30. Arolser Barockfest eröffnet

„Zu neuen Ufern“

Bad Arolsen - Alte Musik neu entdecken, neu interpretieren und spielen - den Reiz des Neuen im Alten vermitteln auch die 30. Arolser Barock-Festspiele, die gestern Abend im Residenzschloss eröffnet wurden.

Mit dem Motto „Zu neuen Ufern“ greifen die Festspiele die fortwährenden Wendungen im Kulturbetrieb auf, wie Bürgermeister Jürgen van der Horst bei der Eröffnung im voll besetzten Steinernen Saal deutlich machte. Schon die Anfänge 1986 vor dem Schloss seien mit einem Ausnahmezustand verbunden gewesen: Die ganze Stadt und die Schulen seien dabei gewesen. Ein Gesamtkunstwerk stand im Mittelpunkt des Bestrebens des früheren Leiters Rainer W. Böttcher. Er und der langjährige Volksbildungsringvorsitzende Horst Schwarze haben dafür gesorgt, dass die Barock-Festspiele immer noch das besondere Image haben: „Wir freuen uns auf weitere Zusammenarbeit“, sagte van der Horst unter Hinweis auf die Ausstellung des VBR zur Barock-Geschichte. Ohne das ehrenamtliche Engagement sei die Kulturarbeit in ihrerer gesamten Breite in Hessen nicht möglich, sagte der Staatsekretär im Ministerium für Wissenschaft und Kunst, Ingmar Jung. Er übergab dem Rathauschef einen Förderbescheid über 9000 Euro: „Der verführt zwar nicht zur Zügellosigkeit wie in der Barockzeit, hilft Ihnen aber weiter.“ „30 Jahre Barock-Festspiele sind der lebendige Beweis dafür, dass hochklassige Kultur nicht nur in den Musentempeln der Metropolen dargeboten werden kann“, sagte Landrat Dr. Reinhard Kubat. Mit großem Enthusiasmus und Leidenschaft, auf ehrenamtlicher Basis und mit gut meinenden Sponsoren seien die Festspiele etabliert worden, sagte der Landrat. Das Motto zeige Mut zu neuen Wegen, denn Wandel sei auch gut. Den früheren Komponisten und Musikern seien es auch darum gegangen, wegzukommen von dem Establishment, sagte die künstlerische Leiterin, die Echo Klassik-Preisträgerin Prof, Dr. Dorothee Oberlinger. „Man wollte keinen Nähmaschinen-Vivaldi mehr“, beschrieb sie die Beweggründe für die Suche zu anderen Aufführungsformen, die sich aber auch an alter Praxis orientiert und heute auch die Künstler in der Alten Musik bewegt, wenn sie, wie das Ensemble Odyssee bei der Eröffnungsfeier, die Violine nicht am Kinn. sondern an der Schulter anlegen beim Musizieren oder Darmsaiten aufziehen. Die Komponisten der Alten Musik hätten immer wieder nach neuen Ufern gesucht. Georg Friedrich Händel etwa hat ein solches mit der Etablierung der italienischen Opfer in England auch geografisch gefunden, wie bei der Aufführung von Auszügen von „Rinaldo“ im Abschlusskonzert deutlich wird. „Die Matinee der Jungen Künstler zeigt, dass es weiter geht“, sagte Oberlinger bei der Einführung in das abwechslungsreioche Barockfest-Programm. Die alte Opulenz wird bei den Festspielen auch wieder ein Stück weit erreicht, wenn zum Ausklang des Jubelfestes ein Feuerwerk gezündet wird. Möglich ist dies durch die Fürstenfamilie, die vor rund 300 Jahren das Barockschloss errichten ließ und die durch den Nachfahren Wittekind Fürst zu Waldeck und Pyrmont und seine Ehefrau Cecilie repräsentiert wurde im Eröffnungsfest, und durch die Sponsoren, die unter anderem durch Sparkassenvorstand Heinz-Robert Behle vertreten waren.

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