Mengeringhäuser Schützen stellen die Weichen für ihr großes Freischießen 2014

Markus Köhler ist neuer Graf Heinrich

Markus Köhler (Mitte) erhält als neu gewählter Graf Heinrich, der Eiserne, sein Schwert aus den Händen aus den Händen seines Vorgängers Rolf Emde (l) und des Vorsitzenden Gerald Nelle (r). Foto: Elmar Schulten

Mengeringhausen - 255 Tage vor Beginn des großen Freischießens, das im kommenden Jahr nach siebenjähriger Pause wieder in der alten Fachwerkstadt begangen wird, haben die Mengeringhäuser Schützen am Samstagabend ihren Vorstand und die Rolle des Eisernen Grafen Heinrich neu besetzt.

Die wichtigen Personalentscheidungen waren im Vorstand weitgehend vorbereitet worden, so dass der Versammlung der rund 550 anwesenden von insgesamt 960 Schützen ein fertiges Konzept zur Abstimmung präsentiert werden konnte. Vorsitzender Gerald Nelle hatte schon vor Jahren angekündigt, dass er für eine weitere Wahlperiode von sieben Jahren nicht zur Verfügung stehe. Als sich aber im Vorfeld abzeichnete, dass mehrere fachlich geeignete Nachfolger aus vielfältigen Gründen nicht bereit sein würden, die verantwortungsvolle Aufgabe zu Beginn eines neuen Freischießensjahres zu übernehmen, hatte sich Nelle bereit erklärt, auf Wunsch der Versammlung bis zum Ende des Jahre 2014 als Vorsitzender der Historischen Schützengesellschaft von Mengeringhausen weiter zu dienen. Diese Entscheidung wurde von den Schützen in der Stadthalle mit minutenlangem, stehenden Applaus quittiert. Schließlich ist die Planung und Abwicklung des größten Heimatfestes im Waldecker Land mit einem Etat von rund 170 000 Euro eine Mammutaufgabe, die ehrenamtlich nur mit viel Erfahrung und einem guten Team zu meistern ist. Eine in diesen Dingen wahrlich erfahrene Mannschaft berief die Versammlung schließlich auf Vorschlag des alten Vorstands wieder in die Führungsämter. Nach dem Vorsitzenden, Schriftführer (Alfred Theune) und Dechanten (Lothar Föll) die wichtigste Aufgabe übernimmt dabei Markus Köhler, der als Nachfolger von Rolf Emde zum Grafen Heinrich, dem Eisernen gewählt wurde.

Freischießensgeist beschworen

Diese Symbolfigur des Mengeringhäuser Freischießens repräsentiert wie kein anderer die geschichtlichen Wurzeln des Heimatfestes und wirkt Identität stiftend in der alten Fachwerkstatt. Köhler stammt - wie sein Vorgänger Emde - aus einer traditionsreichen Mengeringhäuser Familie, die über viele Jahrzehnte die Geschicke der Schützengesellschaft mit geprägt hat. In seiner Abschiedsrede machte Rolf Emde deutlich, dass er als Mengeringhäuser Junge von frühester Jugend an, seiner Heimatstadt verbunden sei. Als er als Dreijähriger zu seinem Großvater aufs Pferd gehoben wurde und die Rüstung des Eisernen Heinrich berührt habe, wäre ihm nie in den Sinn gekommen, dass auch er einmal diese traditionsreiche Rüstung werde tragen dürfen. Nach drei Freischießen scheide er nun mit einem lachenden und einem weinenden Auge aus dem Amt. Lachend, weil er das nächste Freischießen ohne große Verantwortung genießen dürfe, weinend, weil damit eine schöne Zeit zu Ende gehe. In seiner ihm eigenen Art appellierte Emde an die Schützen, ihr Bestes zu geben, um Tradition zu bewahren, damit das Zauberwort Freischießen seinen Glanz behalte. Alle, die noch nicht vom Freischießensgeist erfasst seien, müssten nun angesprochen und mobil gemacht werden. In diesem Sinne zitierte er seinen Vorgänger Willi Schade: „Frisch ans Werk, ihr Männer!“ Der neu gewählte Graf Heinrich, der Eiserne, Markus Köhler nutzte seine erste Ansprache ebenfalls dafür, den Freischießensgeist in den Schützen zu beschwören. Für ihn sei es eine besondere Ehre und ein großer Vertrauensbeweis, dieses Amt ausüben zu dürfen. Köhler bekräftigte: „Ich bin mir der damit verbundenen Verantwortung bewusst.“ Seine Schützenkarriere hat er als Feldmetzger bei der Kinderkompanie begonnen. Schließlich zitierte Köhler den Kernsatz des Festspiels und des Mengeringhäuser Heimatfestes. „Treue um Treue!“

