Kameradschaft Bad Arolsen feiert 50-jähriges Bestehen im ehemaligen Casino

Ohne Reservisten liefe nichts mehr

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Zum Jubiläum nach langer Pause eine Flaggenparade der Reservistenkameradschaft in der ehemaligen Prinz-Eugen-Kaserne.

Bad Arolsen-Mengeringhausen - Mit einer Flaggenparade eröffnete die Reservistenkameradschaft Bad Arolsen spektakulär wie wehmütig zugleich das Jubi-läumsfest. Seit 50 Jahren verstehen sich die Männer nicht nur als Reserve für einen Verteidigungsfall, sondern auch als Mittler zwischen der Bundeswehr und der Zivilbevölkerung.

„Das ist der letzte Flaggenappell“, stellte Vorsitzender Klaus Künstel, Oberleutnant der Reserve, vor zahlreichen Zuschauern im Rahmen des Tages der offenen Tür im Bioenergiepark fest, der in der ehemaligen Prinz-Eugen-Kaserne entstanden ist. Seit der Schließung vor acht Jahren ist die Bundeswehr im Bewusstsein der Bürger in der Region deutlich weniger präsent, und die RK findet kaum noch Nachwuchs, wie Künstel deutlich machte.

In Öffentlichkeit präsent

Mit einer kleinen Waffenschau, unterstützt durch das Frankenberger Fernmeldebataillon, einer Ausstellung und einem Kommers machte die Kameradschaft im ehemaligen Georg-Fredrich-Kasino auf sich aufmerksam und unterstrichen die Reservisten die Bedeutung für die Bundeswehr.

Aus einer losen Vereinigung sei am damals neuen Standort Mengeringhausen eine feste Institution mit derzeit 63 Mitgliedern, darunter ein belgischer Armeeangehöriger, geworden, berichtete der seit sieben Jahren als Vorsitzender fungierende Klaus Künstel.

Neben Schießübungen und Veranstaltungen zur Verteidigungs- und Sicherheitspolitk gehören die Unterstützung der Aktion für Behinderte Menschen, die Mitgestaltung des Volkstrauertages, die Unterstützung des Volksbundes Deutsche Kriegsgräberfürsorge und die Kameradschaftspflege zu den wichtigen Aufgaben der RK.

Künstel erklärte, ohne Reservisten seien Auslandseinsätze nicht möglich. Zehn Prozent der eingesetzten Soldaten gehörten der Reserve an. Im Inland seien die Reservisten für die Öffentlichkeitsarbeit der Bundeswehr wichtig. Schließlich gehe es bei den Einsätzen um Leben und Tod und um viel Geld, begründete der Vorsitzende die Bedeutung einer verstärkten Diskussion über die Zielrichtung Streitkräfte.

Querschnitt der Bevölerung

Die Abschaffung der Wehrpflicht sei falsch gewesen, schließlich hätten die Rekruten den Querschnitt der Bevölkerung dargestellt und damit das Ideal des Staatsbürgers in Uniform mit Leben erfüllt.

Die Reservisten seien eine Säule der Bundeswehr und würden „leider vernachlässigt“, sagte der Erste Stadtrat Helmut Hausmann. Als ehemaliger Leiter des Bundeswehrdienstleistungszentrums (ehedem Standortverwaltung) hätte er es lieber gehabt, die Kaserne wäre geblieben. Doch herrsche seit 67 Jahren Frieden in Deutschland, und dazu hätten die Reservisten ihren Beitrag geleistet.

Die Zahl der Reservisten bezifferte der Vizepräsident des Verbandes der Reservisten der Bundeswehr, Oberstleutnant d. R. Christian Faul, mit 100000 Männern und Frauen. Sie würden sich über das normale Maß hinaus für die Gemeinschaft und den Staat einsetzen. Umso unverständlicher sei die Idee, das „Buschgeld“ für wehrübende Soldaten zu besteuern - mithin die Vergütung für die Unterbringung in Zelten oder die Beköstigung mit Erbsensuppe. Doch nach Protest des Verbandes wurden diese Über-legungen verworfen.

Ungedienter im Ausschuss

Faul begrüßt das Aufstellen von Regionalen Sicherungs- und Unterstützungseinheiten. Angesichts von 80 Millionen Einwohnern sei die Anzahl von derzeit 3000 Kameraden in solchen Einheiten noch zu niedrig.

„Es würde klemmen bei den Auslandseinsätzen oder in der Heimat, gäbe es die Reservisten nicht“, sagte MdB Ullrich Meßmer, der nach eigenen Worten als Ungedienter dem Verteidigungsausschuss des Bundestages angehört und förderndes Mitglied im Reservistenverband ist. Zudem gewinnen die Reservisten nach seiner Auffassung durch den Rückzug der Bundeswehr aus der Fläche zunehmend an Bedeutung für die Vermittlung der Aufgaben der Bundeswehr.

Fürst Waldeck in Uniform

Meßmer hob die humanitäre Bedeutung internationaler Einsätze bei regionalen Konflikten hervor und forderte eine offene Diskussion über die Aufgaben von Bundeswehr und Reservisten. Wichtig seien die klare Absage gegen Extremisten in den eigenen Reihen und das Eintreten für de Sicherung der Menschenrechte und Frieden.

In einer persönlichen Betrachtung blickte Wittekind Fürst zu Waldeck und Pyrmont auf seine Aktivitäten als Reservist bei der Bundeswehr zurück. Allein bei dreißig Übungen sei er eingesetzt gewesen, vor allem in Augustdorf und auf Kreta, sagte der Oberstleutnant der Reserve; darüber hinaus auch bei Hilfseinsätzen in Katastrophenfällen, so etwa nach dem Absturz einer Bundeswehrmaschine auf der Autobahn. Nach dem Ende der großen Übungen habe er aufgehört: „Ich musste raus, wollte nicht an Planspielen im Büro teil-nehmen.“

Ehrungen ausgesprochen

Er sei beeindruckt gewesen von den Leistungen der Bundeswehrangehörigen. Wenn er dann Ältere habe sagen hören, die heutigen Militärangehörigen seien verweichlicht, dann habe er denen entgegengehalten, sie hätten Kriege angefangen und verloren.

Fürst Waldeck war neben Karl-Heinz Krume für 40-jährige Zugehörigkeit zum Reservistenverband geehrt worden. Rudolf Michalke wurde für 25-jährige, Manfred Pallagst für 20-jährige und Wilhelm Müller für zehnjährige Zugehörigkeit ausgezeichnet. Neuestes Mitglied ist Erster Stadtrat Hausmann.

Grußworte überbrachten auch MdL Armin Schwarz, der stellvertretende Landesverbandsvorsitzende Stabsfeldwebel Günther Ross, und im Namen der Stadtverordneten Walter Hufenreuther. (ah)

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