Bad Arolsen

Der letzte DDR-Verteidigungsstaatssekretär sprach vor CRS-Oberstufenschülern

- Bad Arolsen (-es-). Um heutigen Schülern ein Gefühl für die ungeheuren Umwälzungen zu geben, die mit der Gewerkschaftsbewegung Solidarnosc in Polen begannen, die deutsche Wiedervereinigung ermöglichten und schließlich zur Auflösung des Warschauer Paktes und der Sowjetunion führten, reist Ex-Staatssekretär Werner Ablass, Mitglied der letzten DDR-Regierung unter Führung von Lothar de Maizière, zu Vorträgen quer durch Deutschland.

In der Christian-Rauch-Schule war Ablaß am Dienstag auf Vermittlung der Kameradschaft ehemaliger Soldaten im Deutschen Bundeswehrverband Bad Arolsen-Wolfhagen zu Gast. Deren Vorsitzender, Oberst a. D. Jürgen Damm, schwärmte vor Oberstufenschülern der Jahrgangsstufen 12 und 13 von der „spannenden Zeit, in der Weltgeschichte geschrieben wurde“. Auch Schulleiterin Cornelie Seedig hatte ganz persönliche Erinnerungen an die deutsche Teilung zu berichten und stellte fest: „Bei uns Älteren sind die Erinnerungen alle sehr emotional. Ein Zeitzeuge kann viel mehr erzählen als ein Geschichtslehrer.“

Und so erzählte Werner Ablaß, wie er als „Kind der DDR“ zunächst als Versicherungskaufmann gearbeitet hatte und dann 1985 gleich am Tag, nachdem er mit seiner Frau einen Ausreiseantrag gestellt hatte, seinen Arbeitsplatz verlor.

Dann kam das Schicksalsjahr 1989, viele DDR-Bürger nutzten die Chance, einen Urlaub im sozialistischen Bruderland Ungarn für eine Flucht in den Westen zu nutzen. Wohl in der Hoffnung, einen möglichen Regimekritiker loszuwerden, erhielt auch Ablaß eine Reisegenehmigung nach Ungarn, doch er kehrte zurück in sein kleines Dorf und engagierte sich in der Bürgerrechtsbewegung „Neues Forum“.Nach dem Fall der Mauer stritt er mit Bärbel Bohlei darüber, ob sich die Bürgerrechtsbewegung nicht als Partei organisieren und bei der Volkskammerwahl antreten sollte. So schloss sich Ablaß der Partei „Demokratischer Aufbruch“ von Rechtsanwalt Wolfgang Schnur an.

So kam es, dass Ablaß von Lothar de Maizière nach Berlin gerufen wurde und noch vor der offiziellen Bildung der Regierung zum Staatssekretär im Verteidigungsministerium ernannt wurde. Mit einer Vollmacht, ausgestellt von einem nicht vereidigten Ministerpräsidenten, fuhr er als „kleiner Mann vom Lande“ zum Verteidigungsministerium nach Straußberg, um den amtierenden Verteidigungsminister quasi abzusetzen.

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