Bad Arolsen: Friseurmeister Schrick über den Small Talk beim Frisieren

Lockendreher, Frauenversteher

Bad Arolsen - Was macht der Nachwuchs bei den Royals? - Wie war der Urlaub? - Wie wird der Winter? - Um Themen wie diese drehen sich viele Gespräche beim Friseur, aber längst nicht alle.

„Zuallererst geht es bei den Gesprächen in meinem Salon um die Haare“, stellt Hans-Peter Schrick klar: „Wer ins Restaurant geht, bekommt ein fertiges Essen vorgesetzt. Die Leistung des Friseurs ist aber wohl eher mit einem Kochkurs zu vergleichen: Erst im Gespräch mit dem Kunden und der Kundin erfährt der Friseur, was gewünscht ist. Und auch beim Schneiden kann noch nachgesteuert werden. Das unterscheidet unser Handwerk von den meisten anderen.“

Niemand möchte von seinem Friseur vollgeplappert werden

Wenn man eine Stammkundin bedient, fällt das Fachgespräch naturgemäß deutlich kürzer aus: „Wie immer?“ - „Ja, wie immer, bitte.“

„Manche Kunden wollen gar nicht viel reden. Vor allem möchte niemand von seinem Friseur vollgeplappert werden“, weiß Schrick aus langjähriger Erfahrung. Mit der Zeit entwickelt jeder gute Friseur und jede gute Friseurin ein Gespür für die unterschiedlichen Erwartungen der Kunden.

„Ich selber rede beim Haarschnitt gar nicht gerne. Da muss ich mich konzentrieren“, verrät der Friseurmeister aus der Kaulbachstraße: „Anders ist das beim Föhnen oder beim Auftragen der Farbe. Beim Haarewaschen wiederum ist Entspannung angesagt. Auch dabei sollte man nicht so viel reden.“

Grundsätzlich gilt, dass sich der Friseur oder die Friseurin in die unterschiedlichen Kunden einfühlen können muss. In kaum einem anderen Beruf nimmt sich der Dienstleister so viel Zeit für seinen Kunden. Dass man dann auch zwangsläufig ins Gespräch kommt, liegt auf der Hand.

„Wer nicht lächeln kann und sich nicht für andere Menschen interessiert, der sollte besser einen anderen Beruf ergreifen“, meint Schrick. Schließlich hat der Friseurberuf auch eine Menge mit Vertrauen und Nähe zu tun. Die sonst übliche Schutzzone von etwa einer Armlänge zwischen den Menschen wird bei der Arbeit an den Haaren zwangsläufig durchbrochen.

Urlaub und Wetter sind Dauerthemen, Religion und Politik sind tabu

Schrick: „Gerne überlassen wir den Kunden den ersten Satz eines Gesprächs. Dann spürt man schon gleich, was gewünscht wird.“

Dauerthemen, die immer gehen, sind das Wetter, der Urlaub und örtliche Ereignisse von den Barock-Festspielen über den Viehmarkt, das Weinfest bis zum Weihnachtsmarkt: Auf die Frage „Waren Sie beim Viehmarkt?“ entwickelt sich fast immer ein unbefangenes Gespräch.

Die Themenbereiche Politik, Religion und Gesundheit sind tabu. Zu groß ist die Gefahr, irgendwo anzuecken. Das muss nicht sein.

Und wie steht’s mit Klatsch aus den einschlägigen Zeitschriften? - „Bei den Enkeln der europäischen Königsfamilien muss ich passen“, bekennt Hans-Peter Schrick lachend: „Das wissen und respektieren meine Stammkundinnen auch. - Aber über die Eckdaten der Hochzeit von George Clooney sollte man schon Bescheid wissen.“

Und mit einem Augenzwinkern fügt er hinzu: „Das gehört ja schon fast zum Allgemeinwissen.“

Zur Grundausstattung eines Friseursalons gehören daher auch die entsprechenden Fachzeitschriften: Für die Herren hat Schrick neben Spiegel, Focus und Tageszeitungen auch die „Auto, Motor, Sport“ ausliegen. Für die Zerstreuung der Damen gibt es Stern, Bunte, Gala, Vital, Für Sie, Petra, Madame und zweimal die „Frau im Spiegel“.

Das heißt aber nicht, dass sich die Frauen nicht für Politik interessieren, im Gegenteil: Der Friseurmeister hat festgestellt, dass seine weibliche Kundschaft ein sehr gutes Gespür dafür hat, was in der Stadt gut läuft und was nicht: „Da wird über den Straßenzustand, die Verkehrsregelung, die Investitionen am Twistesee und über das Warenangebot in der Stadt gesprochen. Manchmal denke ich: Das sollten sich die Stadtverordneten mal anhören.“

Praktikanten aus dem Stadtparlament wird man aber trotzdem auch in Zukunft im Friseursalon vergeblich suchen. (Elmar Schulten)

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