Diskussion über Bau der Südumgehung Twiste

Den Königsweg gibt es nicht

Twistetal-Twiste - Hohe Wellen hat die erneute Diskussion über die geplante Ortsumgehung Twiste geschlagen. Daher hat sich der Ortsbeirat am Mittwoch mit dem Thema befasst und ein klares Votum dafür gefasst.

Twistetal-Twiste. Befürworter und Gegner haben sich mehrfach in zum Teil heftigen Stellungnahmen in unserer Zeitung oder bei diversen Veranstaltungen vor Ort zu Wort gemeldet. Der Ortsbeirat forderte am Mittwoch den Gemeindevorstand und die Gemeindevertretung auf, sich für einen positiven Abschluss des Planfeststellungsverfahresn einzusetzen, in dem derzeit die Variante S 3, eine Südumgehung, beim hessischen Verkehrsministerium geprüft wird. Bei einer Nein-Stimme und einer Enthaltung wurde der Beschluss gefasst. Im Anschluss an die öffentliche Auslegung der Pläne sind 81 Sammeleinwendungen und 40 einzelne Einwände abgegeben worden, wie Marina Ploghaus von der BI für Mensch und Natur - gegen eine ortsnahe Südumgehung Twiste in der Ortsbeiratssitzung mitteilte. Bei der von 30 Bürgern besuchten Versammlung machte BI-Sprecher Hartmut Seidler einen Knackpunkt deutlich: Die Anschlussstelle Süd im Bereich des Wohngebietes und der Straße Auf dem Schilling, bereitet den Gegnern Sorgen. Sie befürchten, dass die dort prognostizierten 1200 Kfz täglich die Sicherheit der dort lebenden Menschen, insbesondere von Kindern, gefährden könnten. Ortsvorsteher Otto Paul räumte ein, die Belastung an der Stelle werde zunehmen. Doch müsse die Zahl von 1200 Fahrzeugen pro Tag differenziert betrachtet werden: Die Anzahl sei deutlich geringer als in der Ortsdurchfahrt. Etwa 50 Kfz pro Stunde an der Anschlussstelle, rechnete Paul vor. Dagegen rollten bei der Zählung 2007 bereits 9400 Kfz über die B 252 durch Twiste. Bis 2020 werde deren Zahl um 38 Prozent auf 13 000 steigen, der Anteil des Schwerverkehrs sei besonders belastend. Paul zeigte in einem ausführlichen und detaillierten Rückblick auf, wo die Planungen nun stehen: So werden derzeit beim Land alle Stellungnahmen im Rahmen des Planfeststellungsverfahrens geprüft. Klagen seien noch möglich. Wenn aber alle Probleme gelöst worden seien, dann werde Baurecht bestehen. Die Lärmemissionen zum Wohngebiet ließen sich durch die Anlage von bepflanzten Wällen reduzieren. Im Übrigen gebe es neben der Anschlussstelle Süd die Abfahrten Ost in der Nähe der ehemaligen Spulenfabrik und West am Bahnübergang. Ortsbeiratsmitglied Rolf Rauschkolb machte deutlich, dass dadurch die Verkehrsströme verteilt würden. Den Anschluss Süd würden schwerpunktmäßig die Kraftfahrer nutzen, die im Bereich des Schilling unterwegs seien oder dort wohnten. Die Belastung an der Ortsdurchfahrt sei dagegen unerträglich und unzumutbar, betonte Paul. Diese Erkenntnis sei eine Grundlage für die Einordnung der Baumaßnahme in den Bundesfernstraßenplan mit hoher Priorität. „Es geht darum, den Menschen zu helfen“, sagte Paul. Die Gemeinde bemühe sich seit Jahren auch um Zwischenlösungen, zuletzt um ein Versetzen der Ortseingangsschilder in Twiste und Berndorf, um frühzeitig eine Tempodrosselung zu erreichen, wie Bürgermeister Stefan Dittmann erklärte. Zudem seien stationäre Geschwindigkeitsmessanlagen beantragt worden. Jedoch zögen sich solche Verfahren hin. „Wir werden den Kfz-Anteil nicht vermindern, aber das Tempo reduzieren“, erklärte der Rathauschef weiter. Ortsvorsteher Paul ergänzte, dass das Lkw-Fahrverbot auf Druck der Speditionen und durch höchstrichterlichen Beschluss aufgehoben worden sei. Auch das Nachtfahrverbot stehe wahrscheinlich in Frage. „Königsweg gibt es nicht“ Einen Königsweg gebe es nicht, alles laufe aber auf eine Ortsumgehung hinaus, machte Dittmann weiter deutlich. Er stelle sich vor die Gremien, deren Beschluss für die nun favorisierte Varianta Südumgehung S 3 nach langwierigen Beratungen in den kommunalen Gremien getroffen worden sei: „Ich bin der vierte Bürgermeister, der sich mit dem Thema befasst“, sagte Dittmann. Er betonte, dass es auch um die weitere Entwicklung des Ortes gehe: Wie könne der Verkehr aus dem Ortskern verbannt werden? Wie solle sich das Gewerbe entwickeln? Schließlich werde der Kanal in der Ortsdurchfahrt durch den Schwerverkehr kaputtgefahren. Der Bürgermeister rief zu einer Rückkehr zu einer sachlichen Diskussion auf. Es sei unfair, wenn einzelne Kommunalpolitiker angegriffen würden. Dadurch werde auch das Ehrenamt gefährdet. Dittmann warnte vor einer Spaltung der Einwohner. Er, Dittmann, nehme alle Einwände ernst. Als Bürgermeister sei er aber auch an die Beschlüsse der Gremien gebunden. Er sei überrascht, „dass sich das Bild der Diskussion jetzt verzerrt.“ In einer bewegten Stellungnahme wies Wilhelm Hundertmark alle Diffamierungen unter anderem in anonymen Briefen gegen ihn zurück. Die BI treibe einen Keil in die Bevölkerung. Dabei habe eine breite politische Mehrheit den Beschluss für die nun anvisierte Umgehung gefasst. Diese Trasse gebe Twiste eine Zukunft, sagte Hundertmark unter starkem Applaus aus der Zuhörerschaft. Ein Verzicht trage dazu bei, dass der Ort noch mehr Einwohner verliere und langfristig die Selbstständigkeit der Großgemeinde zwischen der Kreisstadt Korbach und dem Mittelzentrum Bad Arolsen gefährdet werde. Rauschkolb betonte, dass dem Votum ein langer demokratischer Prozess vorausgegangen sei, bei dem jeder habe mitreden können. Es gehe nicht an, diejenigen persönlich anzugehen, die sich ehrenamtlich für das Allgemeinwohl eingesetzt haben.Hartmut Seidler von der BI sagte, er bedauere es, wenn es zu Diffamierungen gekommen sei. Die BI betreibe jedenfalls keine Verunglimpfungen. Zudem sei sie nicht an einer Spaltung der Bürgerschaft interessiert. (ah)

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