Französischer Autor mit Lesern und Angehörigen beim Internationalen Suchdienst

Respekt vor dem Leben vermitteln

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Laurent Guillet (vorne, 3.v.l.) mit seiner französischen Gruppe im Suchdienstgebäude.

Bad Arolsen - Eine spannende Reise durch drei Länder unternehmen zirka 40 Franzosen. Da die Geschichten einiger Familien durch deutsche Besatzung und Krieg geprägt sind, besuchten sie auch den Internationalen Suchdienst.

Laurent Guillet, bretonischer Autor, hat es sich zur Aufgabe gemacht, die Geschichten von Kriegsgefangenen, Zwangsarbeitern, Kriegskindern deutscher Soldaten und von Häftlingen in Konzentrationslagern aufzuarbeiten. Dabei formierte sich eine treue Leserschaft, die über die Biografien hinaus daran interessiert war, auch die Stationen aus den Büchern kennenzulernen.

„Sie nannten ihn Joseph“ ist ein sehr persönliches Buch des jungen Schriftstellers, das die Geschichte seines in der Tschechoslowakei gestorbenen Großonkels behandelt. Der Autor hat dazu auch beim Suchdienst in Arolsen recherchiert (wir berichteten). Guillet möchte über die Recherche, das Schreiben und die Veröffentlichung hinaus die Geschichte dieses Angehörigen und anderer von der Naziherrschaft betroffener Menschen lebendig erhalten. „Verrückt“ nennt er die Idee, mit einer Gruppe eine literarische Reise zu unternehmen, die von Frankreich über Deutschland nach Tschechien führt - ohne vorherige Bekanntgabe der genauen Reiseziele. Doch was heißt schon verrückt angesichts der Untaten, die die Nazis und deren willige Helfer in ganz Europa anrichteten?

Das „Erste Rendezvous eines literarischen Wegs“, so der Titel der von A bis Z durchgeplanten 13-tägigen Reise, lässt Freiraum für persönliche Recherchen, etwa beim Internationalen Suchdienst. Die dort angesiedelte französische Verbindungsmission mit Nathalie Letierce-Liebig an der Spitze hat an der Aufarbeitung dieser und vieler anderer Schicksale erheblichen Anteil.

Auch wenn der Krieg bereits 67 Jahre vorbei ist, gibt es immer noch Anfragen zu dem Verbleib Angehöriger oder auch zu der eigenen Identität. So gehören zu der Reisegruppe aus Frankreich auch fünf Kinder von französischen Müttern und deutschen Besatzungssoldaten. Ebenso reisen Kinder von KZ-Häftlingen, Kriegsgefangenen und Zwangsarbeitern mit.

Nicht vergessen

„Eine hoch emotionale Begegnung mit der Vergangenheit ist das“, schildert Guillet die Gefühle der Teilnehmer. „Ich bin glücklich, dass ich Deutschland besuchen kann, jetzt wo wir seit 50 Jahren in Frieden leben. Man darf nicht vergessen, aber keine Rachsucht hegen“, erklärte Roger Afaesse, der die Besatzungszeit miterlebt hat.

Rémi Laquittant möchte seinem Sohn „den Respekt vor dem Leben besser vermitteln können“. Für viele Leser ist es spannend, die Orte zu erleben, die in dem Buch über Joseph erwähnt werden. Alle verbindet aber auch er Wunsch des Gedenkens und des Erinnerns.

Das Erinnern und die Forschung bedürfen der Unterstützung durch Archive. Sie müssen weiterhin für die Öffentlichkeit zugänglich bleiben.

Die Franzosen verströmen bei ihrem Besuch des Service International de Recherches, so die französische Bezeichnung des Suchdienstes, nicht nur Charme, sondern beweisen auch eine Portion Humor: So durfte der Teddybär Poupougne aus der Bretagne nicht fehlen, den Claire Birgand auf Reisen schickt und mit dem schon Berühmtheiten wie die Aktrice Catherine Deneuve, der ehemalige Präsident Nicolas Sarkozy und sein Nachfolger François Hollande posieren durften...

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