25 000 Besucher aus dem In- und Ausland besichtigen jährlich das Residenzschloss in Bad Arolsen

In Latschen durch prunkvolle Räume

+
Die Bad Arolser Schlossführerin Dagmar Mehles mit einer Besuchergruppe.

Bad Arolsen - Das gerne als „Waldecker Versailles“ apostrophierte Arolser Barockschloss lockt jährlich 25 000 Besucher an, seit dem Abschluss der Sanierung ist das Interesse noch mehr gestiegen.

Mit ausschlaggebend dafür sind die sieben Schlossführerinnen, welche die aus dem In- und Ausland kommenden Besucher auf Deutsch, Englisch und Niederländisch durch die prunkvoll ausgestatteten Räume führen. Seit über 50 Jahren werden in dem nach wie vor von der fürstlichen Familie bewohnten Schloss Führungen angeboten - das Interesse ist enorm gestiegen.

Publikum international

Auf die internationalen Besucher freut sich unter anderem Dagmar Mehles, die bereits seit mehreren Jahren Besuchergruppen durch das Residenzschloss führt. Angetan hat es ihr die Tätigkeit in einer außergewöhnlichen Umgebung. „Es kann ja nicht jeder behaupten, im Schloss zu arbeiten“, sagt sie mit einem Schmunzeln. Besonders wichtig ist ihr aber auch der Kontakt zu den Besuchern, die für Abwechslung sorgten. So gleicht keine Führung der anderen, selbst wenn der Rundgang derselbe ist.

Zu Beginn der Führung wird dem Steinernen Saal als wohl schönstem Raum des Schlosses eine viertelstündige Besichtigung gewidmet. Danach ist das Überziehen der Filzpantoffeln Pflicht. Auch wenn so mancher zunächst über die polierende Wirkung der Schuhe Witze macht, schlurfen die Besucher brav durch die imposanten Räume im Obergeschoss.

Die Reaktionen der Besucher sind durchgehend positiv, durch die Pracht der Räume und die gut erhaltene Ausstattung ist der Großteil der Gäste beeindruckt. Die detailreichen Stuckaturen des Italieners Gallasini wirken besonders imposant und ziehen im gesamten Schloss die Blicke der staunenden Kulturinteressierten auf sich.

Ein Schmunzeln ruft die Präsentation der Toilette mit Wasserspülung hervor, die damals das Modernste war. Lacher ruft auch ein kohlebeheizter Bettwärmer hervor: Im Winter war es im Schloss kalt, und eine Zentralheizung gab es nicht.

Die Führungen befassen sich mit dem Hauptteil des Schlosses. In der Mitte des Barock-bauwerkes aus dem 18. Jahrhundert werden die Waffenkammer, Schlaf- und Kinderzimmer sowie Säle gezeigt. „Das ist in der Region ja einzigar-tig, etwas Vergleichbares gibt es hier ja nicht“, erklärt Frau Mehles die Anziehungskraft des Schlosses. Einige Gäste bezeichnen das Gebäudeensemble als eines der schönsten und am besten erhaltenen landesweit.

Seit dem Abschluss der über 22 Jahre lang dauernden und 24 Millionen Euro teuren Sanierungsarbeiten erscheint das Schloss in seinem schönsten Gewand. „Das merken auch die Besucher“, sagt Angelika Sarnowitsch, eine der weiteren Schlossführerinnen.

Attraktion für Niederländer

Besonders viele niederländische Reisegruppen besuchen Arolsen und sein Schloss. Die Touristen aus unserem Nachbarland kommen, um mehr über die Wurzeln „ihrer Königin Emma“ zu erfahren. Emma war Tochter des Hauses Waldeck und wurde 1858 in Arolsen geboren. Die damalige Prinzessin Emma heiratete 1879 den gut 40 Jahre älteren König der Niederlande Willem III. Nach dessen Tod übernahm sie stellvertretend für die noch zu junge gemeinsame Tochter Wilhelmina von 1890 bis 1898 die Regentschaft, wie in dem auch auf Niederländisch verfassten Schlossführer geschrieben steht.

Wegen dieser Verbindung werden seit einigen Jahren auch fremdsprachige Führungen angeboten, die gerne von niederländischen Reisegruppen angenommen werden. Auch amerikanische Gäste, welche die Heimat ihrer Vorfahren besuchen, begeistern sich für das üppig gestaltete Bauwerk.

Neben dem internationalen Publikum sorgen vor allem auch die Gäste des Wel-come-Hotels und Patienten der Schön Klink für gute Besucherzahlen. Jährlich werden 20 000 bis 25 000 Besucher durch das Residenzschloss geführt. Die Einheimischen nehmen selten das Angebot einer Führung wahr. Hauptsächlich Grundschulklassen gehören zu den heimischen Gästen. In der Vor- und Nachsaison sinkt das Interesse, in der im April beginnenden Hauptsaison gehören bis zu sieben Führungen zum normalen Tagesgeschäft. Auch die Barock-Festspiele Ende Mai/Anfang Juni tragen dazu bei, die Bekanntheit des Schlosses über die Grenzen Waldecks und Hessens hinaus zu steigern.

Neben Führungen wird die Möglichkeit angeboten, im glanzvollen Ambiente des Schlosses die eigene Hoch-zeitsfeier zu veranstalten oder andere Anlässe zu feiern.

Um dem steigenden Zuspruch an Besuchern gerecht zu werden, gelten ab 1. April neue Öffnungszeiten: täglich von 10 bis 17 Uhr, ab Ende Oktober dienstags bis samstags 14 bis 17 Uhr, sonntags 11 bis 17 Uhr.

Kommentare