Grüne und CDU in Twistetal wollen erst Konzept · FDP und SPD grundsätzlich dagegen

Kein Geld für Brehm-Bücherei

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Die Kreistagsgrünen 2012 in der Bibliothek Brehm. Unser Bild zeigt, von links nach rechts: Jürgen Frömmrich, Christine Möller, Adolf Brehm, Werner Welsch, Landrat a. D. Dr. Günter Welteke (CDU), Dietmar Danapel, Karl-Hermann Svoboda.

Twistetal - Niederwaroldern - Die Gemeindevertretung Twistetal will ein Votum zu einer Aufstockung des Stiftungsvermögens für die Bibliothek Brehm im Arolser Schloss von einem überzeugenden Konzept für die weitere Entwicklung der Bücherei abhängig machen.

Twistetal wird als am Ertrag der Waldeckischen Domanialverwaltung beteiligte waldeckische Kommune gehört, das Domanium ist Mitstifter und soll laut Kreistagsbeschluss aus den Rücklagen zusätzlich zwei Millionen Euro zuschießen, um die Stiftung vor der Auflösung zu retten. Das ursprüngliche Vermögen von einer halben Million Euro ist inzwischen auf 154000 Euro zusammengeschmolzen (wir berichteten).

Geld verschwendet

In den Chor der Kritiker stimmte SPD-Fraktionssprecher Otto Paul mit drastischen Worten ein. Die Kreispolitiker hätten seit Gründung der Stiftung vor über zwei Jahrzehnten geschlafen: „Unser schönes Geld ist nun weg!“ Das bereitgestellte Geld sei verschwendet worden, herausgekommen sei für die waldeckischen Bürger nichts.

Die Bücherei umfasse Bände von „Peterchens Mondfahrt“ bis hin zu lateinisch geschriebenen Büchern, und der Stifter Adolf Brehm habe in der Zwischenzeit „fröhlich weitere Bücher gekauft“, sagte Otto Paul. 40 Prozent der derzeit in der Bibliothek stehenden Bände gehörten gar nicht der Stiftung. Derweil habe die Gemeinde Twistetal alle Büchereien aus Geldmangel geschlossen.

Dafür sollen nun zusätzlich zwei, wahrscheinlich sogar zehn Millionen Euro für Bücher ausgegeben werden, „die kein Mensch sieht.“ In der Zwischenzeit seien keine Forschung, keine Archivierung oder Auflistung des Bestan-des erfolgt, kritisierte Paul.

„Warum müssen wir die Stiftung erhalten und das bisherige Versteckspiel weiter mitmachen?“, sagte Paul. Die Domanialverwaltung sei schließlich nicht gegründet worden, um Verluste zu decken, die außerhalb des eigentlichen Zuständigkeitsbereiches des heutigen Eigenbetriebes des Kreises entständen. „Das ist ein Fass ohne Boden“, erklärte der SPD-Sprecher im Hinblick auf die bisherigen Aufwendungen des Kreises, des Domaniums und der Standortgemeinde Bad Arolsen, deren Bürgermeister Jürgen van der Horst kürzlich ein Konzept zur zukünftigen Absicherung der Stiftung und des öffentlichen Bücherbetriebs vorgestellt hat.

Die Stiftung gehöre aufge-löst, forderte Wilhelm Hun-dertmark (FDP). Das Prestige-projekt einiger Bücherliebha-ber müsse beendigt werden, und die unter den bisherigen Landräten begangenen Fehler müssten korrigiert werden.

Grüne und CDU in der Gemeindevertretung hingegen unterstützen eine Aufstockung des Stiftungsvermögens. Die Stiftung aufzulösen, bringt nach Auffassung von Marc Wäscher (CDU) überhaupt nichts, weil das Vermögen mit allen Verpflichtungen der Domanialverwaltung zufalle. Es sei freilich schwer, der Bevölkerung zu vermitteln, dass so viel Geld mehr bereitgestellt werden solle, räumte er ein.

Schließlich besuche pro Monat ein Interessent diesen Teil des Schlosses, um sich von der für die Bibliothek eingestellten Fachkraft führen zu lassen oder in einem der Bücher zu lesen. Zudem gehe das Spektrum der Bücherei „querbeet, dort ist so ein bisschen Durcheinander“, berichtete Wäscher nach einer gemeinsamen Besichtigung der Fraktionen von CDU und FDP in der Brehm-Bibliothek. In der eigenen Fraktion habe sich eine Kontroverse über die weitere Finanzierung der Bücherei aus Rücklagen des Domaniums entzündet, mit einem vernünftigen Konzept sei diese aber vertretbar, bekundete der CDU-Gemeindevertreter.

„Keine Kulturbanausen“

„Wir wollen uns nicht als Kulturbanausen erweisen“, sagte Reinhard Deutschendorf (Bündnis 90/Die Grünen), eine Aufstockung der Stiftungsmittel werde nicht abgelehnt. Voraussetzung sei ein tragfähiges Konzept, bei dem eine abermalige Aufzehrung des Vermögens verhindert werde und die Öffentlichkeit mehr Zugang zu der Bibliothek bekomme, sagte er. Die Vorschläge aus Bad Arolsen, die natürlich auch die Interessen der ehemaligen Residenzstadt berücksichtigten, sei ein Ansatz, die Bringschuld liege aber beim Kreis, der das Vermögen der waldeckischen Kommunen über das Domanium verwalte.

Deutschendorf erklärte, dass vor einem Aufzehren des Kapitals der Stifter Brehm und der Vorstand hätten Bescheid bekommen müssen. Doch nun können man die Brehm-Stiftung nicht „wie eine heiße Kartoffel fallen lassen“, sagte Deutschendorf. Zudem habe die Einrichtung des Westflügels des Residenzschlosses „einen Haufen Geld gekostet“.

Knappe Mehrheit

Der Grünen-Gemeindevertre-ter gab zu bedenken, dass die Stiftung von den Kreistagsab-geordneten 1990 einstimmig beschlossen worden sei. Es sei nicht so, dass in den Räumen noch geschlossene Bücherkisten ständen. Vielmehr seien 90 Prozent des Bestandes gelistet und archiviert. Außerdem könnten jeden Mittwoch Interes-sierte die Bücherei besuchen.

Mit elf Stimmen votierte eine knappe Mehrheit der Gemeindevertretung dafür, bis zur Vorlage eines Konzeptes die Entnahme aus dem Domanialvermögen abzulehnen, während neun Gemeindevertreter grundsätzlich gegen eine weitere Finanzierung sind. Ein Mitglied des Parlaments enthielt sich der Stimme.

Die Gemeinde Twistetal musste laut Kreistagsbeschluss vor einer Bereitstellung weiterer Domanialgelder wie alle weiteren gewinnberechtigten waldeckischen Kommunen gehört werden. Die Summe von zwei Millionen Euro würde nach aktuellen Zinsen einen Ertrag von 30000 bis 40000 Euro bringen, die wiederum nicht an die Gemeinden und Städte ausgeschüttet werden könnten. Wegen der grundsätzlichen Bedeutung der geplanten Finanztransaktion haben einige Wal-decker Kommunen Einspruch erhoben (wir berichteten).

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