Zur 475-Jahr-Feier wollen die Kohlgrunder altes Handwerk wieder aufleben lassen

Kohlgrunder Köhler wieder da

Ortsvorsteher Heinrich Kaune befüllt unter Anleitung eines Köhlerexperten aus Hoppeke den Kohlgrunder Meiler. Foto: Schulten

Kohlgrund - Das die Köhler in Kohlgrund einst ein hartes leben hatten, konnten am Wochenende ihre Nachfahren am eigenen Muskelkater nachempfinden. Für die 475-Jahr-Feier am kommenden Wochenende haben die Kohlgrunder einen Holzkohlenmeiler aufgeschichtet und entzündet.

Zehn Raummeter Buchenholz durften die Kohlgrunder für ihr Jubiläumsprojekt kostenlos aus dem Fürstlichen Wald entnehmen. Fein säuberlich zerkleinert in Scheite zu 70, 50 und 30 Zentimetern wurde das Holz dann fachmännisch aufgeschichtet.

Dabei erhielten die Kohlgrunder, denen das Köhlerhandwerk über die Jahrhunderte verloren gegangen ist, fachmännische Hilfe und Anleitung von den Köhlerfreunden aus Hoppeke.

Köhler-Handwerk

Den Mittelpunkt eines jedes Holzkohlenmeilers ist nämlich der Quandelschacht, um den herum das Holz gestapelt wird. Der Schacht ist etwa 40 mal 40 Zentimeter groß. Wenn der Meiler komplett abgedichtet ist, wird über diesen Schacht die Glut eingefüllt, die den Verkohlungsprozess in Gang setzen soll.

Doch bis es so weit ist, muss das Buchholz fein säuberlich mit Gras und Erde abgedeckt werden, damit keine Luft von außen eindringen kann. Luft und der darin enthaltene Sauerstoff würde ein richtiges Feuer entfachen und eine ganz normale Verbrennung in Gang setzen.

Die ist aber im Holzklohlenmeiler nicht erwünscht. Das Holz soll unter Sauerstoffmangel vor sich hin kokeln und sich langsam in Holzkohle verwandeln. Die verbrennt nämlich deutlich heißer als normales Holz. Die höheren Temperaturen, die bei der Verbrennung von Holzkohle entstehen, sind entscheidend bei der Verhüttung von Eisenerz.

Die Köhler von Kohlgrund waren nämlich in früheren Jahrhunderten die ersten Schwerindustriellen der Region. Mit ihrer Holzkohle wurde das Eisenerz verarbeitet, das in den Erzstollen von Adorf abgebaut wurde.

Das Eisenerz wiederum konnte anschließend an den mit Orpewasser betriebenen Hammerwerken weiter verarbeitet werden. So lieferte das Orpetal den Rohstoff für all die Schwerter, und Pflugscharen, die im Mittelalter geschmiedet wurden.

475-Jahr-Feier

Das Köhlerdorf Kohlgrund wurde 1537 erstmal urkundlich erwähnt. Die Eisengewinnung an der Orpe wurde jedoch in den Hochöfen und Hämmern entlang der Orpe langsam unwirtschaftlich und so wurde auch der Beruf des Köhlers immer seltener ausgeübt.

Zur 475-Jahr-Feier von Kohlgrund soll nun noch einmal an die alte Herrlichkeit erinnert werden. Dazu haben fleißige Helfer aus Ortsbeirat und örtlichen Vereinen am Wochenende den Meiler aufgeschichtet und entzündet.

Dei Experten aus Hoppeke rechnen damit, dass der Meiler sieben tage vor sich hin kokelt. Dazu muss er Tag und Nacht überwacht. Für die Wächter wurde eine Köhlerhütte errichtet. Regelmäßig müssen sich den Meiler besteigen, nachschauen, ob die Glut im Quandel noch kokelt, nachstochern und mit System Luftlöcher in den Meiler bohren und wieder verschließen.

Festprogramm am Sonntag

Im Idealfall kokelt das Buchenholz von Innen nach außen und von ober nach unten. Nach sieben Tagen, zum Fest am Sonntag, 23. September, wird der Meiler dann geöffnet und die Holzkohle entnommen.

Ein Teil davon soll gleich in der Esse der Waldschmiede wieder entfacht werden. Die Freizeit-schmiede Rudolf Figge und Walter Grebe wollen auf einem 250 Kilogramm schweren Amboss vorführen, wie rot-glühendes Eisen geschmiedet wird.

Für Samstagabend, 22. September, wird ab 20 uhr zum Meilerabend geladen. Das Festprogramm am Sonntag beginnt um 11 Uhr mit dem Gottesdienst in der Schützenhalle. Gegen 13 Uhr wird das Fest mit Böllerschüssen und Festreden eröffnet.

Im Rahmenprogramm locken eine mittelalterliche Wurst- und Fleischbraterei, eine Apfelausstellung mit einem erfahrenen Pomologen, die Darstellung einer Spinnstube, einer Seilerei und einer Butterfabrikation.

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