Familie aus Mazedonien fühlt sich nun in Landau sicher und gut aufgenommen

Als Roma Menschen dritter Klasse

Die 55-jährigen Roma Severdjan und Derian Suleyman und ihre Tochter Sarifa (26) kommen aus Mazedonien und wohnen seit vier Wochen in Landau. Hier fühlen sie sich wohl. Foto: Elmar Schulten

Bad Arolsen-Landau - Von sicheren Herkunftsstaaten ist in diesen Tagen viel die Rede. Flüchtlinge, die aus Albanien, Serbien oder Mazedonien stammen, seien nicht politisch verfolgt, sondern kämen lediglich aus wirtschaftlichen Gründen nach Deutschland, heißt es.

Die Familie Suleyman wohnt seit vier Wochen im Landauer Rathaus. Vater Severdjan (55), Mutter Derian (55) und Tochter Sarifa (26) stammen aus Mazedonien, doch in ihrer Heimat wurden sie als Roma wie Menschen dritter Klasse behandelt, klagen sie.

Deshalb sind sie vor vier Monaten nach Deutschland gekommen. Natürlich haben sie auch die Hoffnung auf ein besseres Leben. Vor allem aber wollen sie in Sicherheit leben ohne Repressalien ihrer Regierung und ohne Diskriminierung.

Hier, in Landau, sei alles bestens. Die Menschen seien aufgeschlossen, lauter nette Nachbarn. Einer habe ihm auf die Schulter geklopft, als er auf dem Marktplatz am Kump mit dem Besen sauber gemacht habe. Arbeit sei gut. Arbeit helfe gegen Langeweile und unruhige Gedanken.

Vor 25 Jahren lebten die Suleymans schon einmal in Deutschland. Severdjan war jugoslawischer Gastarbeiter in Soest, arbeitete als Zimmermann und spielte in seiner Freizeit Fußball. „Ich war Mittelfeldspieler“, erzählt er in erstaunlich gutem Deutsch.

Nach dem Tod von Diktator Tito zerfiel der Vielvölkerstaat Jugoslawien in viele Einzelstaaten. Die über Jahrzehnte mit Titos fester Hand verdrängten ethnischen Probleme brachen plötzlich hervor. Es kam zum Bürgerkrieg, aus dem am Ende auch Mazedonien mit der Hauptstadt Skopje als selbständiger Staat hervorging.

Seit 2005 hat das Land den Status eines Beitrittskandidaten der Europäischen Union. Weil es aber auch in Griechenland eine Region Mazedonien gibt, hat der neue Staat Mazedonien aber wahrscheinlich nie eine Chance, in die EU aufgenommen zu werden.

Auch in dem kleinen Mazedonien gibt es verschiedene ethnische Gruppe. Eine davon sind die Roma, die zwar rund 120.000 Menschen, aber nur einen Abgeordneten im Parlament von Skopje. Das Online-Lexikon Wikipedia gibt andere Zahlen an, aber diese Zahlen werden von Suleyman als von der mazedonischen REgierung gefälscht bezeichnet.

Severdjan Suleyman engagierte sich für die Rechte der Roma, war Generalsekretär der Demokratischen Partei der Roma und fand sich schon bald auf Listen der Polizei wieder.

Aber auch Roma, die sich nicht politisch engagieren, haben in Mazedonien Ärger im täglichen Leben. Die Bevölkerungsmehrheit lässt sie spüren, dass sie nicht erwünscht sind. Posten in höheren Verwaltungsstrukturen bleiben ihnen verwehrt, so Suleyman. All das will er auch beim offiziellen Interview bei der Ausländerbehörde sagen, wenn es um seinen Asylantrag geht. Vorsorglich sagt er schon jetzt: „Ich will keinen Albaner oder Serben als Übersetzer. Die können uns Roma nicht leiden und werden Falsches übersetzen.

Woher kommt wohl der Hass und das Misstrauen unter den Volksgruppen des ehemaligen Jugoslawien, fragt sich der aufmerksame Zuhörer. Und wie hat es der kommunistische Dikator Tito wohl geschafft, all diese schlechten Gefühle unter dem Deckel zu halten?

Was ist passiert, seitdem der Druck im Kochtopf zu groß wurde und Jugoslawien im Bürgerkrieg zerfiel? Antworten auf diese Fragen erklären den anhaltenden Flüchtlingsstrom aus den Nachfolgestaaten Jugoslawiens vor den Toren Europas.

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