Entrümpelte Lehrpläne: Beim G9 soll Errungenschaft von G8 erhalten bleiben

In Lernwerkstatt gezielt fördern

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CRS-Schulleiterin Cornelie Seedig (2.v.r.) zusammen mit den Koordinatorinnen für die Unter- und Mittelstufe, Tina Römer und Anne-Kathrin Parayjas (r).

Bad Arolsen - Im neunten Jahr als Leiterin der Christian-Rauch-Schule ist Cornelie Seedig besonders zufrieden mit „ihrer“ Schule, ihrem „Team“ und den baulichen und pädagogischen Errungenschaften des Arolser Gymnasiums.

„Wenn ich so auf Fortbildungsveranstaltungen und Tagungen höre, wofür andere Schulen hessen- oder gar bundesweit als vorbildlich ausgezeichnet werden, kann ich oft nur feststellen, dass wir das bei uns schon lange praktizieren“, stellt die Schulleiterin mit Blick auf Doppelstunden, Schulsozialarbeit und viele pädagogische Konzepte fest und fügt fast entschuldigend hinzu: „Man muss ja auch mal sagen dürfen, wenn etwas gut läuft. - Und an unserer Schule läuft im Moment eine Menge verdammt gut!“

Mit einigem Aufwand hat die Schulgemeinde in den vergangenen Jahren die Umstellung von G9 auf G8 gemeistert. Nun steht die Rückkehr zum Abitur nach neun gymnasialen Unterrichtsjahren bevor.

Die rund 80 Lehrer an der Christian-Rauch-Schule haben sich aber vorgenommen, nicht einfach zum alten Regelwerk zurückzukehren.

Im Zuge der Umstellung wurden Lehrpläne entrümpelt und ein funktionierendes System für Nachmittagsunterricht eingeführt. Diese Errungenschaften in Form von mehr Zeit sollen auch künftig genutzt werden, und zwar für eine intensivere pädagogische Betreuung, für Arbeitsgemeinschaften, organisierten Förderunterricht, für Musik und interessante Hobbys.

„Bisher konnten nur die Schwachen gefördert werden. Künftig haben wir mehr Gelegenheit, auch die Starken zu fördern“, bringt Anne-Kathrin Parayjas das Ziel auf den Punkt. Die Rückkehr zu G9 sei richtig, weil den Kindern auf diese Weise ein wichtiges Entwicklungsjahr zurückgegeben werde.

Dieses Jahr mache bei der geistigen Reife und im Verständnis von Texten und Themen eine Menge aus. Wichtig sei, dass die Schüler am Ende der Mittelstufe reif seien für die Oberstufe. Das helfe vor allem den Jungen, von denen in den vergangenen Jahren viele vorzeitig das Handtuch geworfen hätten.

Damit wird von Pädagogen erstmals eingeräumt, dass das G8 zu einer erhöhten Abbrecherquote geführt hat.

Doch nicht nur die Ober- und Mittelstufe sollen profitieren: In den vergangenen Jahren wurde an der CRS ein System von Jahrgangstufenteams eingeführt. Darin arbeiten die Lehrer der Jahrgangsstufen 5, 6 und 7 als Team zusammen und stimmen ihre Methoden und Regelwerke miteinander ab. Für Eltern und Schüler bedeutet das mehr Verlässlichkeit und Transparenz.

Gut angenommen wird auch das Prinzip der Lernwerkstatt, in der Schüler nachmittags von Montag bis Donnerstag freiwillig bedarfsgerecht und selbstständig lernen können. Mithilfe eines Diagnosebogens wird zunächst der Förderbedarf ermittelt und schriftlich fixiert.

Damit können die Lehrer in der Lernwerkstatt und die darin mitarbeitenden Schüler nach dem SuSi-Konzept (Schüler unterrichten Schüler) systematisch den Förderunterricht organisieren.

Derzeit nutzen 74 Schüler das Angebot regelmäßig, wie Koordinatorin Tina Römer berichtet, 20 Schüler kommen zusätzlich täglich in die Lernwerkstatt, in die die Schulleitung zusätzliche Lehrerstunden investiert.

Wenn ab dem Schuljahr 2013/2014 wieder im Takt von G9 unterrichtet wird, wird auch wieder das Interesse am Instrumentenunterricht in den Orchesterklassen und dem bilingualen Unterricht steigen, so die Hoffnung der Schulleitung.

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