Bierpreis schon festgelegt

Vorsitzender Nelle berichtete mit einem Schmunzeln, dass eine erste Anprobe der Rüstung ergeben habe, dass diese dem neue Grafen zu klein. Deshalb sei es ermutigend, dass ein Mengeringhäuser Schützenbruder bereits eine namhafte Spende beim Zeugwart Christel Meuser zugesagt habe, damit eine neue, passende Rüstung geschmiedet werden kann. Die historische, mehrere Jahrhunderte alte Rüstung soll aus Respekt vor ihrem Alter nicht aufgearbeitet, sondern ins Heimatmuseum sicher aufbewahrt werden. Nicht ohne Stolz berichtete Nelle, dass wieder alle 35 berittenen Festzugsposten besetzt worden seien, auch wenn einige das Reiten erst noch lernen müssten. Der Vorstand hat für Festzüge vier Musikvereine und sieben Spielmannszüge verpflichtet. Sieben tanzkapellen sorgen für flotte Tanzmusik im Festzelt. Für die Neuinszenierung des Festspiels haben bereits die Leseproben unter Leitung von Benno Hess und Susanne Wirtz begonnen. Das Grafengericht unter den Linden wird von der Lanzengarde unter Leitung von Jutta Bandow und Erich Müller einstudiert. Chrstian Meuser zeichnet für das historische Rahmenprgoramm in der Hinteren Straße verantwortlich. Prof. Dr. Martin Kipp übernimmt in Nachfolge des verstorbenen Fritz Schubert die Moderation der Festzüge. Wolfgang Salden erstellt die Film-Dokumentation des Freischießens. Die Werbung für das Freischießen erfolgt diesmal zusätzlich auf einer neuen Homepage im Internet und auf Facebook. Der Preis für das Glas Bier wurde zusammen mit dem Festwirt auf 1,30 Euro festgelegt. Die Grüße der städtischen Gremien und die offizielle Zusage einer tatkräftigen städtischen Unterstützung beim Freischießen überbrachte Bürgermeister Jürgen van der Horst. Der amtierende König Robert Pohlmann wünschte Markus Köhle ein „gutes Händchen“ beim Hineinwachsen in sein neues Amt. Das Freischießen habe über das bloße Feiern und Fröhlichsein eine tiefere Bedeutung. Es sei eine Gratwanderung zwischen Tradition und Aktualität. Man müsse sich an moderne Entwicklungen anpassen. Das müsse aber behutsam geschehen. Ausdrücklich würdigte Pohlmann den Beitrag der Frauen zum Gelingen des Heimatfestes. Konstablerhauptmann Wilhelm Müller stellte mit Blick auf das Freischießen fest: „Oft kopiert, aber selten erreicht: Unsere Markenzeichen sind Verlässlichkeit, Korrektheit und hohes Niveau bei bescheidenem Auftreten. Das sind Tugenden, die wir in den einzelnen Gruppen leben und weitergeben wollen.“Musikalisch wurde die Schützenversammlung umrahmt vom Spielmannszug der Schützengesellschaft und vom Musikverein, der zum ersten Mal nach sieben Jahren wieder den Freischießensmarsch anstimmte. Zum Abschluss sangen die Schützen das Waldecker Lied.

Fotos von der Generalversammlung der Schützengesellschaft Mengeringhausen finden Sie in dieser Bildergalerie.

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