Bad Arolser findet Spuren von Biber

Rückkehr nach 400 Jahren

Bad Arolsen - Bei seiner Tätigkeit als Straßenwärter hat der Bad Arolser Maik Hartmann Biberspuren am Diemelsee festgestellt. Ob der Nager dort ansässig wird, muss sich zeigen.

Vor einem Jahr wurde in der WLZ aus dem Frankenberger Land über die Rückkehr des Bibers im Landkreis berichtet. Doch zu früh gefreut: Das vorrangig im Wasser lebende Tier ist nicht ansässig geworden. Doch nimmt die Anzahl der Biber in Hessen wieder zu. Die unter Naturschutz stehende Tierart findet immer mehr passende Gewässer vor, in denen sie ihre Burg anlegen und Nachwuchs zur Welt bringen kann. Am Diemelsee hat sich ein Biber in einem Auenwald ein Plätzchen ausgesucht. 30 Bäume wurden von dem Tier gefällt. Die charakteristischen Bissspuren an den Stämmen verraten, wer sich als „Holzfäller“ in der Gegend betätigt. Bis zu 40 Zentimeter dicke Stämme hat der Biber mit seinen Zähnen ange­nagt. Die Aktivitäten sind zumindest ein Hinweis darauf, dass sich die für lange Zeit aus der Region verschwundene Spezies wieder hier niederlassen will. Ob sich im Mai Nachwuchs einstellen wird, bleibt noch abzuwarten. Mithilfe von Baumstämmen und Ästen werden Burgen in fließenden Gewässern angelegt. Durch das Anstauen wird sichergestellt, dass der Zugang etwa 60 Zentimeter unter dem Wasserspiegel liegt und somit Schutz vor Feinden geboten wird. Die Biber finden, zumal beim Fällen wertvoller Bäume, in der Forstwirtschaft keine Freunde. Und wenn größere Flächen unter Wasser gesetzt werden, die bisher landwirtschaftlich genutzt werden, stößt der pelzige Vierbeiner auch nicht auf Gegenliebe. Dabei ist der Biber streng geschützt. Seine Burgen dürfen nicht zerstört werden. Für den Fall, dass Biber wieder hier heimisch werden, ist laut Maik Sommerhage (Bad Arolsen) vom Naturschutzbund Hessen ein Biber-Management sinnvoll, um einen Interessenausgleich mit den Bedürfnissen der Menschen herzustellen. Es sei erfreulich, wenn sich Biber wieder ihren Lebensraum zurückerobern, stellt Sommerhage fest. Dies sei auch ein Zeichen dafür, dass sich Landschaften wieder als natürliche Siedlungsräume für bisher verschwundene Tierarten entwickeln. Schwarzstorch und Kolkrabe gehören auch dazu. Doch dürfe man sich nicht täuschen lassen von solchen positiven Aspekten. Sogenannte „Allerweltsarten“, wie etwa das Braunkehlchen, die Feldlerche, der Feldhase oder der Kiebitz, seien quasi unbemerkt verschwunden. Ihre Abwesenheit sei ein Indiz für eine zu intensive Nutzung landwirtschaftlicher Flächen. Aufgrund verschiedener Faktoren sind allerdings auch bisher nicht heimische Arten in Hessen ansässig geworden, wie etwa die inzwischen als Plage wahrgenommenen Nilgänse oder die Silberreiher. Ende der 80er-Jahre wurden im Spessart 18 Biber ausgewildert. Über die Kinzig und Fulda haben sie sich nach Norden ausgebreitet. 2012 wurden in Hessen 87 Biberreviere gezählt. Im Mai 2013 wurden zwei tote Biber an der Diemeltalsperre gefunden. Im gleichen Jahr tauchte im Dezember im Raum Kassel ein Tier auf. Vor einem Jahr wurden deutliche Fraßspuren im Frankenberger Land gesichtet. Rückkehr nach 400 JahrenMit der Rückkehr der Biber können sich Bachauen wieder natürlich entwickeln. Begradigungen oder Verbauungen der Ufer werden durch die Biber-Wohnseen überflutet und auf die Dauer umgeformt. Die Renaturierung fördert die Artenvielfalt insgesamt. Mit einer Rückkehr des Bibers könnte vielleicht in Teilen eine Landschaft wie vor vierhundert Jahren entstehen. Vom Ende des 16. Jahrhunderts datiert die letzte Meldung aus dem Gebiet des heutigen Bundeslandes über die Existenz des wegen seines Pelzes einst bejagten Bibers. (ah)

Kommentare