Firma Essex streicht 120 von 250 Arbeitsplätzen

Sanierung kostet Arbeitsplätze

Bad Arolsen - Für die derzeit 254 Essex-Mitarbeiter in Bad Arolsen hätten die koreanische und die Konzernfahne an der Korbacher Straße eigentlich auf Halbmast gesetzt werden können: Mit der Stilllegung des Flachdrahtbereichs ist die Entlassung von 120 Mitarbeitern verbunden, wie gestern offiziell bekanntgegeben wurde.

Der Schock sitzt tief, auch wenn bereits im vergangenen Herbst in der Belegschaft die Angst vor einem drastischen Personalabbau bis hin zur Werksschließung umging. Seit einem halben Jahr wird in der Firmenleitung an einem Restrukturierungsprogramm für die beiden Kupferdrahtwerke in Bad Arolsen und Bramsche (derzeit 130 Mitarbeiter) gearbeitet. Die Produktion der speziell für die Energieerzeugung benötigten Flachdrähte läuft nach Konzerndarstellung nicht profitabel. Mithilfe der international tätigen Unternehmensberatung AlixPartners und einer Münchener Anwaltskanzlei wurde versucht, eine Lösung des Problems zu erarbeiten. Betriebsrat und Industriegewerkschaft (IG) Metall waren mehr oder weniger intensiv eingebunden.

In einer Betriebsversammlung in Bad Arolsen wurde am Freitag Nachmittag die bittere Nachricht über die für dieses Jahr vorgesehene Streichung von fast der Hälfte der Jobs überbracht. Viele Essex-Mitarbeiter sind schon seit Jahren in dem seit 1944 in der Helser Gemarkung angesiedelten Unternehmen beschäftigt und haben dabei schon manchen Eigentümerwechsel und manche schwierige wirtschaftliche Lage mitgemacht (siehe weiteren Bericht). Der gravierende Einschnitt wird nun mit dem Restrukturierungsprogramm gesetzt, der in Bramsche den Verlust von zehn Arbeitsplätzen bedeutet.

Wie der Personalabbau in diesem Jahr erfolgen soll, darüber wird zwischen Geschäftsführung, Betriebsrat und IG Metall in den nächsten Monaten verhandelt. Es sei noch zu früh, darüber eine Aussage zu machen, erklärte Peter Lammers, Industrial Director Deutschland bei Essex, im Gespräch mit der WLZ. Offen sei auch die Frage, ob die Auszubildenden ihre Lehre in Arolsen abschließen können. „Wir bilden hier über unseren Bedarf aus“, gab Lammers zu bedenken.

Ziel sei es, die beiden Standorte zu stärken und in wirtschaftlich besseres Fahrwasser zu bringen, sagte Lammers. Dafür seien auch Investitionen in Bad Arolsen und Bramsche geplant, um produktiver zu werden. Das Maßnahmenpaket umfasse auch Einsparungen im Einkaufssektor, bei der Logistik und im Energiemanagement. Lammers: „Wir sind optimistisch, dass wir den Umschwung hin zu positiven Ergebnissen erzielen werden.“ Essex setze auf den Runddrahtbereich, in dem vielleicht auch ein Ausbau möglich sei.

Mit der Stilllegung der Flachdrahtproduktion sei keine Verlagerung der Maschinen verbunden. Die Kapazitäten der Flachdrahtherstellung im italienischen Werk werden bleiben. Aus dem „Energy Wire“-Bereich werde die Produktion für die Hersteller von Windkraftanlagen fortgesetzt. Hier hat Essex von dem Boom beim Bau von Windparks profitieren können.

Bei Essex ist in den vergangenen Jahrzehnten kräftig investiert worden; von großer Bedeutung für den Standort Bad Arolsen ist die dort eingerichtete Kupferschmelze. Dort soll weiterhin aus Kupferplatten Draht für Essex hergestellt werden.

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