Poetry Slam etabliert sich in Bad Arolsen

Reime im Fünf-Minuten-Rhythmus

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Poetry Slam Bad Arolsen: Heimspiel für Leo Dravoj im BAC-Theater

Wenn es um Lyrik in Fünf-Minuten-Portionen geht, ist nicht nur der Nordhesse im Allgemeinen, sondern auch der Waldecker inzwischen sichtlich aufgetaut.

 Selbst dann, wenn das überwiegend junge Publikum ein wenig Anschub brauchte, um beim dritten Poetry Slam im Bad Arolser BAC-Theater so richtig in Fahrt zu kommen.

Wie gut, dass Moderator Felix Römer ebenso wenig wie seine Kandidaten auf den Mund gefallen war und die Zuhörer mit flotten Sprüchen auf Touren brachte. Sobald allerdings der erste „Slammer“ vor das Mikrofon trat, war atemlose Stille garantiert, gefolgt von brandendem Applaus für die so begabten wie mutigen Wortakrobaten, die vor 120 Leuten ihr Innerstes nach außen kehrten.

Alte Bekannte waren dabei wie Jakob aus Marburg, der seine Zeitkritik in anspruchsvolle Wortkaskaden verpackte. Ein Heimspiel hatte Leo Dravoj, der aus Köln in seine Heimatstadt Arolsen gereist war und rappend gegen Vorurteile antrat.

Riesenapplaus erntete Leticia aus Melsungen, die ihren „Metzgerlehrling“ frei nach Goethe witzig, temperamentvoll und komplett auswendig auf ihr begeistertes Publikum abfeuerte.

Ole aus Frankfurt konnte die Zuhörer mit einer eher ernüchternden Beziehungsanalyse ebenfalls für sich gewinnen. Zustimmenden Beifall gab es auch für die fünfte Kandidatin, Tanasgol aus Friedberg, die mit ihrem teils gerappten Appell für Rechte, Respekt und Emanzipation muslimischer Frauen beeindruckte.

Eigentlich absurd, dass bei solch einem Autorenwettbewerb am Ende jemand gewinnen soll, befand der Moderator angesichts des bei jedem Kandidaten wild applaudierenden Publikums.

 Die Champagnerflasche ging nach der dritten Runde trotzdem an die quirlige Leticia Wahl, während die „Zweitplatzierten“ eine Flasche Sekt im Empfang nahmen. Immerhin war die gerechte Aufteilung der flüssigen Preise unter allen Kandidaten wieder ganz im Sinne des Publikums.(sim)

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