Bad Arolsen/Kassel

Mit Küchenmesser zur Spielhalle

- Bad Arolsen (-es-). Sechs Verhandlungstage mit 18 Zeugen, einem Dolmetscher und einem psychiatrischen Gutachter hat die sechste große Strafkammer des Landgerichts Kassel für einen Prozess nach einer Messerstecherei in einer Bad Arolser Spielhalle angesetzt.

Angeklagt ist ein 25-jähriger Afghane, der vor zwei Jahren zusammen mit 50 anderen mit Hilfe einer Schleuserbande nach Deutschland kam. Aus Langeweile hat er begonnen, regelmäßig Alkohol in größeren Mengen zu trinken, um zu vergessen, wie er vor Gericht einräumte. Alkohol war auch im Spiel, als der junge Afghane Ende März vergangenen Jahres in eine Massenschlägerei in der Korbacher Diskothek Kulturfabrik verwickelt wurde. Dabei sollen nicht nur Fäuste, sondern auch abgeschlagene Bierflaschen geflogen sein. Der Hauptvorwurf, der nun vor dem Landgericht verhandelt wird, lautet jedoch auf versuchte Tötung und gefährliche Körperverletzung. Tatort war am Abend des 25. November 2010 eine Spielhalle in der unteren Bahnhofstraße. Sein Opfer war ein 22-jähriger Kosovar, der sich seinerzeit illegal in Deutschland aufhielt und deshalb bei der ersten Rangelei mit dem angetrunkenen Afghanen auch keinerlei Drang verspürte, die Polizei einzuschalten. Als er dann aber von seinem Angreifer mit einem Messer zunächst in Gesicht malträtiert wurde und dann auch das Messer im Rücken spürte, nahm er reißaus, flüchtete sich in die Sportsbar in der Helenenstraße und rief um Hilfe. Nach notärztlicher Erstversorgung und Krankenhausaufenthalt stand eigentlich die Abschiebung des illegalen Kosovaren an. Mit Rücksicht auf das laufende Ermittlungsverfahren gegen den Afghanen wurde dann jedoch die geplante Abschiebehaft aufgehoben und einer vorläufige Aufenthaltserlaubnis erteilt. So kam es am gestrigen Montag zur ersten Begegnung von Täter und Opfer nach der blutigen Messerstecherei. Der 25-jährige Afghane, dem außer einem Rechtsanwalt auch ein Übersetzer an die Seite gestellt wurde, räumte seine Taten bei Prozessbeginn unumwunden ein: „Es stimmt, was da drinsteht“, kommentierte er die verlesene Anklageschrift. Doch zur Verwunderung des Angeklagten war damit der Fall noch lange nicht erledigt: Jedes kleine Details wird das Gericht in den kommenden zwei Wochen mit Hilfe von 18 Zeugen zu ergründen suchen.

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