wpd will elf Anlagen im Stadtwald bauen

Pläne für Windpark Mengeringhausen

Bad Arolsen-Mengeringhausen - Die Firma wpd hat die Pläne für den Windpark Mengeringhausen parallel zum laufenden Baugenehmigungsverfahren vorgestellt. Wind blies den wpd-Repräsentanten von den Gegnern entgegen.

Ende 2013 wurde der Bauantrag eingereicht, dazu haben die wpd-Manager freiwillig ein „großes“ Verfahren zur Bürgerbeteiligung gewählt. Dazu verpflichtet sei wpd nicht, wie Projektmanager Dipl.-Biologe Ekkehard Darge dazu im voll besetzten Gemeinschaftsraum der Stadthalle betonte. Die Unterlagen zum Bauantrag liegen noch bis zum 3. Februar in den Rathäusern in Bad Arolsen, Diemelsee und Twistetal sowie beim Regierungspräsidium in Kassel aus, bis zum 17. Februar können noch Einwendungen geltend gemacht werden. Bereits in den vorigen planungsrechtlichen Verfahren hatten schon 60 Bürger ihre Bedenken erklärt. Sollte ein Erörterungstermin notwendig sein, so findet der am 16. April beim RP statt. Aufgrund der diversen Einwände von Naturschutz und Bürgern wurde die Zahl der Standorte von 15 auf elf reduziert. Dadurch wird die Reichweite der auf 35 Dezibel zu beschränkenden Schallemissionen am Wohngebiet Feldflosse so reduziert, dass die Bebauung gar nicht erreicht wird. Die Anlagen stehen 1,3 bis 2,3 Kilometer von geschlossenen Wohngebieten entfernt und 700 Meter von Einzelgebäuden im Außenbereich. Im ersten Bauabschnitt sollen sechs Nordex N 117-Anlagen aufgestellt werden mit einer Höhe von 199 Metern und einem Rotordurchmesser von 117 Metern. Entsprechend der prognostizierten Windhöffigkeit werden sogenannte Schwachwindanlagen für das Binnenland erstellt. Die Windmühlen können jeweils 2,4 Megawatt Strom produzieren. Mit Rücksicht auf die Vorkommen von Rotmilanen werden fünf Standorte derzeit von einem Fachbüro überprüft, sodass erst in einem zweiten Bauabschnitt die weiteren Anlagen erstellt werden. Vorgesehen sind dabei auch zwei Bürgerwindmühlen, über die Renditeerwartungen könne aber wegen der laufenden Diskussion über die Eckwerte für die Vergütung eingespeisten Stroms aus erneuerbaren Energien und über das hessische Gemeindewirtschaftsrecht noch nichts gesagt werden, sagte Projektleiter Darge. Der Windpark werde sich aber rechnen. Aufforstung Für die elf Anlagen müssen sechs Hektar des insgesamt 1400 Hektar großen Stadtwalds in Anspruch genommen werden, pro Jahr würden Bäume von fünf Hektar abgeholzt. Bei der Entnahme für den Windpark würden in erster Linie Fichten gefällt. Zum Ausgleich werde auf der Grundlage des Forstgesetzes in den Gemarkungen Schweinsbühl und Volkmarsen Wald neu aufgeforstet. Für die Baufahrzeuge müssen die benötigten, derzeit 3,5 Meter breiten Waldwege auf 4,5 Meter verbreitert werden. Mit dem Energieversorger Eon werde darüber verhandelt, wie der Strom eingespeist werde. Der Netzanschluss könne durch Anschluss über Erdkabel an das 110-kV-Hochspannungsnetz (vorhandene Überlandleitungen) oder an das Umspannwerk Twistetal erfolgen. Nach dem Erneuerbare-Energien-Gesetz würden demnächst voraussichtlich neun Cent je Kilowattstunde vergütet. wpd habe eine Bürgschaft von einer sechsstelligen Summe beim Land hinterlegt, um etwa bei Insolvenz den Rückbau sicherzustellen. Der sei nach einer Betriebsdauer von 20 bis 30 Jahren vorgesehen, sagte Darge. Der Windpark beschere heimischen Unternehmen Aufträge und bringe der Stadt aus Pacht und Steuern in dem Betriebszeitraum zehn Millionen Euro an Einnahmen. Pro Jahr würden 80 Millionen kW/h Strom eingespeist. Durch die Nutzung der Windkraft werde der Ausstoß von 70 000 Tonnen Kohlendioxid vermieden. Darge und der Kasseler Niederlassungsleiter Holger Groß betonten, wpd sei an einem wirtschaftlichen Betrieb der Anlagen interessiert und verfüge über genügend Eigenkapital, um die Projekte im In- und Ausland auf eine finanziell sichere Basis zu stellen. Die seit fünf Jahren bestehende Windpark Mengeringhausen GmbH und Co. KG werde nach der Anfangsphase auch eine Rendite erwirtschaften. Artenschutz Darge wies darauf hin, dass Infraschall nicht wahrnehmbar sei. Um Schattenwurf zu vermeiden, würden Abschaltmechanismen installiert. Das Luftfahrtbundesamt bestehe auf der Anbringung von roten Blinklichtern an den Rotorblättern, obwohl diese für den Flugverkehr nicht notwendig seien. Wenn sich ein derzeit in der Erprobungsphase befindliches neues System bewähre und die Installation wirtschaftlich sei, würde eine entsprechende Schaltung installiert, um unnötiges Blinken zu verhindern. Die Eingriffe in die Pflanzenwelt würden nach den Gutachten eher zu einer Vergrößerung der Artenvielfalt beitragen. In der Tierwelt werde, beispielsweise beim Wild, rasch ein Gewöhnungseffekt eintreten. 95 bis 99 Prozent der Vogelarten flögen um die Windparks herum. Zum Schutz der Rotmilane laufe noch eine Untersuchung. Die Biologin und Landschaftsplanerin Maria Brohm von der Planungsgruppe für Natur und Landschaft in Wölfersheim erklärte, dass kein signifikantes Tötungsrisiko für die Vögel bestehe und nach dem Vorschlag des Naturschutzbundes Flächen für den Greifvogel ausgewiesen würden. Auch für die Kranichzüge ergibt sich nach ihren Worten kein Problem. Zum Schutz von Fledermäusen werden Abschaltvorrichtungen installiert.Brohm berichtete, für die Begutachtung seien über zwei Jahre hinweg zwei Beobachter im Einsatz gewesen. Mit 300 Stunden seien sie dreimal so lange wie von der Vogelwarte vorgeschrieben unterwegs gewesen. (ah)

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