Tipps zur Vermeidung eines Schornsteinbrandes

Russ: Glänzend und brandgefährlich

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Volkmarsen-Külte - Schornsteinbrände sind vermeidbar: Ausreichend gelagertes Holz und die richtige Luftzufuhr tragen dazu bei.

Von Schornsteinbränden hört man immer wieder. Wir dachten, das passiert uns nicht, bei uns wird doch regelmäßig die Esse gefegt. Weit gefehlt: Während ich morgens in der Küche den Frühstückstisch decke, zündet mein Mann den Festbrennstoffkessel im Keller an. Der am gleichen Abzug hängende Küchen-Holzofen ist noch nicht angemacht.

Plötzlich kommen ungewohnte Knistergeräusche vom Kamin. Als ich zum Küchenofen schaue, traue ich meinen Augen kaum: Das weiß emaillierte Ofenrohr leuchtet hellrot! Die Knistergeräusche werden immer lauter. Ich rufe: „Feuer“, um meinen Mann zu alarmieren. Dann der Griff zum Telefon: 112 wählen, Name, Ort, Straße, Hausnummer, Grund des Anrufs nennen, wie es uns von den Brandschützern empfohlen wird.

„Wir kommen gleich!“, so die lapidare Antwort vom anderen Ende der Leitung. Jetzt erst fällt uns ein, dass das Gebläse am Brenner noch auf Hochtouren läuft. Also runter in den Keller und den Ofen ausgeschaltet. Die ganze Schornsteinwand ist inzwischen heiß. Nach wenigen Minuten hören wir die lauten Martinshörner mehrerer Feuerwehrfahrzeuge herannahen.

Freiwillige Brandschützer aus der Kernstadt und den Stadtteilen Herbsen, Hörle und Külte treffen ein. Nachbarn laufen auf die Straße und suchen an unserem Haus nach Hinweisen auf einen Brand.

„Kontrolliert abbrennen“

Mit den Feuerwehrleuten geht mein Mann in alle weiteren Etagen bis unter das Dach, um zu prüfen, ob am Kamin entzündliche Materialien wie Tapeten, Vertäfelungen oder Balken in Brand geraten. „Das lassen wir jetzt kontrolliert abbrennen“, meint Wehrführer Torsten Tegethoff, womit er mich einigermaßen irritiert. Auf meine Frage hin, ob man nicht von oben löschen könne, erklärt Tegethoff mir, dass der Kamin dann sicher platzen würde.

Als das Knistern endlich nachlässt und das Ofenrohr zu glühen aufhört, gehen die Feuerwehrleute noch mal mit der Wärmebildkamera durch alle Etagen. „Alles in Ordnung, keine Gefahr mehr“, teilt Stadtbrandinspektor Kai Wiebusch mit. Wir sind also mit einem blauen Auge davongekommen und den ehrenamtlichen Helfern dankbar für den schnellen Einsatz.

Doch die Momente werden wir nicht so schnell vergessen, in denen wir dastehen und uns fragen, wie schlimm es am Ende wird, während die außer Kontrolle geratenen Flammen im Schornstein lodern. Am Ende witzelt Wiebusch: „Das war ja nur ein Schornsteinbrändchen. Auf jeden Fall ist der Schornstein jetzt schön sauber.“

Gefahr durch Glanzruß

Danach fegt der Bezirksschornsteinfegermeister noch mal nach und auch die Polizei hat Fragen an uns, um die Ursache zu klären. In unserem Fall vermutet der Schornsteinfegermeister, dass die Kapazität des Pufferspeichers erweitert werden muss, um Schwelbrände zu vermeiden.

Die landläufige Bezeichnung „Schornsteinbrand“ ist irreführend. Nicht der Schornstein selbst brennt, sondern Ablagerungen an den Innenseiten des Kamins. Genauer gesagt handelt es sich um Rußbrand. Glanz- oder Hartruß setzt sich an den Innenwänden des Schornsteins ab, wenn eine unzureichende Verbrennung des Heizstoffs stattfindet. Feuchtes Holz, ungeeignetes Material oder unzureichende Luftzufuhr (Schwelbrand) bewirken, dass sich Teer- und Pechdämpfe an den Wänden der Esse niederschlagen. Dieses Gemisch wird bei steigender Temperatur fest wie Glas und glänzt auch so.

Die Schicht wird bei fortgesetztem unvollkommenen Verbrennen immer dicker. Die Rußschicht kann sich entzünden. Befinden sich Ablagerungen in der gesamten Schornsteinlänge, kann das Feuer oben aus dem Kamin herausschlagen.

Schornstein platzt

Rußbrand ist deshalb so gefährlich, weil im Rauchzug Temperaturen von mehr als 1000 Grad erreicht werden. Auch die Außenwände des Kamins werden sehr heiß. Möbel, Tapeten, Textilien oder Holzvertäfelungen am Schornstein können sich entzünden. Unter dem Dach sind die Balken gefährdet. Stellt man einen Rußbrand im Schornstein fest, so ist zuerst die Feuerwehr über die 112 anzurufen.

Auf keinen Fall mit Wasser löschen! Ein Liter Wasser würde sich schlagartig in 17 Raumliter Dampf umwandeln, der Kamin könnte explodieren. Feuerlöscher können eingesetzt werden. Die Luftzufuhr von allen angeschlossenen Feuerstätten sollte geschlossen werden, um den Brand nicht zusätzlich anzufachen. Brennbare Gegenstände sollte man von den heißen Kaminwänden abrücken. Dann kann man nur noch auf die Feuerwehr warten.

Nähere Auskunft erteilen die Schornsteinfeger und die Feuerwehr. (ugy)

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