Umweltpreis der Landeskirche nach Mengeringhausen

Kirche für Dohlen offen

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Bad Arolsen-Meneringhausen - Mit dem Umweltpreis der Evangelischen Kirche von Kurhessen-Waldeck ist die Kirchengemeinde Mengeringhausen für ihr DohlenProjekt mit dem mit 2000 Euro dotierten Umweltpreis ausgezeichnet worden.

„Gott hat uns allen einen Platz eingeräumt“, brachte Pfarrer Uwe Jahnke das naturschützerische Engagement der Kirchengemeinde im gestrigen Gottesdienst auf den Punkt. Da Tiere genauso wie die Menschen geliebte Geschöpfe Gottes seien und viele Tierarten, wie etwa Eulen und Dohlen, Kirchen als Rückzugsorte brauchten, habe sich der Kirchenvorstand für Nistmöglichkeiten der gefährdeten Vogelarten entschieden, machte der Geistliche deutlich.

Vor 15 Jahren bei Beginn der letzten großen Sanierung sei dies ein großes Thema gewesen, räumte Jahnke das Konfliktpotenzial ein. Schließlich hätten 17 Tonnen Kot und weiterer Dreck aus dem Gewölbe über dem Kirchenschiff herausgeholt werden müssen. Doch hat sich der Kirchenvorstand bei der Beratung über die neue Dacheindeckung dafür entschieden, den Zugang zu dem Gewölbe zu verschließen, aber im Bereich von Dachgauben und Schalllöchern Nistmöglichkeiten zu schaffen. Neben den nun in der Kirche nistenden Dohlen und Fledermäusen hatten bereits Turmfalke und Schleiereule das Gotteshaus für die Brut genutzt.

Neben dem Ornithologen Prof. Dr. Hans-Heiner Bergmann haben sich Friedhelm Wernz und Georg Dembowski von der NABU-Gruppe Twistetal für die Nistmöglichkeiten eingesetzt. Wernz präsentierte gestern in der Kirche 30 Jahre alte Fotografien von der Schleier­eulenbrut. Die stabilen und ­großen Nistkästen baute die ­Firma Füllgraf. Die Konfirmanden sind mit in die Betreuung der neuen „Wohngelegenheiten“ einbezogen.

Pfarrerin Silvia Brusius, die im vorigen Jahr den Umweltpreis für die Gemeinden Anraff, Wega und Wellen entgegengenommen hat, stiftete gestern ein Fernglas zur Beobachtung der Rabenvögel. In ihren Edertaler Gemeinden waren ebenfalls Nistmöglichkeiten für Dohlen geschaffen worden.

Durch ehrenamtliches und gemeinschaftsbildendes Engagement sei nachhaltiger Schutz für bedrohte Vogelarten geschaffen worden, sagte die Oberlandeskirchenrätin Ute Stey bei der Übergabe des Preises an Pfarrer Jahnke. Eindringlich hätten sich die Gemeindeglieder mit der christlichen Botschaft auseinandergesetzt.

Das Projekt der Mengeringhäuser Gemeinde passe zu der Dekade der Biodiversität, weiß sich der Umweltbeauftragte der Landeskirche, Uwe Hesse, mit seinem Kollegen Michael Böttcher einig, der diese Funktion für den Kirchenkreis Twiste-Eisenberg innehat. Das Augenmerk des Umweltauschusses reiche von Falken bis hin zu seltenen Flechten. Der Gemeinde stiftete er als Geschenk eine seltene Apotheker-Rose.

Jan und Rita Knobbe sowie der Flötenkreis umrahmten den Festgottesdienst musikalisch. (ah)

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