Umbau und Krippengruppe Rauchstraße fertig

Riesenbaustelle Kindergarten

Bad Arolsen - Für 400 000 Euro ist die evangelische Kindertagesstätte Rauchstraße in Bad Arolsen umgebaut worden. Am Samstag wurde die Fertigstellung gefeiert.

Mit der Einweihung des „Fuchsbaus“ in der Rauchstraße für eine Krippengruppe und die U  3-Gruppe gestern im evangelischen Kindergarten Schmillinghausen ist im Bereich des evangelischen Kindergarten-Zweckverbandes
in Bad Arolsen die Schaffung von Betreuungsplätzen für unter Dreijährige vorerst abgeschlossen. Der Bedarf ist groß, die Zielvorgabe des Landes Hessen mit dem Ende dieser Baumaßnahmen erfüllt, wie Bürgermeister Jürgen van der Horst erklärte. „Riesenprojekt“ Die Realisierung des „Riesenprojektes“ im laufenden Betrieb sei „mehr als eine sportliche Herausforderung“ gewesen, berichtete der Rathauschef – und bekam als Reaktion zustimmendes Nicken bei Mitarbeiterinnen und Eltern. So habe es eben nicht die zu erwartenden Protestbriefe gegeben, sondern es hätten alle Beteiligten – Eltern, Erzieherinnen, Handwerker und Architekt – an dem gemeinsamen Ziel mitgewirkt. Schließlich sei nicht nur die anfängliche Arbeitsaufgabe für den Zweckverband, die Schaffung einer Krippengruppe mit zwölf Plätzen für unter Zweijährige, umgesetzt, sondern seien wesentliche Lücken im Brandschutz geschlossen worden, erklärte der Rathauschef. Mit der Außentreppe wurde ein zweiter Fluchtweg geschaffen. Dadurch sei Sicherheit für die Kleinen geschaffen, mithin Geld gut angelegt worden, fügte der Bürgermeister hinzu. Hoher Eigenanteil Von den Gesamtkosten in Höhe von 400 000 Euro hat das Land 45 000 Euro übernommen. 79 000 Euro habe der Kreis beigesteuert, während die übrigen rund 275 000 Euro der Eigenanteil der Stadt gewesen seien. Der Bürgermeister hob die gute Zusammenarbeit im Zweckverband und die gute Qualität der Betreuung in den Kindergärten hervor. Mit den in einer Vorbesprechung vom Bürgermeister geäußerten Zweifeln wegen der Arbeiten während des Betriebs habe sie eine schlaflose Nacht gehabt, bekannte Kindergartenleiterin Heidrun Schaub. In den sechs Monaten Bauzeit sei manches anders und viel chaotischer gewesen. Doch hätten die Kinder die Arbeiten spannend gefunden, hätten die Eltern gut mitgemacht und habe das Erzieherinnen-Team gut mitgezogen. Und als Wände herausgeschlagen worden seien, hätten die Kinder eben den Spielplatz aufgesucht. Als wichtige und verständige Ansprechpartner hätten sich Architekt Henning Schütt und die Projektleiterin Sabine Gottmann von der Stadtverwaltung erwiesen. Dabei hätten den pädagogischen Vorstellungen die Kosten und die Bauvorschriften entgegengestanden, räumte die Leiterin ein. Sie revanchierte sich bei Sabine Gottmann mit einem Sparschwein und bei dem Architekten mit einer Uhr – der Zeitplan sei schließlich gut eingehalten worden. Heidrun Schaub freut sich nun darauf, dass demnächst das Konzept für den Außenbereich an der „Fuchsbau“ genannten Krippengruppe verwirklicht werden kann. Die Stadt hat dafür eine Tür einbauen lassen. Für die Anlage selbst sind Spenden willkommen. Den spektakulären Anfang machte der Lions-Club Bad Arolsen, dessen Präsident Christoph Lange mit einem knallgelben Kipper-Lkw einen Spendenscheck über 1000 Euro überreichte. Mit dem Bau der Fluchttreppe wurden die Bauarbeiten an dem über 125 Jahre alten Kindergarten im Juli begonnen. Alle zwei Monate wurde ein weiteres Geschoss umgebaut, wobei im Wesentlichen Brandschutz- und andere Sicherheitsauflagen erfüllt wurden, wie Architekt Schütt berichtete. „Manche sagen, dass sie von dem Umbau nicht viel sehen“, räumte der Architekt ein. Das sei auch der Charme eines nicht auf Hochglanzpläne ausgerichteten Projektes. Platz für neue Gruppe Neben der Krippengruppe im Erdgeschoss wurde das Dachgeschoss, das ehedem die Wohnung der Kindergartenleiterin beherbergte, für die Mittagsbetreuung und andere Zwecke umgestaltete. Möglich wäre auch die Schaffung einer weiteren Kindergruppe. Der mit 100 Plätzen ausgestattete Kindergarten ist bestens ausgelastet. Das meiste der Umbauarbeiten stecke im Verborgenen, sagte Schütt im Hinblick auf die aufwendigen, jedoch durch Decken und frisch gestrichene Wände sorgfältig kaschierten Sicherungsmaßnahmen. Erlaubt sei jedoch die kritische Frage, „ob wir uns solche Vorschriften leisten müssen“. Schließlich sei ein „unheimlicher Querschnitt“ bei den verwendeten Stahlträgern vorgeschrieben. So müsse eine Fläche von einem Quadratmeter auf der Treppe mit einem Gewicht von 500 Kilogramm belastbar sein, sagte er zu der stählernene Fluchttreppe und weiteren Brandschutzmaßnahmen: „Ist das notwendig?“ Immerhin sei eine schnellstmögliche Evakuierung gewährleistet. Indessen stehe noch ein „Zittertermin“ an, nämlich der Besuch durch die Bauaufsicht. Den Kindergarten habe er durch die Bauarbeiten besser kennengelernt als in den Jahren, in denen seine Tochter die Tagesstätte besuchte, räumte Schütt schmunzelnd ein. „Für mich ist es wichtig, dass sich mein Kind hier wohlfühlt“, fasste Viola Lautenbach vom Elternbeirat die Erwartungen der Väter und Mütter zusammen. Im neuen „Fuchsbau“ bekämen die Jüngsten Sicherheit und Geborgenheit geboten. Zudem könnten die Kinder altersübergreifend zusammen sein und würden sie von den Erzieherinnen ernst genommen. Wissen über den Gauben„Gottes guter Geist“ werde schon von den Jüngsten wahrgenommen, sagte der Vorsitzende des Zweckverbandes, der Landauer Pfarrer Christian Rehkate. Das Wissen über den Glauben zu vermitteln, sei ein Teil der Bildungsarbeit in den Kindergärten. Es sei wichtig, früh damit zu beginnen, die Inhalte der Bibel zu vermitteln, miteinander zu singen und zu beten. Wo die Großeltern etwa nicht da seien, da setze die Kindertagesstätte ein. (ah)

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