Internationaler Suchdienst arbeitet mit Gedenkstätten der Konzentrationslager zusammen

Mutig in den Widerstand

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Bärbel Schindler-Saefkow (l.) nimmt beim Internationalen Suchdienst in Bad Arolsen Einblick in Dokumente über ihren unter den Nazis hingerichteten Vater, den Widerstandskämpfer Anton Saefkow. Rechts die ITS-Mitarbeiterin Monika Leithäuser. 

Bad Arolsen. „Das ist ein richtig schönes Geschenk!“, sagt die Frau und ergreift lächelnd die Dokumentenkopie. Bärbel Schindler Saefkow hat beim Internationalen Suchdienst in der Großen Allee Unterlagen über ihren im Widerstand gegen das Hitler-Regime aktiven und von den Nazis hingerichteten Vater Anton Saefkow gefunden.

Was sie fand, ist freilich keine Lektüre zum Freuen. Doch die 1943 geborene Historikerin ist froh, bei ihren Recherchen über das Leben, Leiden und den Tod ihres im Widerstand aktiven Vaters fehlende Mosaikstücke zu finden.

LANGE LISTEN MIT NAMEN

So fährt sie mit dem Finger erwartungsvoll die Namenslisten aus Konzentrationslagern und Gefängnissen ab, entdeckt die Namen von Mitstreitern ihres Vaters, erzählt Monika Leithäuser, Mitarbeiterin des ITS, sehr lebendig von den Menschen, die ihr Leben riskierten, um Deutschland und Europa von den Nazis befreien zu können.

Mehrfach wurde Anton Saefkow, im Arbeiterwiderstand aktives Mitglied der KPD, in den 30-er Jahren verhaftet, drangsaliert und ins Lager gesteckt. Saefkow brachte ein halbes Jahr in Dunkelhaft in Dachau zu. Doch kaum in Freiheit, ließ er sich nicht davon abhalten, wieder in den Widerstand zu gehen.

Er hatte Kontakt zu den Verschwörern des 20. Juli 1944 und wurde im Juli 1944 verhaftet, zum Tode verurteilt und am 18. September 1944 hingerichtet.

RETTENDE PANZER

Seine Ehefrau Änne Saefken war in verschiedenen Gefängnissen und zuletzt im Konzentrationslager Ravensbrück, in dem vorrangig Frauen interniert waren, inhaftiert.

Den Todesmarsch am Ende des Krieges hatte sie überlebt. Das Dröhnen von Panzern der Roten Armee muss wie Musik in ihren Ohren geklungen haben, denn sofort nahmen die Bewacher der SS Reißaus.

Änne Saefken gehörte zu den ersten Aktivisten, die sich um die Schaffung einer Gedenkstätte Ravensbrück bemühten. Tochter Bärbel Schindler-Saefkow führt auch diese Bemühungen innerhalb der Lagergemeinschaft Ravensbrück/Freundeskreis fort.

 Als Geschichtsforscherin und Vorsitzende des Deutschen Friedensrates ist es ihr ein besonderes Anliegen, die Erinnerung an den Terror im Dritten Reich und das Andenken an die Menschen, die sich gegen die Nazis auflehnten und Opfer wurden, zu bewahren.

 BLICK IN DIE DOKUMENTE

Sie war Teil einer 16-köpfigen Gruppe der Lagergemeinschaft Ravensbrück, die im Rahmen eines Seminars in Naumburg eine Exkursion zum Suchdienst nach Bad Arolsen unternahm.

Die Teilnehmer konnten Einblick in die Originaldokumente nehmen und bekamen Kopien über die Schicksale ihrer Angehörigen ausgehändigt und von Mitarbeitern erläutert.

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