Marienaltar nach drei Jahren Restaurierung wieder in der Kirche Neu-Berich zurück

Neue Farbe nach altem Muster

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Ein Mitarbeiter der Firma Hasenkamp beim Wiederaufstellen des restaurierten Altars der Kirche zu Neu-Berich.

Bad Arolsen-Neuberich - In neuer „alter“ Farbigkeit präsentiert sich am Montagnachmittag nach dreijähriger Restaurierung in die einstige Klosterkirche in Neu-Berich zurückgekehrte Altar.

Die Restauratorinnen unter der Leiterin der Werkstatt des Landesamtes für Denkmalpflege im Biebricher Schloss in Wiesbaden, Christine Kenner, hatten den schwierigen Auftrag, den mittelalterlichen Zustand so weit wie möglich wiederherzustellen. Nur der Zustand musste erst einmal in spannender Kleinarbeit im wahrsten Sinne des Wortes aufgedeckt werden. Denn unter mehreren Schichten wurde die ursprüngliche Malerei vermutet. Grundlage bildete die 2006 begonnene Voruntersuchung der Restauratorin Wibke Neugebauer.

Sowohl die Malereien an den Seitenflügeln als auch die Skulpturen waren übermalt worden. Vieles war noch im Original erhalten, sodass ältere Fassungen freigelegt werden konnten. Ein aufwendiges Unterfangen, wie Friederike Schäfer dazu gegenüber der WLZ erklärte.

Im Laufe der Zeit waren mehrere Firnis- und Farbschichten­ aufgebracht worden. In den 50er-Jahren habe der Maler gratis für die Kirchengemeinde den Altar übermalt. Fehlstellen wurden bei der jüngsten Untersuchung ebenso aufgedeckt wie Umfärbungen verschiedener Bereiche. Proben am Marienmantel, an einer Landschaft mit Burg in der Nähe von Golgatha, am Mantel des Johannes oder am Mariengesicht und ihrem Heiligenschein machten deutlich, wie stark das Kunstwerk verändert wurde. Auch Goldauflagen sind überstrichen worden.

Bei den Arbeiten in den 50er-Jahren wurde ein damals von den Fachleuten empfohlener AW-2-Kunstharz verwendet, der aber nach einer gewissen Zeit nicht mehr gelöst werden kann. Die Restauratorinnen konnten jedoch diese Schichten ablösen, ebenso wie einen proteinhaltigen Überzug auf den Bildern.

So weit wie möglich wurden Fehlstellen geschlossen und ursprüngliche Färbungen wiederhergestellt. „Man sieht gar nicht, dass das alles neu ist“, erklärte ein Neu-Bericher dazu anerkennend. Eine ins Auge fallende Änderung ist jedoch auch vorgenommen worden: Der Hintergrund hinter den Figuren des Marienaltars aus der Waldecker Werkstatt ist nun blau statt vorher graubraun. Auch bei dieser Farbgebung orientierten sich die Fachfrauen an dem mittelalterlichen Befund.

Nun fehlen noch die Sockel für die Skulpturen und das sogenannte Schleierbrett. Hier soll ein neuer Rahmen mit einem Oberteil aus Kupfer und schlanken Holzstäben dem mittleren Abschnitt des Altars mit seinen Figuren die ursprüngliche Gliederung geben.

Für die Restaurierung des Bericher Marienaltars sind 170 000 Euro veranschlagt worden. Der Kostenrahmen wird nach gegenwärtiger Einschätzung eingehalten.

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