Volkmarsen

Für den Naturschutz mussten ein Hektar Pappeln am Volkmarser Stadtbruch fallen

- Volkmarsen (-es-). Auf einem Hektar großen Teilstück des Naturschutzgebietes am Stadtbruch wurden jetzt 60 Jahre alte Pappeln gefällt. Die Aktion ist Teil des Pflegekonzeptes für den Bruchwald, der hier wieder entstehen soll.

Der Bachlauf der Twiste prägt die Wiesen am Stadtrand von Volkmarsen. Regelmäßige Überschwemmungen machten den Landwirten vor dem Bau des Twistesees dort sehr zu schaffen. Und weil das Auengebiet das ganz Jahr über feucht bleib, wurden hier um 1930 Entwässerungsgräben angelegt. So wurden die sauren Feuchtwiesen, auf denen regelmäßig bis zu 2000 Gänse weideten schrittweise trockengelegt. Um 1950 pflanzte man großflächig Pappeln an, die wegen ihres schnellen Wuchses als besonders ertragreich galten. Willkommener Nebeneffekt: Das Kleinklima am Ortsrand von Volkmarsen veränderte sich positiv. Seit 1988 aber stehen rund 27 Hektar am Stadtbruch, darunter auch 17 Hektar Pappelwald, unter Naturschutz. Ziel ist es, die ursprünglich Feuchtlandschaft wieder herzustellen. Konkret werde einen Erlenbruch- und Bachauenwald angestrebt. Dazu müssen Schritt für Schritt auch die alten Pappeln fallen, machen der zuständige Revierförster Hakola Dippel und der Leiter des Forstamtes Diemelstadt, Martin Klein, deutlich. Mit Rücksicht auf die Stadt als Eigentümer der Fläche habe man einen Zeitpunkt abgepasst, zu dem man das Pappelholz möglichst gut verkaufen könne. Auf diese Weise werde der Holzerlös einen Großteil der Pflegearbeiten finanzieren. Für die Neuanpflanzungen sorgt dann der Landesbetrieb Hessen-Forst in Abstimmung mit der Oberen Naturschutzbehörde. Künftig sollen in dem Auewald Stieleichen, Schwarzerlen, Weiden und weitere Baumarten wachsen, die es vertragen, einige Tage im Jahr im Überschwemmungsgebiet zu stehen. Nach den jüngsten Fällarbeiten hatte sich der ehrenamtliche Naturschutzbeauftragte Dr. Karl-Hermann Svoboda mit kritischen Bemerkungen zu Wort gemeldet. Die Forstleute bedauerten gestern zwar, den Naturschutzbeauftragten nicht vorher informiert zu haben, verwiesen aber auf den über 20 Jahre alten Pflegeplan und versicherten, dass die bekannten Nist- und Horstbäume soweit forsttechnisch machbar vom Einschlag verschont worden seien. Wo immer dies nicht gelungen sei, hätten Mäusebussard und Specht aber genügend Ausweichmöglichkeit in benachbartes Altholz. Schließlich umfasse das Waldstück rund 17 Hektar. Nur ein Hektar sei von der Abholzaktion betroffen gewesen.

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