Trägerin des Deutschen Denkmalpreises baute zuletzt Ziegelei Oberkaufungen um

Retterin der Wetterburg gestorben

Bad Arolsen / Kaufungen. - Tamara Leszner, die „Retterin der Wetterburg“, ist im Alter von 66 Jahren gestorben. Die Trägerin des Deutschen Denkmalschutzpreises hatte zuletzt die aus dem 19. Jahrhundert stammende Ziegelei in Oberkaufungen erworben, als Industriedenkmal bewahrt und zu einem Museum umgestaltet.

Die Wetterburg hatte sie zwischen 1977 und 1984 mit traditionellen Handwerkstechniken restauriert und vor dem völligen Verfall bewahrt. Neben einem geräumigen Restaurant sind in dem aus dem 14. bis 17. Jahrhundert stammenden Bauwerk Wohnungen und Seminarräume untergebracht. Für das beispielhafte Engagement für den Erhalt historisch bedeutender Gebäude wurde sie von dem Deutschen Nationalkomitee für Denkmalschutz mit dem Deutschen Denkmalpreis ausgezeichnet.

Spezialisiert hatte sich die Diplom-Volkswirtin und Denkmalpflegerin auf den Lehmbau und mit ihrem langjährigen Lebensgefährten Ingolf Stein Bücher über diese Handwerkstechnik veröffentlicht. Mit viel Liebe zum Detail und Sachverständnis hatte sie sich der Erhaltung alter Bauwerke gewidmet. Dabei kam es ihr auch darauf an, Denkmalpflege mit einer wirtschaftlichen Nutzung der Gebäude zu verbinden. Nach der Wetterburg hatte sie sich dem Rathaus genannten früheren Zehnthaus in Wethen gewidmet, das 1774 erbaut wurde und ebenfalls eine Herausforderung für die neue Eigentümerin darstellte. Auch das Nachbarhaus war umgestaltet worden, die Gaststätte „Stein-Ofen“, so benannt nach dem Lebensgefährten, bot einige Jahre auch Raum für Ausstellungen.

Ihr letztes Vorhaben bildete die Umgestaltung der alten Ziegelei in Oberkaufungen, deren Betrieb erst Anfang der 1980er-Jahre eingestellt wurde. In den besten Zeiten waren Ziegel bis nach St. Petersburg geliefert worden. Herzstück des Industriedenkmals ist ein Ofen mit im Zickzack verlaufenden Zügen. Dieses Industriedenkmal zu bewahren und zugleich für die Öffentlichkeit zugänglich zu machen, dem widmete sie sich zusammen mit Ingolf Stein und dem ebenfalls als Lehmbauer tätigen Sohn John Philipp Leszner.

In der Trägerschaft eines Vereins wurde das Bauwerk zum Hessischen Ziegeleimuseum umgestaltet. Das 2006 vollendete Projekt wurde von der Gemeinde, mit EU- und Bundesmitteln sowie mit Geldern der Deutschen Stiftung Denkmalschutz und der Kulturstiftung der Sparkasse Kassel finanziert. Unterstützt wurde das Vorhaben bei Workcamps des Internationalen Jugendgemeinschaftsdienstes mit jungen Menschen aus den USA, Litauen, Spanien, Polen und Deutschland. Um das architektonische Ensemble langfristig sichern zu können, wurden Teile des im Familienbesitz befindlichen Gebäudekomplexes an Betriebe vermietet. Neben den 2011 eröffneten „Sinnesgängen“ werden am 18. Mai und im kommenden Jahr weitere Museumsbereiche für Besucher eröffnet.

Tamara Leszner verstarb nach kurzer, schwerer Krankheit. Ihr Tod bedeutet eine tiefe Zäsur, war sie doch eine wichtige Ideengeberin. Doch wird das Lebenswerk weitergeführt durch den Sohn John Philipp Leszner, der zurzeit die Meisterschule als Lehmbauer besucht, und dessen Partnerin sowie Ingolf Stein, der weiterhin als Direktor des Museums in Oberkaufungen fungiert und Projekte an der Ostsee entwickelt. (ah)

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