Stellvertretender Generalinspekteur der Bundeswehr, General Günter Weiler, über Reform

Reservisten für Bundeswehr unverzichtbar

Bad Arolsen - „Wir müssen aufpassen, dass wir die Interessen unseres Landes weiter verteidigen können“, mahnte der stellvertretende Generalinspekteur der Bundeswehr, General Günter Weiler, am Donnerstag in Helsen.

Bad Arolsen-Helsen. Standortschließungen, eine Verringerung der Truppenstärke auf 170 000 Soldaten, Aussetzung der Wehrpflicht, Etatkürzungen und zögerliche Investitionen in moderne Ausrüstung und Waffen – die Stimmung ist laut Umfrage bei den Aktiven nicht gut. General Weiler, der in Mengeringhausen seine Karriere bei der Bundeswehr vor 43 Jahren startete, äußerte sich bei der Kameradschaft ehemaliger Soldaten im Bundeswehrverband dennoch zuversichtlich, dass die laufende Reform abgeschlossen werden kann. Die Mittel seien zwar knapper geworden, doch ausreichend. Andere Bereiche hätten stärkere Kürzungen hinnehmen müssen. Zu den Zielvorgaben gehören neben internationalen (Friedens)einsäzen explizit auch Aufgaben des Heimatschutzes. Um diese Aufgaben zu erfüllen, muss angesichts der rückläufigen Einwohnerzahl die Regenerierungsfähigkeit der Truppe, also die Bereitstellung von genügend Personal, sichergestellt werden. Hierzu stehen derzeit 600 000 Männer und Frauen bereit, in den 80er-Jahren waren es noch allein 800 000 Männer. Den Reservisten kommen dabei verstärkt Aufgaben für die Unterstützung der aktiven Truppe im In- und Ausland zu. Und um die Reserve müsse sich die Bundeswehr und die Politik verstärkt bemühen, um auch künftig zu Lande und auf der See im Rahmen der Nato oder bei UN-Einsätzen mithalten zu können. Auch wenn die Wehrpflicht offiziell nur ausgesetzt worden ist, wird sich nach Auffassung von Weiler auch im Ernstfall schwerlich durchsetzen lassen, junge Menschen für den Militärdienst zu verpflichten. Daher ist es Teil des Konzeptes, Reservisten durch Aus- und Weiterbildungsangebote und eine stärkere Zusammenarbeit mit den Reservistenverbänden besser an die Bundeswehr zu binden, deren zivilberufliche Kompetenzen stärker zu nutzen und an die Bereitschaft der Arbeitgeber zu appellieren, ihre Mitarbeiter für Übungen bzw. Einsätze befristet Dienst tun zu lassen. Weiler schwebt vor, für aus der Bundeswehr ausgeschiedene Soldaten Betreuer einzusetzen, die den Kontakt im Beruf und an der Universität aufrechterhalten. Letztlich gehe es auch darum, das Leitbild des Staatsbürgers in Uniform zu erhalten, Andererseits wünscht sich der General mehr Aufmerksamkeit in der Bevölkerung und von politischer Seite für die Belange der Soldaten. Besonders dann auch, wenn Soldaten gefallen sind im Einsatz oder verwundet wurden. Die Bundeswehr sei angesehen, weniger aber die Auslandseinsätze, weil die Gründe dafür nicht richtig vermittelt würden. Die Kameradschaft ehemaliger Soldaten unter Vorsitz Oberst a. D. Jürgen Damm gab dem stellvertretenden Generalinspekteur das Forum, und zahlreiche Besucher machten das Interesse an der Entwicklung der Verteidigungsfähigkeit deutlich. Unter anderem wurden Erster Kreisbeigeordneter Jens Deutschendorf, Erster Stadtrat Helmut Hausmann und Wittekind Fürst zu Wal­deck und Pyrmont (Oberstleutnant der Reserve) willkommen geheißen. Ehemalige Stubenkameraden Weilers überreichten dem General ein Präsent.Damm ehrte den Stabsfeldwebel Manfred Gerber für 40-jährige Treue zum Bundeswehrverband. (ah)

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