Verbandsenergiewerk Waldeck-Frankenberg, Domanialverwaltung und Stadt erläutern Vorhaben in Diemelstadt

Rückenwind für die Windkraftpläne

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Diemelstadt-Rhoden - So viel Rückenwind würden sich auch andere Rathauschefs, Energieversorger und Investoren wünschen: Die Windkraft-Pläne für Diemelstadt haben ein positives Echo in der gut besuchten Informationsveranstaltung in der Stadthalle erzeugt.

Das Verbandsenergiewerk Waldeck-Frankenberg, Schwesterunternehmen der Energie Waldeck-Frankenberg, die Waldeckische Domanialverwaltung und die Stadt Diemelstadt wollen im Wald westlich von Rhoden auf Domanial- und städtischen Flächen etwa ein Dutzend Windenergieanlagen mit einer Höhe von 200 Metern errichten. Drei weitere könnten auf dem Kulikekopf nördlich der Siedlung Gashol entstehen. Dazu will die Stadt den Flächennutzungsplan (FNP) so bald wie möglich ändern, um beim Ausbau der erneuerbaren Energien im Stadtgebiet das Heft in der Hand zu behalten. Bisher ist in der Bauleitplanung nur der Bereich der Windkraftanlagen bei Neudorf als Windvorranggebiet ausgewiesen. In der nächsten Stadtverordnetensitzung soll der Beschluss zur FNP-Änderung gefasst werden, um Rechtssicherheit zu bekommen und den Vorrang vor auswärtigen Investoren zu sichern, die nach Auskunft von Bürgermeister Elmar Schröder bereits an die Rathaustür geklopft haben.

Verkleinerte Flächen

Grundlage bietet der an dem Ziel des Landes ausgerichtete Entwurf des Regionalplanes für Nordhessen, zwei Prozent der Flächen in Hessen für Windenergieanlagen auszuweisen. Ein über dieses Ziel hinausgehender Entwurf des RP wies für Diemelstadt auch Flächen bei Dehausen und auf dem Quast aus, die aber nach eingehender naturschutzfachlicher Begutachtung und mit Rücksicht auf die Flugplätze herausgenommen wurden, schließlich besteht am Quast ein Flora-Fauna-Habitat-Schutzgebiet. So blieben nur noch die nunmehr anvisierten Flächen übrig. Brutplätze von Schwarzstorch, Rotmilan und Uhu hatten zu einer weiteren Arrondierung geführt. Wie viel von den 254 und 27 Hektar großen Vorrangflächen tatsächlich übrig bleiben wird, wird unter anderem eine weitere, intensivere naturschutzfachliche Prüfung im Planungsverfahren ergeben, wie Stefan Kieweg, VEW-Sachgebietsleiter Windenergie, dazu erklärte. Und nach den beiden Offenlegungsphasen für den Regionalplan, der voraussichtlich im Frühjahr 2014 vom Wirtschaftsministerium genehmigt wird, müsse in Nordhessen noch mit Klagen vor dem Verwaltungsgericht gerechnet werden.

Energiewende gestalten

In Waldeck-Frankenberg wollen Kreis, VEW, Domanialverwaltung und die beteiligten Kommunen die Energiewende selbst vor Ort gestalten und davon profitieren. Neben der Wertschöpfung vor Ort ist auch eine möglichst breite Beteiligung der Bürger vorgesehen. Zwei Wege wurden am Donnerstagabend bei der Informationsveranstaltung aufgezeigt: Ortsvorsteher Helmut Butterweck erläuterte die Möglichkeiten bei einer Bürger-Energie-Genossenschaft: „Wir wollen einen Gegenpart zu den Großen spielen.“ Ferner bietet VEW an, direkt in den Bau von Windkraftanlagen zu investieren, wobei die Spannweite zwischen mindestens 1000 und höchstens 100000 Euro liegen sollte. Die Betriebsgesellschaft würde in Diemelstadt ansässig und nach einer Modellrechnung in den ersten zehn Jahren pro Anlage jeweils 62000 Euro Gewerbesteuer im Jahr bezahlen. In den folgenden zehn Jahren wären es 120000 Euro jährlich.

Der frühere SPD-Stadtverordnete Rudolf Goretzko bewertete die Pläne positiv. Und schmunzelnd fragte der pensionierte Forstbeamte, welche Altersgrenze denn für eine Beteiligung empfohlen werde.

Es sei sinnvoller, die Anlagen auf größeren Flächen zu konzentrieren, als sie vereinzelt aufzustellen, stellte der FWG-Stadtverordnete Jürgen Pawelzig fest.

Die Eingriffe in den Wald sind überschaubar: Pro Anlage müsse ein Hektar gerodet werden, sagte Stefan Kieweg: „Im Braunkohletagebau geht es bis zu 500 Meter in die Tiefe und es sind riesige Rekultivierungsmaßnahmen erforderlich.“

Rolf Kaufmann, Direktor der Domanialverwaltung, brachte einen weiteren Gesichtspunkt für den Bau von Windenergieanlagen im Domanialwald ins Spiel: „Wir haben besonders durch den Sturm Wiebke viel Wald verloren, daher ist es sinnvoll, unser Portfolio um die Windenergie zu erweitern, wenn es denn passt und gewollt wird.“

Dass durch den Einzug des VEW in das leerstehende Schloss dessen Zukunft gesichert werden kann (weiterer Bericht), dürfte viele Bürger Rhodens zusätzlich positiv stimmen: Bürgermeister Schröder betonte den großen „Synergieeffekt von Schloss und VEW vor Ort.“

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