40 Jahre Lebenshilfe: Freiwillige Mitarbeiter zur Mithilfe bei der Betreuung willkommen

Menschliche Nähe gibt gutes Gefühl

Twistetal-Twiste. - Wie in einer großen Familie leben die 23 Bewohner des Hofguts Rocklinghausen zusammen. Betreut werden die Menschen mit unterschiedlichen Behinderungen hier von Mitarbeitern des Lebenshilfe-Werks. Für die Freizeitgestaltung aber sind freiwillige Mitarbeiter höchst willkommen.

Seit fünf Jahren verbringt Petra Zamponi jede Woche zwei bis drei Stunden pro Woche mit den Bewohnern von Rocklinghausen. Je nach Interesse wird gebastelt, gebacken, geklönt oder, neuerdings stark nachgefragt, Fingernägel lackiert. Hoch im Kurs bei den Bewohnern von Rocklinghausen stehen auch gemeinsame Discobesuche in Bad Arolsen, wenn das Jugendzentrum „Come In“ mal wieder zur inklusiven Disco einlädt.

Zusätzliche Angebote

„Wir haben natürlich genügend Fachpersonal für die Betreuung unserer Bewohner“, bekräftigt Martina Fackiner, beim Lebenshilfe-Werk für Öffentlichkeitsarbeit zuständig. Freiwillige Mitarbeiterinnen wie Petra Zamponi aus Twiste oder neuerdings auch Marianne Schaulat aus Korbach würden immer nur für zusätzliche Angebote eingesetzt. Und das auch nur in einem überschaubaren Umfang von maximal zehn Stunden pro Woche. Schließlich solle die Hilfsbereitschaft auch nicht ausgenutzt werden.

Doch davon könne überhaupt keine Rede sein, bekräftigt Petra Zamponi: Beim Umgang mit den Menschen mit ihren unterschiedlichen Behinderungen erhalte man selber so viel Positives, Dankbarkeit und Herzlichkeit, zurück, dass es meist eine Freude sei, sich um die Bewohner zu kümmern.

Das schließe nicht aus, dass es auch mal zu abweisenden Reaktionen komme. „Du bist nicht mehr meine Freundin“, habe sie auch schon mal zu hören bekommen, als sie nicht gleich einen Wunsch erfüllt habe.

Zeit nehmen, Zeit schenken

„Das muss man locker nehmen“, erläutert Annette Vering, als Bereichsleiterin zuständig für den Wohnheimbetrieb in Rocklinghausen: „Wir haben es hier mit ganz unterschiedlichen Formen der geistigen Behinderung und psychischen Erkrankungen zu tun. Manche Bewohner sind emotional auf dem Stand von Kindern. Dann kann es manchmal zu Gefühlsausbrüchen kommen.“

Häufiger seien aber eindeutig die Umarmungen und die Beteuerung der Zuneigung. Das Bedürfnis nach Gesprächen und menschlicher Nähe sei groß. Deshalb sei es auch wichtig, auf möglichst viele freiwillige Helfer bauen zu können. Viele seien schon glücklich, wenn man gemeinsam einen Spaziergang über die Felder rund um das Hofgut unternehmen könne.

Alle Bewohner von Rocklinghausen sind tagsüber berufstätig. Einige von ihnen arbeiten auf dem landwirtschaftlichen Anwesen. Im Stall gibt es genug zu tun, ebenso auf den Feldern und im Kartoffelschälbetrieb. Andere Bewohner aber fahren jeden Morgen mit dem Bus in eine der Werkstätten des Lebenshilfe-Werks. Die Freizeitgestaltung ist also erst nachmittags gefragt. Die Freiwilligen haben dabei die freie Terminwahl und können ihre individuellen Fähigkeiten und Interessen einbringen.

Gute Ideen willkommen

Annette Vering beschreibt den Bedarf so: „Wir suchen Freiwillige, die bereit sind, mit Bewohnern auch mal für Ausflüge vom Hof zu fahren: etwa ins Kino, ins Schwimmbad, in die Eisdiele, Pizzeria, zum Billardspielen oder Darten, zum Viehmarkt oder mal auf ein kleines Livekonzert. Auch Fahrten zum Twistesee oder Edersee sind willkommen. Kaffeetrinken, begleitete Einkäufe, das ganz normale Leben also. Teilhabe am Alltagsleben und allen kulturellen Angeboten. Kosten entstehen den Betreuern natürlich nicht. Die Bewohner verfügen über ein Taschengeld und können die Freizeitangebote selber finanzieren. Es mangelt eben nur an der menschlichen Begleitung. Jemand, der bereit ist, seine Zeit zu verschenken.

Dem letzten Aufruf des Lebenshilfe-Werks ist Marianne Schaulat aus Korbach gefolgt. Die gelernte Kosmetikerin hat festgestellt, dass die weiblichen Bewohner von Rocklinghausen sich gerne ihre Fingernägel lackieren oder die Füße massieren lassen. Auch Brettspiele, Bastel­angebote, Spaziergänge und vor allem Gespräche sind willkommen: „Man muss bereit sein, Zeit zu schenken, zuzuhören, dann kommt so viel zurück.“

Wer sich für eine freiwillige Mitarbeit in Rocklinghausen oder einer der vielen anderen Einrichtungen des Lebenshilfe-Werks interessiert, sollte sich an Martina Fackiner wenden. Sie informiert auch über Details wie Versicherungen. So sind alle Ehrenamtlichen auch über eine Haftpflichtversicherung und die Berufsgenossenschaft abgesichert.

Kontakt: Tel. 05631/5006-566 oder per Mail: m.fackiner@LHW-WF.de

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