mit Bier gefüllt. Am nächsten Morgen sind die Becher gewöhnlich ganz voll (mit Schnecken, die angelockt wurden und nicht mehr heraus kommen). Der Nachteil: Der Biergeruch ist offenbar so verführerisch, dass auch die Schnecken aus Nachbars Garten der Nachtbar einen Besuch abstatten.

Bewährt hat sich auch der Einsatz von Salz. Die Schneckenleiber sind empfindlich und lösen sich bei Berührung mit wenigen Salzkörnern schäumend auf. Sie zerfließen förmlich. - Nichts für zartbesaitete Moralisten.

Fachmännischer Austausch über Strategien

Bei Gesprächen mit anderen leidgeprüften Gartenbesitzern kommen noch weitere, nicht minder mörderische Vorschläge zutage: Die einen Jäger bevorzugen die Gartenschere, andere den Spaten oder kochendes Wasser. In Kaffeepulver enthaltenes Koffein ist für Schnecken ein starkes Gift. Zur Schneckenbekämpfung ist Filterkaffee gut geeignet. Auch die Düngung mit unverdünnter Gülle oder mit frischem Biogaskompost schadet den Nacktschnecken, wissen die Autoren von Wikipedia.

Nicht zu empfehlen ist die schonende Umsiedlung auf den Komposthaufen, ein Schlaraffenland für Schnecken. Dort vermehren sich die Biester ungehemmt weiter.

Sehr fruchtbar und effektiv in der Vermehrung

Indische Laufenten und die von ihnen abstammenden Stockenten gelten als Geheimtipp. Schnecken sind ihre erklärte Leib- und Magenspeise. Allerdings brauchen die Enten einen sorgfältig eingezäunten Garten, damit sie sich nicht vom Acker machen. Dafür bemühen sie sich, das gesamte Terrain schneckenfrei zu halten.

Nacktschnecken sind übrigens Zwitter. Sie können sich gegenseitig begatten. Beim Paarungsritual tauschen sie Samenflüssigkeit aus, die jeweils die eigenen Eizellen befruchtet. Einige Tage bis Wochen später legen die Schnecken unabhängig voneinander ihre 200 bis 400 Eier in mehrere geschützte Gelege ab.

Die Eigelege befinden sich unter der Erdoberfläche. Wer den Boden vor der weiteren Bearbeitung fräst oder sonst wie tiefgründig lockert, kann damit zumindest einen Teil der Eier erwischen und zerstören. Durch die Bearbeitung des Bodens kommen sie mit Luft und Sonne in Kontakt und vertrocknen.

Auf Gärtnerwebsites findet sich noch der Hinweis auf Schneckenkorn: Schneckenkorn wirkt, aber die Wirkung hält nicht ewig an. Deshalb muss man immer wieder nachlegen. Auch wenn die Anbieter behaupten, dass Nützlinge, Boden und Pflanzen vom Schneckengift nicht gefährdet werden, so bleibt ein schales Gefühl zurück. Gift sollte zumindest in einem biologisch geführten Garten nur eine Notlösung sein. Die Vorstellung, dass es über die Nahrungskette weitergegeben werden könnte, schreckt ab.

Zu Ethik, Moral und Schneckentod findet sich noch dieser treffende Gedanke auf einem Gärtnerportal im Internet: „Viele Gärtner sind Schöngeister. Das Zerteilen und Versalzen der Schnecken tut ihrer Seele nicht eben gut. Religiös orientierte Menschen werden in den Kriechtieren göttliche Wesen entdecken, die ihren Sinn und ihre Daseinsberechtigung haben müssen. Andererseits: Das Recht auf Leben haben auch junge Bohnenpflanzen, Dahlien, Tagetes, Petersilie, Sonnenblumen und andere Kreaturen, die ohne den Gärtner der Schneckenplage wehrlos ausgeliefert sind.“

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