Volkmarsen

Passau den Rang ablaufen

- Volkmarsen (es). Es ist seit Jahren die größte Polit-Veranstaltung nördlich der Donau. Die Kanzlerin war schon zweimal da und mit ihr viele, viele CDU-Ministerpräsidenten. Am Freitagabend war erstmals Christine Lieberknecht aus Thüringen zu Gast.

Offiziell heißt die Großveranstaltung in der Volkmarser „Nordhessenhalle“ Politischer Aschermittwoch, doch das Ende des Karnevals liegt regelmäßig schon lange zurück, wenn der hessische Ministerpräsident Roland Koch und seine Kollegen aus anderen Bundesländern in Volkmarsen umjubelt werden. Der Grund für die Terminwahl ist einfach: Unmittelbar nach Karneval herrscht in der Volkmarser Halle noch das Chaos nach den Tanzveranstaltungen. Eine Woche später ist wieder schön aufgeräumt. Schließlich wollen sich die Volkmarser Christdemokraten vor ihren Gästen von ihrer besten Seite präsentieren. Sie haben ja auch einen Ruf zu verlieren. Dem Ruf, mit einer riesigen Truppe von 200 ehrenamtlichen Helfern in Windeseile an die 1400 Besucher mit selbst gemachtem Heringsstipp zu versorgen und die leeren Teller anschließend ebenso schnell wieder abzuräumen wurden die Volkmarser jedenfalls wieder gerecht. Auch das Unterhaltungsprogramm aus Blasmusik mit den Kugelsburg-Musikanten, Showtanz der Prinzengarde und lockerem Polit-Talk mit regionalen CDU-Größen wurde von den Profis vom CDU-Stadtverband Volkmarsen wieder routiniert abgespult. Dann der Einzug der beiden Hauptredner, der Ministerpräsidenten von Thüringen und Hessen, Christine Lieberknecht und Roland Koch. Lieberknecht war schon zu DDR-Zeiten politisch aktiv und engagierte sich bei Aktionen der Christlichen Friedenskonferenz. Sie wurde im Spätherbst 1989 in den Parteivorstand der DDR-CDU gewählt, der vom späteren, ersten demokratisch gewählten Ministerpräsidenten Lothar de Maizière geführt wurde. Im Oktober 2009 wurde sie als Nachfolgerin von Dieter Althaus zur neuen thüringischen Ministerpräsidentin gewählt. Jetzt spricht sie in Volkmarsen. Zum zweiten Mal nach 1990, wie sie erzählt. - Volkmarsen, ein Ort, den man sich merken muss: „Nach Passau die wichtigste Veranstaltung in der Union“, scherzt ihr hessischer Roland Koch und in Volkmarsen hofft man, das er es ernst meint. Bürgermeister Hartmut Linnekugel jedenfalls nimmt das Kompliment ernst und setzt noch einen drauf: Volkmarsen setze alles daran, Passau noch zu überrunden. 20 Jahre deutsche Einheit lautet das Thema des Abends. Das sind auch 20 Jahre Partnerschaft von Hessen und Thüringen. Ihre ganz persönliche Wiedervereinigung feiert die „Frau vom Checkpoint Charly“, immer am 25. August. Denn an diesem Tag vor 22 Jahren konnte sie nach mehrjähriger Trennung durch das DDR-Unrechtsregime endlich wieder ihre Töchtern Beate und Claudia in die Arme schließen. Auf der Bühne der „Nordhessenhalle“ berichtete sie im Gespräch mit Tobias Scherf von ihrer gescheiterten Flucht über Rumänien, ihre Festnahme, peinliche Verhöre und schließlich die Inhaftierung. Dann der Freikauf durch die Bundesregierung. Doch die Kinder mussten drüben bleiben. Kein Wunder, dass ihre Botschaft lautet: „Sagen Sie allen, dass die DDR ein Unrechtsstaat war.“

Mehr lesen Sie in der WLZ-FZ-Ausgabe vom Samstag, 27. Februar 2010.

Fotoeindrücke vom Politischen Aschermittwoch in Volkmarsen finden Sie in dieser Bildergalerie.

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