Bad Arolsen

Ministerpräsident Roland Koch besucht Internationalen Suchdienst

- Bad Arolsen (-es-). Als erster Hessischer Ministerpräsident hat Roland Koch gestern den Internationalen Suchdienst in der Großen Allee besucht. Im Gespräch mit ITS-Direktor Jean-Luc Blondel informierte sich Koch über den Stand des Umbaus von einem reinen Suchdienst in ein historisches Archiv, das Forschern aus aller Welt offensteht.

Der IKRK-Delegierte schilderte, dass die weltweit einzigartige Institution seit zwei Jahren einen Wandel vom reinen Suchdienst zu einer historischen Forschungseinrichtung durchlaufe. Das sei auch eine Chance für die rund 300 Mitarbeiter, da die eigentliche Suchdienstarbeit mit dem Ableben der Überlebenden Nazi-Opfer jedes Jahr weniger werde. Auch deshalb sei man kreativ und finde neue Aufgaben für die gut ausgebildeten Mitarbeiter, die mit ihrem Wissen und ihrer Erfahrung als einzige in der Lage seien, den über Jahrzehnte angesammelten Wissensschatz im Suchdienst-Archiv für Historiker zu erschließen. Im vergangenen Jahr hätten rund 2000 Geschichtsinteressierte, Laien und Akademiker aus aller Welt, den Suchdienst besucht und zu Recherchen genutzt. Suchdienst-Historikerin Dr. Susanne Urban erläuterte der Besuchergruppe um Ministerpräsident Roland Koch, wie die historische Aufarbeitung der Dokumente in Zukunft erfolgen kann. Dabei wird bewusst mehrgleisig gefahren. In einer Kooperation mit der TU Darmstadt recherchieren Studenten regelmäßig bestimmte Fragestellungen. Darüber hinaus werden Unterrichtseinheiten für Schülergruppen vorbereitet, so dass künftig auch Geschichts- und Religionskurse systematisch beim Suchdienst bestimmte Themen erarbeiten können. Schließlich bereitet der Suchdienst Ausstellungen vor, die zum Beispiel im Foyer der neuen Außenstelle im ehemaligen Kaufhaus Konze gezeigt werden können. Größte Sorge ist aktuelle, dass auf internationaler Ebene entschieden werden könnte, dass der Suchdienst eines Tages verlagert werden könnte. „Hier erhoffen wir uns im Zweifel die Unterstützung der Bundes- und Landesregierung“, machte Bürgermeister Jürgen van der Horst deutlich: „Das Wohlergehen der Stadt hängt auch von der Zukunft des Suchdienstes ab.“ Immerhin hat der vom Bund finanzierte ITS einen Jahresetat von rund 14 Millionen Euro. Der größte Teil sind ausgezahlte Gehälter. – „Diese Institution ist wichtig für unser Land Hessen. Wir sind stolz darauf, dass sie in unseren Landesgrenzen tätig sind“, stellte Ministerpräsident Koch ausdrücklich fest. Das IKRK habe über Jahrzehnte die Neutralität der Einrichtung gesichert und damit weltweit Maßstäbe gesetzt. In einer Zeit, in der die meisten Zeitzeugen der Nazi-Herrschaft nicht mehr am Leben seien, bedeute die Bewahrung der Informationen eine besondere Herausforderung. Koch: „Es wäre unglaublich, wenn dieser angehäufte Wissensschatz verloren ginge. Wir haben ein Interesse daran, dass diese Institution auch Zukunft hier bleiben wird.“

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