Mengeringhäuser Christian Meuser 1972 bei Olympiade in München

Olympischer Postdienst

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Christian Meuser aus Mengeringhausen gehörte zu den 20 Postbeamten, die während der Olympiade 1972 in München beim Sonderpostamt im Stadion eingesetzt waren.

Ganz nahe dran am olympischen Geschehen war Christian Meuser in München vom 26. August bis 11. September 1972: Als 24-jähriger Briefträger vom Lande machte er die Mannschaft in der Olympia-Sonderstempelstelle in der Nähe des Hauptbahnhofes und im Olympia-Stadion komplett.

Die nach einer Ausschreibung ausgewählten Postler verkauften die zur Olympiade vom Bundespostministerium herausgegebenen Sondermarken (30 Pfennig, etwa 16 Cent) und versandten auch die begehrten Ersttagsbriefe.

In der Stammdienststelle zwischen Hauptbahnhof und Hackerbrücke waren 50 Beamte bereits ab Pfingsten beschäftigt. Bis Ende Oktober waren die Beamten nach München abgeordnet. Auf 180 Beamte wuchs die Mannschaft in München während der Olympiade an. Da wurden auch Studenten mit Fremdsprachkenntnissen eingesetzt. Anfragen aus aller Welt erreichten die Postler, die meisten aber von Briefmarkensammlern aus Deutschland. Zwischen Juli und Oktober 1972 wurden beim Briefmarkenverkauf 5,6 Millionen Mark (etwa 2,8 Millionen Euro) umgesetzt. Manche Händler kauften gleich für 10 000 bis 15 000 Mark Marken. Am Eröffnungstag musste die Polizei zur Sicherung und Verkehrsregelung eingesetzt werden: Auf 500 Metern Länge standen Briefmarkenfreunde bei 30 Grad in Fünferreihen vor dem Postamt an. „Die wollten alle die Sonderstempel zur Eröffnungsfeier“, berichtet Meuser. Der Mengeringhäuser war in der Postfiliale unter der Pressetribüne im Olympiastadion mit 20 weiteren, mit eigens geschneiderter Dienstkleidung ausgestatteten Kollegen an sieben Tagen der Woche von 8 bis 18 Uhr im Einsatz. Dafür bekamen die Beamten eine Olympia-Zulage.

Jäh wurde die olympisch gute Stimmung durch das Attentat von palästinensischen Terroristen auf das benachbarte olympische Dorf zerstört, bei dem israelische Sportler ermordet wurden. Doch dem Terror wollten sich weder das Olympische Komitee noch die Sportler beugen. Nach einem Tag Unterbrechung wurden die Wettkämpfe fortgesetzt. Prominente Unterstützung bekamen die Postler aus der Elfenbeinküste: Ein Vorgesetzter kam in Begleitung eines Besuchers aus dem afrikanischen Land und bat die Beamten, sich um den Gast zu kümmern. Da keiner der Deutschen Französisch sprach, geschweige denn eine der Landessprachen, konnte man sich kaum verständigen. Kurzerhand setzten die Postbeamten ihn zum Stempeln ein. „Er war mit großer Begeisterung dabei“, erinnert sich Meuser. Nach der Stippvisite erfuhren die Postler dann, dass sie von keinem Geringeren als dem Postminister der Elfenbeinküste unterstützt wurden.

Gerne erinnert sich Meuser an die „Waldecker Runde“ zu der Sportredakteur Werner Rabe im Namen der Waldeckischen Landeszeitung in den Augustiner-Keller nach München Waldecker Besucher der Wettkämpfe eingeladen hatte. Die waldeckischen Olympioniken Hermann Köhler und Karl-Jürgen Leyhe waren mit dabei.

Solche Geschichten, aber auch Erinnerungen an Ausflüge in der Freizeit in den gemeinsam verbrachten Monaten in München werden bei den jährlichen Treffen der Olympia-Postler ausgetauscht. Einmal kamen sie in Mengeringhausen und später in Nieder-Werbe zusammen. Durch den Einsatz bei der Olympiade war der damals noch unverheiratete Meuser auf den Geschmack gekommen und hatte sich erfolgreich um die Mitarbeit bei der Internationalen Briefmarkenausstellung in München beworben. (ah)

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