Bad Arolsen

Regelungswut auf Friedhof neu überdenken

- Bad Arolsen (-es-). Die amtlich verordnete Regelungswut auf den Arolser Friedhöfen wird nun doch noch einmal einer Überprüfung unterzogen. Die Entscheidung wurde auf die nächste Sitzung vertagt.

Wer bisher immer angenommen hatte, dass bei parlamentarischen Diskussionen die Meinungen der Fraktionen von vornherein festbetoniert sind, der wurde am Donnerstag im Bad Arolser Stadtparlament eines Besseren belehrt. Mit seinen berechtigten Nachfragen und fundierten Argumenten hat es Matthias Decker von der Offenen Liste (OL) tatsächlich geschafft, in allen Fraktionen genügend Stimmen für seinen Vertagungsvorschlag zu gewinnen. Schriftgröße vorgeschrieben Decker hatte schon in der Ausschussberatung auf die vielen kleinen Details in der neuen Satzung verwiesen, mit denen Trauernde gegängelt, Steinmetze zu unnötiger Mehrarbeit und Mitarbeiter der städtischen Friedhofsverwaltung zu erheblichem Mehraufwand gezwungen werden. Die Zeche zahlen am Ende die Hinterbliebenen in Form von zusätzlichen Stempelgebühren. Beispiel: Paragraf 35 des Entwurfs der Friedhofsordnung regelt, dass Rasengrabstätten für Erd- und Urnenbestattungen sowie Baumurnengrabstätten mit einer Grabplatte gekennzeichnet werden, die einer genau festgelegten Gestaltung unterliegt. Dazu gehören die Plattengröße, das Material, die Beschriftungsart, die Schrifttype, nur Großbuchstaben, Höhe fünf Zentimeter. Zugelassen sind nur die Angabe von Name, Vorname, Geburtsdatum und Sterbedatum. „Als christliches Symbol wird nur ein Kreuz (linksseitig) genehmigt - keine anderen Symbole“ Baugenehmigung einholen In Paragraf 36 werden die Genehmigungserfordernisse für Grabmale und Grabeinfassungen geregelt. Dazu sind Zeichnungen in doppelter Ausfertigung im Maßstab 1:10 vorzulegen. Die Details werden in sechs Absätzen geregelt. Dagegen wehrte sich auch der CDU-Stadtverordnete Dietrich Junkermann: „Bei so vielen Vorschriften kann man sich ja höchstens noch das Sterbedatum frei aussuchen.“ Als Baufachmann fügte er hinzu: „nach der hessischen Bauordnung kann ich im Bereich eines Bebauungsplans Gebäude bis zur Hochhausgrenze von 22 Metern errichten. Aber fordern, dass künftig sogar Grabplatten genehmigt werden müssen.“

Mehr lesen Sie in der WLZ vom Samstag, 27. März.

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