Im Geoparkzentrum Nordwaldeck nimmt der Quast eine besondere Stellung ein

Naturschönheiten vor Haustür

Walter bracht kennt sich mit den geologischen und botanischen Besonderheiten am Quast, dem Rhoder Hausberg in Richtung Wethen bestens aus. Fotos: Sandra Simshäuser

Diemelstadt - Wer mit dem Geopark Waldeck-Frankenberg nur die „Korbacher Spalte“ verbindet, hat die Orchideenfülle am „Quast“ bei Rhoden noch nicht erlebt.

Ob Weißes Waldvögelein, Bienenragwurz oder Knabenkraut: zwölf Orchideenarten wachsen auf dem Kalkmagerrasen, der den Waldrand am Quast-Hügel umgibt. Um sie zu erspähen, muss der Naturfreund allerdings schon ganz genau hinsehen und acht geben, dass die filigranen Naturschönheiten bei der Wanderung nicht mal eben unter der Schuhsohle verschwinden.

Ein Experte für das Fauna-Flora-Habitat-Gebiet zwischen Rhoden und Wethen ist Walter Bracht. In Sachen Heimatkunde ist der Rhoder seit Jahren auch als Schnadekundiger und nicht zuletzt als Vorsitzender der heimischen Ortsgruppe im Waldeckischen Geschichtsverein unterwegs. Mit reichlich Hintergrundwissen ausgestattet, kann Bracht somit in seiner Funktion als Geoparkführer interessierten Besuchern die geologischen, kulturhistorischen und naturkundlichen Besonderheiten am „Quast“ näherbringen. Auch die benachbarte Wüstung Alt-Rhoden gehört zum Bereich des Geoparks.

Versteinerte Pflanzen

Das Gebiet am „Quast“ kann aber nicht nur mit seltenen Orchideenarten aufwarten, wie sie in ähnlicher Artenvielfalt auch im Naturschutzgebiet „Scheid“ bei Volkmarsen vorkommen. Eine weitere Besonderheit sind die Fossilien, die in dem Muschelkalkgebiet aus der Trias-Zeit von vor rund 240 Millionen Jahren bis heute zu finden sind.

Eine reichhaltige Sammlung dieser versteinerten Zeugnisse früher Pflanzen und Tiere hat Walter Bracht über die Jahre angelegt. Gerne zeigt er sie auch den Teilnehmern der Geopark-Führungen und lässt etwa kleine Ammoniten, im Rhoder Volksmund „Hexenpfennige“ genannt, herumgehen. Selbst Tonscherben und uralte Pfeilspitzen hat Bracht schon am „Quast“ gefunden, von dem Forscher vermuten, dass sich am Fuß der Anhöhe einst ein spätkarolingischer Hof befunden hat.

Im Geoparkzentrum Nordwaldeck dürfte der „Quast“ allein schon aufgrund seiner Höhe - der Gipfel liegt in 397 Metern - eine herausragende Stellung einnehmen.

Von der Aussichtsplattform haben Besucher nicht nur einen herrlichen Blick in die Landschaft, sondern können bei guter Fernsicht gar bis zum „Brocken“ im Harz sehen. Davon machten sich bei der jüngsten geführten Wanderung auch Erster Kreisbeigeordneter Jens Deutschendorf und Geopark-Chef Norbert Panek ein Bild.

Die Orchideen auf dem Kalkmagerrasen stehen derweil noch am Anfang ihrer Blüte. Sie zu schützen, ist den Geoparkführern ein besonderes Anliegen. Dass dies auch in einem FFH-Gebiet nicht so einfach ist, machte Walter Bracht deutlich. So stelle die starke Verbuschung ebenso ein Problem für die kleinen Orchideen dar wie grasende Schafe, die als „lebende Rasenmäher“ auch vor den geschützten Arten nicht halt machen.

Rücksicht auf Orchideen

Auf der anderen Seite lasse wild in die Höhe schießendes Weidegras den Orchideen auf Dauer wiederum keinen Platz zum Leben.

Zu einem sorgsamen Umgang mit der Natur sind daher auch Wanderer und Spaziergänger aufgefordert, um die landschaftlichen Besonderheiten vor der eigenen Haustür auf Dauer zu erhalten.

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