Prioritätenlisten für Kanalsanierung und die Ausstattung der Twistetaler Wehren

Millionenbeträge für Kanalnetz

Twistetal - Knapp zehn Millionen Euro muss die Gemeinde Twistetal in den nächsten 25 Jahren ausgeben, um die Kanalisation in Schuss zu bringen.

In zwei dicken Aktenordnern sind die Ergebnisse nach der Inspektion von 45 Kilometern Kanalleitungen versammelt, wie Dipl.-Ing. Ulrich Gröticke in der Sitzung der Gemeindevertreter berichtete. Der Gemeindevorstand hat ein Sanierungskonzept auf der Basis der Prioritätenliste des Ingenieurbüros Gröticke beschlossen, wie Bürgermeister Günther Hartmann dazu erklärte.

Im Finanzplan sind dafür jährlich 300 000 Euro vorgesehen. „Auf den ersten Blick sind die Zahlen erschreckend“, sagte der Gemeindevertreter Rolf Rauschkolb (CDU). Doch mit dem Konzept sei eine unverbindliche Absichtserklärung“ beschlossen worden. Der Gesamtwert des Kanalsystems sei höher als der Aufwand für die komplette Sanierung, sagte Gröticke.

Für die Inspektion ist der allergrößte Teil der Kanalisation mit Fernsehkameras befahren worden. Auf 3,5 Kilometern kam die Kamera entweder nicht durch oder waren die Rohre von außen nicht zugänglich. Die Mängel reichen von starken Verunreinigungen, die durch das Spülen mit einem Druck von 180 Bar beseitigt werden können, über die Sanierung durch Einschub neuer Rohre im Inlineverfahren bis hin zum Ausgraben und Ersatz von Leitungsstücken.

In Twiste sei „in grauer Vorzeit“ sogar Beton ins Kanalnetz geleitet worden, der sich an den Innenwänden abgesetzt habe. Die Brocken müssen mithilfe von Diamantkopfbohrern abgefräst werden. Kosten kann die Gemeinde indessen sparen, wenn etwa der Kreis die Straße zwischen Berndorf und Helmscheid erneuert und die Gemeinde bei der Gelegenheit die Kanalisation erneuern lassen kann.

Zukunftweisend, aber nicht komplett bindend für die Haushaltspläne ist der von Gemeindebrandinspektor Volker Bangert zusammengefasste Bedarfs- und Entwicklungsplan für die freiwilligen Feuerwehren. Aus seiner Zustandsbeschreibung geht hervor, dass die Wehren für ihre Aufgaben ausreichend gerüstet sind, dass aber die sogenannte Tagesalarmsicherheit vielfach nur durch Zusammenarbeit von Einsatzabteilungen von benachbarten Orten möglich ist. Bauliche Maßnahmen, die Aufrüstung von Feuerwehrfahrzeugen oder die Ausstattung mit besonderen Schutzanzügen bei Säureunfällen wird vorgeschlagen. „Papier ist geduldig“, erklärte Otto Paul (SPD) dazu.

Wünsche und gesetzliche Bestimmungen auf der einen sowie die finanziellen Möglichkeiten einer Gemeinde auf der anderen Seite klafften weit auseinander, daher müsse eine Prioritätenliste erstellt werden. Auch müssten im Rahmen der Zusammenarbeit zwischen den Kommunen neue Wege beschritten werden. Dabei sollte die engere Kooperation der Feuerwehren ins Auge gefasst werden. Für die Erweiterung eines Kunststoff verarbeitenden Betriebs in Twiste (wir berichteten ausführlich) sollen der Flächennutzungsplan geändert und ein neuer Bebauungsplan „In der Worth“ ausgestellt werden. Das beschloss die Gemeindevertretung am Montagabend in Nieder-Waroldern.

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