Twistetaler Fischexperte sorgt sich um Bestände

Lebensraum der Forelle in Gefahr

Die Fischereiexperten Günter Klemann (r) und Nils König informieren auf der Orpebrücke bei Wrexen über die Lebensbedingungen der Forelle. Foto: Ute Germann-Gysen

Diemelstadt/Twistetal - Die Forelle ist Fisch des Jahres 2013. Die zu den Salmoniden zählende Forelle soll in den Fokus der Öffentlichkeit gerückt werden, um Verbesserungen für die Lebensbedingungen dieser bedrohten Tierart zu erreichen.

Für die Forelle setzen sich Günter Klemann, Ausbildungsleiter im Verband Hessischer Fischer, und Nils König, Naturschutzbeauftragter und Gewässerwart des Angelsportvereins Wrexen, besonders ein.

Auf den ersten Blick scheint es paradox, wenn Klemann einerseits Fischerlehrgänge erteilt, um neue Petrijünger auszubilden, ihm andererseits der Schutz der einheimischen Bachforelle besonders am Herzen liegt.

„Nur wer die Lebensbedingungen, das Verhalten und die Besonderheiten dieses Fisches kennt, kann ihn auch entsprechend achten, seinen Bestand fördern und Gefahren von ihm abwenden“, so seine plausible Erklärung.

Immerhin 1400 Angelinteressierte hat er bereits zur Fischerprüfung geführt. Der ganz überwiegende Teil dieser geprüften Angler hat im Laufe des Lehrgangs überraschende Einblicke in das Leben im Wasser gewonnen und ändert durch die neuen Erkenntnisse so manche Verhaltensweise.

Gerade fließen große Mengen Schnittgut vorbei, als Klemann und König für das Foto auf der Orpebrücke stehen und sich unterhalten. „Aha, da hat wieder jemand seine Böschung freigeschnitten“, die Erklärung von Klemann. König ergänzt: „Gerade im Sommer, wenn das Wasser durch die höhere Temperatur weniger Sauerstoff binden kann, ist der in Fäulnis übergehende Grünschnitt besonders schädlich für alle im Wasser lebenden Tiere - besonders für die Forelle.“

Klemann: „Es ist noch nicht mal böser Wille, sondern einfach Gedankenlosigkeit und Unwissenheit, die Leute dazu veranlassen, solche Dinge zu tun.“ Der Grundgedanke sei, das Wasser reinigt sich selbst. Aus den Augen - aus dem Sinn. Gegen diese tief in uns Menschen verwurzelte Idee helfe nur ständiges Aufklären.

Eine andere Gefahr stellen die Turbinen der Wasserkraftanlagen dar. „Fische, die dort hineingelangen, kommen als Hackfleisch wieder raus“, so Klemann. Eine neue EU-Richtlinie fordert daher die Umstellung der Turbinen auf fischfreundliche Technik. Die Umsetzung dieser Richtlinie nimmt allerdings Zeit in Anspruch, denn die Einrichtung ist mit erheblichen Kosten verbunden.

Dem Brutgeschäft der Forelle stehen außerdem oft unüberwindbare Hindernisse im Weg. Zur Eiablage müssen Salmoniden in flache Gewässer hochschwimmen, um nach der Ablage und Befruchtung der Eier wieder in tiefere Bäche abzuwandern. Sonst würden sie ihre eigene Brut auffressen.

Zahlreiche Wehranlagen an den Bächen erschweren diese Wanderung. Gut gemeinte Fischtreppen sind nicht immer für die Forelle überwindbar. Nicht zuletzt bereitet der Kormoran den Anglern Kopfzerbrechen.

Jeder dieser Vögel frisst 500 Gramm Fisch pro Tag, das entspricht zwei bis drei fortpflanzungsfähigen Bachforellen. Seit an der Nord- und Ostsee für den Kormoran durch Verschmutzung und Verklappung Nahrungsmangel herrschen, wandert dieser Fischliebhaber in das Binnenland ab.

Aktive Gewässerpflege

Eine Einschränkung der Kormoranbestände ist nur durch Abschuss möglich. Hier prallen die Interessen der Vogelliebhaber mit denen der Angler natürlich heftig aufeinander.

Klemann: „Wir versuchen, durch den Besatz mit Bachforellen aus Zuchtanlagen die Bestände zu erhalten. Unsere Jungfische stammen von einem Zuchtbetrieb, der an der Orpequelle liegt, um möglichst lebensraumnahen Nachwuchs zu bekommen.

Nach dem Besatz gilt für eine Woche Angelverbot, um den Fischen das Einfinden in den neuen Lebensraum zu erleichtern.“ Teil des Gewässerschutzes ist auch das jährlich stattfindende Müllsammeln.

Die Vereinsmitglieder des ASV Wrexen befreien dann die Uferbereiche von Abfällen und auch so mancher Autoreifen und sogar Ölkanister wird aus dem Wasser gefischt. (Von Ute Germann-Gysen)

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