Grundstein für Autistenheim auf ehemaligem Bauhofgelände in Volkmarsen gesetzt

Mitten in der Gesellschaft leben

+

Volkmarsen - Der Grundstein für das Autistenheim für 30 Kinder, Jugendliche und Erwachsene in Volkmarsen wurde gestern gesetzt - im August kommenden Jahres sollen die ersten „Hausgäste“ einziehen.

Als solche bezeichnete der Geschäftsführer des Internationalen Bildungs- und Sozialwerks, Prof. Dr. Heinrich Schnatmann, die künftigen Bewohner. Denn mithilfe der Therapiekräfte unter den 50 Vollzeitkräften in der zweiten derartigen Einrichtung in Hessen sollen sie nach dem Leitbild der Inklusion dazu befähigt werden, ein möglichst selbstbestimmtes Leben zu führen und auch einer Erwerbstätigkeit nachzugehen.

Der Umgang mit Autisten sei eine Herausforderung bei der Integration in Familie und Gesellschaft, sagte Staatssekretärin Petra Müller-Klepper. In der innovativen Einrichtung würden die Menschen als Individuen mit Stärken und Schwächen gefördert. Hier lernten sie Selbstständigkeit und Strategien zur Lösung von Konflikten. Autistische Menschen unterscheiden sich nach ihren Worten in Wahrnehmung und Kommunikation von den anderen und brauchen eine beschützende Atmosphäre, um irritierende Reize auszublenden.

Zugleich hob die Staatssekretärin hervor, dass Menschen mit einer bestimmten Form des Autismus zu hohen intellektuellen Leistungen fähig seien, einen ausgeprägten Sinn für Ordnung und Genauigkeit hätten und daher auch von dem deutschen Unternehmen SAP im IT-Bereich eingesetzt werden sollten. Mit dem Autistenheim werde „kein Tor zu einer Parallelwelt“ geöffnet, bekräftigte sie.

Kreisbeigeordnete Monika Svoboda wies darauf hin, dass innerhalb von sieben Jahren drei soziale Einrichtungen in Volkmarsen vom Internationalen Bildungs- und Sozialwerk und dem Bathildisheim Bad Arolsen geschaffen worden seien, Senioren und Behinderte lebten nun mittendrin „in der sogenannten normalen Gesellschaft“.

„Inklusion und Integration ist hier gewollt“, sagte Bürgermeister Hartmut Linnekugel im Hinblick auf die vorab veranstalteten Anwohnerversammlungen, die alle ein positives Echo gehabt hätten. Neben der „Titan-Aufgabe für Therapeuten und Angehörige“ hob der Rathauschef die bisher erfolgten Investitionen von acht Millionen Euro in das Seniorenheim Haus Kugelsburg hervor. Das Bildungs- und Sozialwerk habe sich als verlässlicher Partner erwiesen und stärke mit seinen Aktivitäten die heimische Wirtschaft.

4,3 Millionen Euro

Der in Iserlohn ansässige Verein finanziert die Investitionen von 4,3 Millionen Euro auf dem Gelände des früheren Bauhofs der Stadt ausschließlich selbst mithilfe von Krediten der Bank für Sozialwirtschaft und der Kreditanstalt für Wiederaufbau. Die öffentliche Hand habe sich aus diesem Bereich zurückgezogen, sagte Geschäftsführer Schnatmann. Derzeit betreibt der Verein acht Einrichtungen für Autisten, für Volkmarsen lägen 200 Anmeldungen vor. Es fehlten Häuser für Kinder. Der Geschäftsführer wies zudem auf die laufenden Aufwendungen für den Betrieb in Höhe von jährlich einer Million Euro hin, die heimischen Betrieben zugute kämen.

MdL Armin Schwarz verwies darauf, dass neben den beiden Häusern in Volkmarsen erfolgreich das Seniorenheim in Willingen von dem Bildungs- und Sozialwerk betrieben werde.

Kommentare