Bad Arolsen

Schätze vom Jahrmarkt

- Bad Arolsen (-ah-) Bei diesem Anblick leuchten nicht nur Kinderaugen: Viehmarkt-Modellbauer Thomas Achs nennt inzwischen einen original Karussell-Motorroller sein Eigen.

Längst hat der Modellbauer, der schon fast alles vom Viehmarktsplatz nachgebaut hat, die Spur H0 verlassen und geht aufs Ganze: So imponiert in seinem Hobbykeller ein knallbunter Doppelsitz aus dem Frisbee, und mit einem original Autoscooter auf einem Kart-Chassis hat der beruflich als TÜV-Mitarbeiter tätige Braunser schon an einem Viehmarktsfestzug teilgenommen. Nostalgie Mit strahlender Miene stellt er nun den rot-weiß lackierten Motorroller für ein Kinderkarussell der Familie Schneider vor. Robert Schneider sen. und nunmehr auch der Junior gleichen Namens sind mit diesem Zweirad und anderen en miniature für die jüngsten Jahrmarktsbesucher nachgebauten Vehikeln, Feuerwehrfahrzeuge, Polizeiautos oder elegante Cabrios, schon auf diversen Festen gewesen. Die Vespa-Nachbildung für die kindgerechte Nutzung stammt aus dem Jahr 1951 und besteht zu großen Teilen aus Holz. Die im 19. Jahrhundert gegründete Familienfirma Hennecke baute diverse Karussell-Typen. Der nostalgische Charme der Fahrgeschäfte lässt Sammlerherzen höherschlagen. So auch das des Jahrmarkt-Fachmanns Thomas Achs. Die Mini-Vespa hat er nachlackiert und eine Moped-hupe von Fahrrad-Brüne montiert. Der löchrige Kunstlederbezug des Doppelsitzes wird nicht ausgebessert, schließlich soll man das Alter des Rollers schon sehen. Das gute Stück hat einen Ehrenplatz in der Wohnstube bekommen – „mit Erlaubnis meiner Frau“. Das Zweirad lässt sich gewiss noch toppen: „Da gibt es auch noch ein Feuerwehrauto von Hennecke“, berichtete Achs mit Glanz in den Augen. Doch angesichts der Kosten und nicht zuletzt wegen der Größe verzichtet der Sammler auf eine Anschaffung. Immerhin: Hen­necke-Karussells drehen sich auch weiterhin mit schon historisch zu nennenden Kinderfahrzeugen. Manche müssen irgendwann ausrangiert werden, wie der kleine Motorroller. Sammeleifer In diesem Jahr hat Achs nicht so viele Fahrgeschäfte oder Fahrzeuge vom Viehmarkt nachgebaut. Im Maßstab H0 hat er immerhin einen zum Break Dancer gehörenden Lastwagen nachgebildet. Die Grundplatte des Formel-I-Autoscooters steht bereits. Und das Kinderkarussell von Schemel ist unter den geschickten Händen des Tüftlers neu entstanden. Stolz präsentiert Thomas Achs inzwischen eine fast vollständige Sammlung von Eintritts-Chips des Schaustellergeschäfts Dreher-Vespermann. Bunt und neonfarben, mit markigen Sprüchen und den Namen der Jahrmarktsorte versehen sind die Plastiktickets begehrte Sammlerstücke. An A wie Aachen oder (Bad) Arolsen bis X wie Xanten und Z wie Zetel (Landkreis Friesland) reicht der Reigen der Veranstaltungsorte, Hamburg, Bremen, Paderborn und andere gehören mit dazu. Für Jahrmärkte in der Zeit um Ostern hat Dreher-Vespermann ovale Chips herstellen lassen, zu Zeiten einer Fußball-WM wurden Tickets mit einem aufgedruckten Ball an die Fahrgäste verkauft. Die Kenntnisse des TÜV-Experten und Viehmarktsfreundes Thomas Achs sind seit einiger Zeit in der städtischen Viehmarktskommission gefragt. Prüfungsthema Die Begeisterung ist mittlerweile auch auf Sohn Marvin übergesprungen. Für seine Abschlussprüfung an der Kaulbach-Schule hat sich der Junior mit der Geschichte des Arolser Viehmarktes befasst, der übrigens 2011 im 280. Jahr veranstaltet wird. Den Betreiber der Reitbahn, Anton Kaiser, hat der Sohn in dessen Winterlager für ein Interview besucht. Schulleiterin Angelika Barchfeld sei von der schriftlichen Arbeit und der Präsentation sehr angetan gewesen, berichtet Thomas Achs. Die erst Anfang 2010 an die Arolser Schule gekommene Rektorin könne sich dadurch ein gutes Bild machen vom „Waldecker Nationalfest“.

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