Informatonsabend bei Präventionstagen über Rauschgiftkonsum Jugendlicher

Riskante Experimente mit Drogen

Bad Arolsen - Umfangreiche Informationen zum Thema Drogenkonsum bei Jugendlichen haben Eltern im Rahmen der Bad Arolser Präventionstage erhalten.

Bad Arolsen. Über die Wirkungsweise von Drogen, deren Verbreitung und Hilfen für Betroffene informierten Fachleute im Bürgerhaus rund 30 Interessierte. Besonders aufschlussreich war der Einblick, den leitende Mitarbeiter der Polizei in Waldeck-Frankenberg in ihren Arbeitsalltag gewährten. Dass am Rande des Vortrags zwei (kürzlich beschlagnahmte) Hanfpflanzen ihren strengen Geruch verbreiteten, war beileibe kein Zufall, wie Erste Kriminalhauptkommissarin Susanne Gumpricht betonte. Neben Amphetaminen seien die Hanf-Produkte Marihuana und Haschisch nämlich jene Drogen, die unter Jugendlichen im Landkreis die weiteste Verbreitung finden. „Da kommen junge Leute dran, das wollen sie haben“, stellte die Leiterin des Sachgebietes Drogenkriminalität der Polizeidirektion Waldeck-Frankenberg fest. Dabei sei der Begriff „weiche Drogen“ für Marihuana oder Haschisch geradezu irreführend. Lag der Wirkstoffgehalt der Pflanze in den Siebzigerjahren noch bei rund acht Prozent, sei dieser inzwischen durch gezielte Genmanipulation um ein vielfaches auf bis zu 40 Prozent erhöht worden. „Das wird zu unrecht verharmlost“, bekräftigte Kriminalhauptkommissar Tobias Schmidt. Weitaus gefährlicher seien Amphetamine wie Ecstasy, die chemisch hergestellt und als kleine bunte Pillen vertickt werden. „Da weiß keiner so genau, was drin ist“, betonte Schmidt. Die Sorglosigkeit der überwiegend jungen Konsumenten sei für ihn nicht nachzuvollziehen. „Es stellt sich ja auch keiner hin und trinkt eine Flasche Domestos“, zog der Polizeifachmann einen drastischen Vergleich. Eine weitere Gefahr stelle die „Experimentierfreude“ Jugendlicher dar, wie Susanne Gumpricht erklärte: „Heute wird alles ausprobiert.“ Auch fehle selbst bei Erwachsenen häufig das Unrechtsbewusstsein, wenn es etwa ums „Kiffen“ gehe. Hinzu komme, dass Drogen inzwischen praktisch in jedem Dorf zu haben seien. Das gelte auch für den Landkreis, weiß Schmidt. Man müsse sich von dem Gedanken frei machen, im eigenen Wohnort gebe es so etwas nicht. Heute würden selbst Schulleiter auf die Polizei zukommen und sagen, dass es an ihrer Schule Probleme mit Drogen gebe. „Das ist kein Tabu mehr“, sagt Schmidt. Für Eltern gelte es, klar „Nein“ zu Drogen zu sagen und die Augen offenzuhalten, wenn der Verdacht des Drogenmissbrauchs, etwa durch verändertes Verhalten der Jugendlichen, besteht. Im Extremfall könne es schon nach einer sogenannten „Partypille“ zu irreversiblen Schädigungen kommen, hatte zuvor die Bad Arolser Apothekerin Ute Liebach berichtet, die über die Wirkungsweise von Drogen aufklärte. Dennoch rät Gumprecht, nicht gleich in Panik zu verfallen, wenn im Jugendzimmer beispielsweise eine Wasserpfeife auftauche. „Natürlich ist die Gefahr da“, räumt die Kriminalhauptkommissarin ein. Erster Ansprechpartner für betroffene Eltern ist die Suchtberatung des Diakonischen Werkes im Landkreis. Deren Leiterin, Diplom-Psychologin Gabriele Fock, zeigte beim Infoabend Hilfsangebote auf.Die Polizei, so erklärte Susanne Gumpricht, nehme pro Jahr im Landkreis 50 bis 60 Hausdurchsuchungen in Sachen Rauschgift vor. Auch Heroinhandel gebe es im Kreis. Doch handele es sich dabei um eine abgeschottete Gruppe, an die die Kripo nur schwer herankomme. Mit „Crystal Meth“, ein extrem gefährliches Amphetamin mit hohem Suchtpotenzial, gebe es nach derzeitiger Kenntnis der Polizei noch keine Probleme im Landkreis. „Verschwindend gering“ sei auch der Bereich der „Drogentoten“ im Kreis mit zwei bis drei Todesfällen pro Jahr, wo ein Verdacht auf den Zusammenhang mit Drogenkonsum bestehe. (sim)

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