Polizei und Stadtverwaltung prüfen Ansprüche gegen Einlader der Facebook-Party

Kommt die Rechnung noch?

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Bad Arolsen - Die abgesagte Facebook-Party vom 22. Juni hat Bad Arolsen bekanntlich den größten Polizeieinsatz der Stadtgeschichte beschert. Polizei und Stadtverwaltung prüfen derzeit noch, ob und wie die dabei entstandenen Kosten beim Verursacher eingetrieben werden können.

Bürgermeister Jürgen van der Horst hat seine Mitarbeiter alles penibel auflisten lassen, was zur Abwehr möglicher Gefahren durch randalierende Partygäste nötig war. Dazu gehören Feuerwehrleute in Bereitschaft ebenso wie der Auf- und Abbau von Umleitungsschildern und vieles mehr. An die 30 000 Euro sind so zusammengekommen.

Derzeit lässt der Bürgermeister die Rechnung und die rechtliche Begründung noch durch den Städte- und Gemeindebund prüfen. „Wir wollen schließlich keine Fehler machen“, so van der Horst.

Präzedenzfälle häufen sich Ähnlich geht die hessische Polizei bei der Prüfung ihrer Ersatzansprüche vor. Polizeisprecher Volker König konnte daher auf WLZ-Anfrage noch keine konkreten Zahlen nennen. Die Rechtsabteilung prüft.

Unterdessen mehren sich die Präzedenzfälle aus anderen Bundesländern: Im baden-württembergischen Backnang soll der Einlader zu einer Facebook-Party für den Einsatz von 300 Polizisten 100 000 Euro zahlen. Genaue Prüfung nötig Auch die bayerische Polizei verschickt dicke Rechnungen nach Randale-Partys. Summen bis zu 200 000 Euro geistern durch die bayerische Presse.

Entscheidend sind dabei immer die genauen Umstände des Vorfalls: Hat der Einlader tatsächlich zu Gewalt aufgerufen? Oder ist eine harmlose Party nur irgendwann aus dem Ruder gelaufen? Die Polizeigesetze der Länder haben außerdem viele unterschiedliche Regelungen.

Ob der Einlader der Bad Arolser Facebook-Party am Ende tatsächlich zahlen muss, ist indes fraglich. Zum einen hatte er auf Druck von Polizei und Stadt die Party frühzeitig abgeblasen und sich kooperativ gezeigt. In der Folge hatten nur sehr wenige fremde Partygäste den Weg nach Arolsen gefunden. Gewalttätigkeiten gab es keine. Juristen prüfen noch

Zum anderen gilt der junge Mann als mittellos und ohne Arbeit. Auch scheint es schwierig, eine juristisch haltbare Anspruchsgrundlage gegen den jungen Mann zu finden, der es immerhin geschafft hat, rund 300 Angehörige von Bereitschaftspolizei, Kripo und Schutzpolizei am Abend des EM-Spiels Deutschland gegen Griechenland vom Fußball fernzuhalten.

Während also die Juristen noch prüfen, ist Bad Arolsen von einem weiteren, diesmal eher positiven Facebook-Phänomen betroffen: In dem sozialen Netzwerk im Internet hat sich in der vergangenen Woche eine neue Gruppe gebildet, die unter dem Titel „Du kommst aus Bad Arolsen, wenn...“ zu finden ist. Gruppe für Arolsen-Fans Hier können ehemalige und aktuelle Bewohner der Stadt ihre Erinnerungen, Erlebnisse und Beobachtungen mit anderen teilen.

Dabei geht es zum Beispiel um Originale, die jahrzehntelang das Stadtbild prägten, um Lehrer, längst geschlossene Geschäfte oder Begebenheiten aus der Großen Allee.

Dieser sympathischen Gruppe, angeregt übrigens von der aus Bad Arolsen stammenden Schlagersängerin Nicole da Silva, haben sich inzwischen rund 1400 Arolsen-Fans angeschlossen. Sie sind das positive Gegenstück zu den 3000 virtuellen Teilnehmern an der ausgefallenen Randale-Party.

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