Am Montag in Helmighausen vorgestellt:

Ortssippenbuch „Das Rote Land“ ist fertig

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Das Ortssippenbuch übers Rote Land wurde am Montagabend in Helmighausen offiziell vorgestellt. Unser Bild zeigt (v. l.): Walter Bracht (Geschichtsverein), Bürgermeister Jürgen van der Horst (Bad Arolsen), die beiden Autoren Friedrich Hübel und Heinrich Bodenhausen sowie Bürgermeister Elmar Schröder (Diemelstadt).

Diemelstadt-Helmighausen - Ein gewichtiges Geschichtsbuch mit einem 3916 Namen umfassenden Familienteil ist das gemeinsame Ortssippenbuch für die vier Dörfer des Roten Landes geworden - am Montagabend wurde es endlich übergeben.

Wir schreiben das Jahr 600: Im Nethe-Gau bei Brakel wird es vielen Menschen zu eng, sie wandern in den Raum aus, der heute unter dem Begriff Rotes Land bekannt ist. Heimatforscher Heinrich Bodenhausen (Bad Arolsen) berichtete über die Wanderungsbewegung, der die Entstehung der mit -i(n)g-hausen endenden Ortschaften zu verdanken ist: Erling-, Hespering-, Helmig- oder Schmillinghausen. Kohlgrund und Neudorf, die zu dem Dörfer-Quartett in Nordwaldeck zählen, sind erst später entstanden, und zwar im Einflussbereich des Amtes Eilhausen.

Mühevolle Arbeit

Neben der Geschichte der Region, die sich kommunalpolitisch über die Großgemeinden Diemelstadt und Bad Arolsen erstreckt, sind in dem Sippenteil die bis nach Nordamerika reichenden Verflechtungen der verschiedenen Familien versammelt. Der Rhoder Heimatforscher Friedrich Hübel hat sich mit großem Engagement dieser mühevollen Arbeit unterzogen, für die aus datenschutzrechtlichen Gründen die betroffenen Bürger ihr Einverständnis geben mussten. Die allermeisten erteilten dieses auch: „Ich war in fast allen Häusern der vier Dörfer und bin freundlich und hilfsbereit aufgenommen worden“, berichtete Friedrich Hübel bei der gut besuchten Feierstunde, die vom Gesangverein und dem Posaunenchor musikalisch umrahmt wurde. So entstand ein „Who’s who des Roten Landes“, freute sich Walter Bracht, Vorsitzender der Bezirksgruppe Diemelstadt im Waldeckischen Geschichtsverein. Zugleich sei mit dem ersten Buch über vier Orte Neuland beschritten worden.

Die „Hitliste“ der größten Familien des Roten Landes, das seinen Namen von dem lehmigen Ackerboden bekommen hat, führt die Familie Volkes an, die auf zwölf Generationen zurückblickt und damit auch die drittälteste Sippe der vier Orte ist. Es folgen Bunse, Vogel, Grünhaupt, Rummel, Ladage, Emde, Müller, Bangert, Schmidt und Stände(c)ke. Um die vielen Bürger gleichen Nachnamens auseinanderhalten zu können, wurden Hausnamen vergeben, die auf Berufe verweisen und noch heute in Gebrauch sind. So etwa „Ligges“ in Helmighausen. Der Beiname „Konsum“ für eine Familie Ständeke dürfte auf einen Dorfladen verweisen.

Quelle der mühevollen Forschungen sind die Kirchenbücher, deren handschriftliche Eintragungen oft schwer und nur mit einer gewissen Übung zu entziffern sind. Friedrich Hübel stützt sich auf Eintragungen, die bis ins Jahr 1666 zurückdatieren. Nach einem Beschluss des Gemeinderats in dem heutigen Arolser Stadtteil Kohlgrund 1938 war bereits vor über 75 Jahren mit der Vorbereitung eines Ortssippenbuches begonnen worden. Der damalige Vorsitzende des Geschichtsvereins, der Rektor Robert Wetekam, gab den Anstoß und lieferte mit dem Buch über Vasbeck das erste familienkundliche Werk. Wetekam regte seinen Kohlgrunder Lehrerkollegen Vogell an, ebenfalls Familienforschung zu betreiben.

Die Genealogie ist in jener Zeit überschattet gewesen oder auch beflügelt worden von den sogenannten Rassegesetzen der Nationalsozialisten, die im berüchtigten „Arier-Nachweis“ des Ahnenpasses ausartete. Heinrich Bodenhausen berichtete anhand von Briefen, wie sich Bürger beim Pfarramt bescheinigen lassen wollten, dass ihre Vorfahren nicht jüdisch waren. Diese „Nachweise“ wurden benötigt, um etwa eine Beamtenlaufbahn beginnen zu können.

Die Arbeiten an dem Ortssippenbuch fußen zum Teil auf den Nachforschungen Vogells, mussten aber unter der Regie von Friedrich Hübel von Neuem begonnen werden. Herausgekommen ist ein Nachschlagewerk, das vielfältige Querverbindungen nachweist. Dabei finden sich auch Hinweise auf 368 Bewohner, die nach Amerika auswanderten, und auf Einwohner, die nach Erkenntnis von Hübel im KZ Auschwitz umgebracht wurden. Zwei Drillingsgeburten werden dokumentiert oder dass sieben Menschen über hundert Jahre alt geworden sind.

Gewichtiges Werk

Ortsvorsteherin Hiltrud Bodenhausen stellte zu dem mit 2660 Gramm schwergewichtigen Werk fest: „Eine Leistung sondergleichen.“ Viele engagierte Menschen hätten zu dessen Entstehen beigetragen, sagte Pfarrerin Silke Kohlwes. „Viele junge Leute versinken bereits in dem Zahlenwerk“, berichtete Bürgermeister Elmar Schröder, der als Erlinghäuser über seine aus Neudorf stammende Ehefrau nunmehr auch in ein waldeckisches Ortssippenbuch Einzug gehalten hat. „So lassen sich Lebenslinien in einem exakt recherchierten Werk nachvollziehen.“

„Ein gewichtiges Werk - damit ist vor allem dessen Inhalt gemeint“, sagte Bürgermeister Jürgen van der Horst (Bad Arolsen). Die Kompetenz der beiden Autoren sei durch zahlreiche Veröffentlichungen anerkannt. Dem nunmehr 88. Band der Ortssippenbücher werde bald der Band über Mengeringhausen folgen, sagte der Rathaus-chef.

Diemelstadt komplett?

Hübel verwies darauf, dass eine Neufassung des Ortssippenbuches von Wethen in Arbeit sei und mit dem Buch über Orpe-thal eine ganze Großgemeinde abgedeckt werde - „einmalig im Waldecker Land“.

Das Ortssippenbuch „Das Rote Land“ kostet 25 Euro - ein Preis, der nur durch Unterstützung der beiden Städte Diemelstadt und Bad Arolsen möglich geworden ist und durch die Spenden, die Staatsminister a. D. Wilhelm Dietzel (Neudorf) vermittelt hat. Es ist in einer Auflage von 900 Stück gedruckt worden. (ah)

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