Die menschenscheuen Tiere fordern ihre Reviere zurück

Keine Angst vorm bösen Wolf

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Warburg-Scherfede - Die einen sehnen ihn herbei, die anderen fürchten ihn wie den Teufel: Der Wolf kehrt offenbar zu uns zurück.

Im Waldinformationszentrum Hammerhof hielten die Wolfberaterin Friederike Wolf und Jan Preller vom Nationalparkbüro Bad Lippspringe, beide Forstingenieure, einen interessanten Vortrag über Isegrim und Anzeichen von dessen Rückkehr.

Aufgrund der aktuellen Entwicklung der Wolfspopulationen in Niedersachsen und Thüringen gehen die beiden Fachleute mit Sicherheit von einem baldigen Auftauchen des Wolfes im waldreichen Ostwestfalen-Nordhessen aus.

Hierfür spricht auch das nachgewiesene großräumige Wanderverhalten von Canis lupus. Strecken von mehr als 1000 Kilometern in wenigen Wochen sind keine Seltenheit. Belegt sind auch Wanderungen über die Alpen. Besonders in der Ranzzeit, die gerade stattfindet, suchen die männlichen Tiere weiträumig nach passenden Partnerinnen.

Ausgerottet wurde das Raubtier bei uns um 1850 nicht zuletzt wegen seiner Jagd-Taktik. Warum sollte er im Wald lange nach Wildtieren suchen, wenn der Mensch doch leckere Beute nachts auf der Weide einsperrte? Für die früher meist armen Bauern bedeutete es eine Katastrophe, wenn Tiere ihrer Herde den Wölfen zum Opfer fielen. Der kraftvolle Biss in die Kehle mit Durchtrennung von Luftröhre, Speiseröhre und Hauptschlagader bedeutet für das Opfer den schnellen Tod.

Im Menschen löst diese Vorstellung Furcht aus und ist Grundlage für Märchen und schauerliche Vampirgeschichten. Für den Wolf spricht die Tatsache, dass er in unserer Region ursprünglich heimisch war und seine Rückkehr eine Bereicherung der ökologischen Vielfalt bedeutet.

Für Wildschweine ist der Wolf der einzige natürliche Feind. Rot- und Rehwildpopulationen gehen in Wolfsrevieren deutlich zurück. Das macht den Wolf bei einigen Jägern unbeliebt, Waldbesitzer hingegen freut es, wenn die Verbiss-Schäden an jungen Bäumen nachlassen.

Schafzüchter treibt die Rückkehr des vierbeinigen Räubers zur Verzweiflung, das wurde bei der Diskussion im Anschluss an den Vortrag deutlich. Zwei Methoden zum Schafschutz wurden angesprochen: Elektrozaun und Herdenschutzhunde. Beide Vorkehrungen haben ihre Schwächen.

Schließlich ging es noch um die Frage, ob Menschen jetzt Angst haben müssen, wenn sie in den Wald gehen. Die Fachleute konnten entwarnen. Der Wolf sei menschenscheu und zu einer direkten Begegnung komme es äußerst selten.

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