Bad Arolsen

Konversion gelungen: Schwerter zu Industrieanlagen

- Bad Arolsen (-es-). Das Gespenst der Kasernenschließungen geht wieder um in Deutschland. Zurückblickend auf 15 Jahre Konversion in Bad Arolsen hat die ehemalige Residenzstadt die Auswirkungen von gleich zwei solcher gravierender Einschnitte erstaunlich gut weggesteckt. Rund 70 Arbeitsplätze sind allein auf dem Hagen neu entstanden.

Jahrzehntelang war die Stadt Heimat für rund 1100 belgische Nato-Soldaten und ihre Angehörigen. Sie räumten die Innenstadtkaserne und die belgische Siedlung bereits 1994. Zehn Jahre später, im Dezember 2004 wurde dann auch die Truppenfahne der Bundeswehr auf dem Mengeringhäuser Hagen für immer eingeholt. In der Bundeswehrkaserne waren über 40 Jahre lang ebenfalls bis zu 1000 Soldaten verschiedener Waffengattungen stationiert. Beide Garnisonen waren aber nicht nur Wirtschaftsfaktor, sondern bereicherten das gesellschaftliche Leben. Deutsche und belgische Soldaten waren als Übungsleiter in Sportvereinen aktiv und waren bei vielen Anlässen im Stadtbild präsent. Nach ihrem Abzug standen die Arolser Kommunalpolitiker vor der Aufgabe, die Militärbrache neu zu nutzen. Zehn Jahre nach Räumung der Innenstadtkaserne ist die Konversion, die Umwandlung des rund zehn Hektar großen Areals der Innenstadtkaserne erstaunlich gut gelungen. Auf einem Teilgelände ist eine Neubausiedlung entstanden. Gleich nebenan lädt das Freizeitbad Arobella zur Entspannung ein. Ein großer Teil der ehemaligen belgischen Kaserne beherbergt nun einen Supermarkt und ein Baumarkt. In einem ehemaligen Mannschaftsblock sind Büros der Agentur für Arbeit. Im ehemaligen Soldatenkino ist die Diskothek „Sunset No. 1“ entstanden. Schwieriger gestaltete sich dagegen die zivile Umnutzung der Kaserne in Mengeringhausen und des angrenzenden Standortübungsplatzes. Die Stadt wurde zwar zum Schnäppchenpreis Eigentümerin der Flächen, musste sich aber verpflichten, die nicht mehr benötigten Mannschaftsgebäude dem Erdboden gleichzumachen. Der stadteigene Bioenergiepark beherbergt nun ein Holzheizkraftwerk, dessen Abwärme demnächst von einen Holzpelletwerk zur Holztrocknung genutzt wird. Auf einem Großteil der Flächen des Standortübungsplatzes wurden Solarbäume von privaten Investoren errichtet. Auch wenn die Betreibergesellschaft Insolvenz angemeldet hat, zeichnet sich doch eine gute Lösung für das zukunftsweisende Projekt ab. In der ehemaligen Truppenküche hat sich ein Baumarkt niedergelassen. Den Bundeswehrsportplatz konnte die Stadt für die Fußballer des TuSpo in Mengeringhausen günstig erwerben. In der ehemaligen Standortverwaltung werden inzwischen Schüler des Bathildisheimes unterrichtet. Ein modernes Asphaltmischwerk ist am Rande des ehemaligen Übungsplatzes entstanden. Viele kleine Firmen der Region nutzen die ehemaligen Bundeswehrhallen für ihre Zwecke. Die restlichen Kasernenflächen stehen für weitere Gewerbe- und Industrieansiedlungen bereit. Offensichtlich hat Bad Arolsen die Herausforderungen der Konversion erstaunlich gut gemeistert.

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