Provisorium droht zur Dauereinrichtung zu werden

Ehrenamtliche am Limit

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Ehrenamtliche organisieren den Deutschunterricht für Flüchtlinge in den Räumen des Wasch-Cafés in der Bahnhofstraße.

Bad Arolsen. Nicht die Ausländerbehörde, sondern die Sprache öffnet Türen. Umso wichtiger ist das große Engagement, mit dem zahlreiche ehrenamtliche Helfer seit Monaten Flüchtlinge, die im ehemaligen Erstaufnahmelager in Mengeringhausen, in der Kernstadt und in den Ortsteilen untergebracht wurden, die Grundlagen der deutschen Sprache vermitteln.

Der Sprachunterricht erfolgt auf verschiedenen Niveaustufen, von Alphabetisierung bis hin zur Unterrichtung von Hochschulabsolventen. Neben der Vermittlung der deutschen Sprache werden umfangreiche Unterstützungsangebote geleistet, um den Flüchtlingen das Ankommen im deutschen Alltag trotz oft traumatischer Erlebnisse zu erleichtern.

 Diese Integrationshilfen erstrecken sich zum Beispiel auf Kinderbetreuung, Begleitung bei Behördengängen, Fahrdienste, Arztbesuche, Hilfe bei Wohnungs- und Jobsuche, wie auch Einladungen zu kulturellen Ereignissen in Bad Arolsen.

Ein Teil dieser menschlichen Belange zu unterstützen, ist aus Sicht der besonders engagierten CRS-Lehrer Beatrix Bröker und Hans-Joachim Orawetz vorrangig Aufgabe der Sozialarbeiter, deren Zeit aber häufig mit sogenannten hoheitlichen Aufgaben, dem Verteilen von Krankenscheinen und Formularen, ausgefüllt ist. In der Gruppe der Ehrenamtlichen breitet sich allmählich Unmut darüber aus, dass nach monatelangem Vertrösten nach wie vor nicht alle Flüchtlinge einen Platz in zertifizierten Deutschkursen erhalten haben. Es sei nicht zu verstehen, dass die Volkshochschule bisher nicht flächendeckend dafür gesorgt hat, Sprachkurse einzurichten, obwohl Geld, Personal und Räumlichkeiten vorhanden sind.

Die Verantwortlichen im Kreis müssten sich nur für einen Augenblick vorstellen würden, dass die Ehrenamtlichen ihre engagierte Arbeit einstellen würden. Wie würde dann die Betreuung der Flüchtlinge im Landkreis noch zu leisten sein? Können sich die Verantwortlichen in der Kreisverwaltung eigentlich vorstellen, wie es sich für die betroffenen Menschen anfühlt, zur Untätigkeit gezwungen zu sein, immer wieder vertröstet zu werden, obwohl sie große Lernbereitschaft zeigen?

Daher die Feststellung: Nicht die Ausländerbehörde, sondern die Sprache öffnet Türen. Unter diesen Rahmenbedingeungen könne die allseits geforderte Integration nicht gelingen, appellieren die Ehrenamtlichen an die Verantwortlichen in Politik und Verwaltung. (r)

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