Mitarbeiterin der Waldecker Bank bewahrt Rentner vor großem Verlust

Professionelles Gespür für Betrug

Polizeimedaille für Meike Neumeier, die als Mitarbeiterin der Waldecker Bank in Mengeringhausen einen Kunden vor einer Variante des Enkeltricks bewahren und 14 000 Euro retten konnte. V.l. Christian Schröder, Maike Neumeier und Elke Schäfers. Foto: Elmar Schulten

Bad Arolsen-Mengeringhausen. - Sie hat schon zwei Banküberfälle miterlebt und im Oktober einen üblen Betrug nach der Enkeltrick-Masche verhindert. Mit einem Lächeln stellt sie fest: „Alle, die es bei mir versucht haben, sitzen im Knast.“

Für so viel Zivilcourage und einfühlsames Mitdenken ist Maike Neumeier gestern Abend im Kasseler Polizeipräsidium von Polizeipräsident Eckhard Sauer mit der Kasseler Polizeimedaille ausgezeichnet worden.

Maike Neumeier (36) aus Bad Arolsen und ihre Kollegin Christine Backhauß (35) waren im Oktober 2014 in der Mengeringhäuser Filiale der Waldecker Bank im Kassenservice beschäftigt, als ein 84-jähriger Mann beinahe Opfer von dreisten Trickbetrügern geworden wäre.

In der Mittagszeit hatte der gutgläubige Rentner an seiner Haustür Besuch von zwei „Scherenschleifern“, die ihre Leistungen anboten. Sie berechneten schließlich für das Schleifen von einigen Messern und Scheren die horrende Summe von 2800 Euro.

Doch damit nicht genug. Nachdem der Senior diese Summe von seinem Konto abgehoben und an die Betrüger ausgezahlt hatte, witterten die Täter weitere Geschäfte und baten den Rentner schließlich um einen „Kredit“ in Höhe von 14000 Euro. Für die Polizei steht fest: „Das Geld hätte der Mann niemals wieder gesehen!“

Die Betrüger gingen dabei so geschickt vor, dass der Rentner schließlich bereit war, auch diese Summe von seinem Sparkonto bei der Waldecker Bank abzuheben und an die Täter auszuzahlen.

Am Bankschalter traf der Rentner nun aber erneut auf die beiden Bankmitarbeiterinnen vom Vortag. Diese befragten den Rentner diskret nach dem Grund des Abhebens einer derart hohen Bargeldsumme, weil sie eine Betrugsmasche nach Art des Enkeltricks witterten. Mit ihrem Bauchgefühl lagen die beiden Frauen goldrichtig.

„Ich habe ihn gefragt, wieso denn alles?“, erinnert sich Maike Neumeier. - Er wolle sich ein Auto kaufen, habe der Rentner geantwortet. „Aber sie haben doch gar keinen Führerschein“, habe sie nachgebohrt und den Rentner zu einem Kaffee ins Beratungszimmer gebeten. Dort habe sie erfahren, dass das Geld als Kredit für die netten Leute bestimmt gewesen sei, die ihm so schön die Messer geschliffen hätten.

In der Zwischenzeit hatte die Kollegin die Polizei informiert. Gemeinsam wurde ein Schlachtplan zur Observation der Rentnerwohnung geschmiedet. Doch die Gauner kamen nicht wie erwartet.

Erst bei einem zweiten Anlauf hatten die Beamten Glück: Als sie den Rentner zu Hause besuchten, um noch ein paar Details fürs Protokoll zu klären, konnten die Betrüger im Wohnzimmer ihres Opfers vorläufig festgenommen werden.

Es handelt sich um Mitglieder einer polizeibekannten osteuropäischen Familie, deren Mitglieder seit einiger Zeit in Frankenberg wohnen und wegen ähnlicher Fälle bereits mehrfach polizeilich in Erscheinung getreten sind.

„Wir haben fast jeden Monat mit irgendwelchen Betrugsversuchen zu tun“, berichtet Maike Neumeier, die neuerdings die Bankfiliale in Mengeringhausen leitet. Mal geht es um einen Internetbetrug, bei dem Kunden aufgefordert werden, mal eben Geld per Western Union zu überweisen, mal geht es um gefälschte Rechnungen oder Unterschriften. Als Bankerin habe sie ein Gespür für solche Fälle entwickelt: „Wir kennen schließlich unsere Kunden.“

Besonders ältere Kunden seien willkommene Opfer für die Betrüger. Deshalb empfiehlt die Bankbetriebswirtschaftlerin älteren Kunden, ihre Kinder als Vertrauenspersonen mit Vollmacht auszustatten. Bei höheren Bargeldtransaktionen könne der Bankkassierer dann telefonisch nachfragen, ob alles mit rechten Dingen zugehe.

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