Bad Arolsen

Schlimme Erinnerungen an Kinderheim

- Bad Arolsen (-ah-). Die Hölle auf Erden erlebt zu haben, so fasst Harald Frevel, heute 63 Jahre, seine Erlebnisse als elternloses Mischlingskind in den 50er und 60er Jahren zusammen.

Seine schlimmen Erfahrungen machte der Sohn eines schwarzen US-Soldaten und einer Deutschen im früheren St.-Marien-Stift an der katholischen Kirche in Arolsen und in einem ebenfalls von der katholischen Kirche organisierten Erziehungsheim in Klein-Zimmern in Südhessen. Auf knapp 90 Seiten hat er mit der Schreibmaschine mit engstem Zeilenabstand ziemlich genau beschrieben, was er allein in Arolsen erlebte und unter dem Begriff Misshandlung einzuordnen wäre. Die Nonnen vom St.-Vinzenz-Orden in Paderborn, so berichtet er, hatten in ihm, dem Mischlingskind, „den Teufel“ gesehen, den man austreiben müsse. So jedenfalls empfindet es der 63-Jährige noch heute.Prügel habe es gegeben, harten Arbeitsdienst und keine Möglichkeit, sich auf die Schulaufgaben zu konzentrieren. Seinen detailreichen Aufzeichnungen zufolge konnten blaue Flecken und andere Blessuren am Körper weder Lehrern noch Mitschülern verborgen geblieben sein. Unternommen wurde jedoch gegen die Misshandlungen oder deren Verursacher nichts. Als wohltuend und letztlich wohl auch förderlich für die spätere Entwicklung schildert Frevel in seinen Aufzeichnungen die gelegentlichen Besuche bei Freunden in Arolsen während der Heimzeit oder etwa die Sympathien, die ihm von Gleichaltrigen außerhalb des Heims und von Erwachsenen zuteil werden.

Neben seinem umfangreichen Bericht über die zwölf Jahre im Marienstift hat Frevel unserer Zeitung Schreiben aus seinem Briefwechsel mit den Erzbistümern in Paderborn, Trier und in Mainz, dem Bundesinnenministerium und dem so genannten Runden Tisch Heimerziehung zur Aufklärung von Missbrauchsfällen geschickt. Darin wird ihm von allen Seiten gedankt für diesen Schritt, bei der Caritas in Paderborn wird sein Bericht gar als „Zeitzeugnis“ beschrieben. Und: „Der Bischof dankt Ihnen für Ihren Mut, Ihre Situation in einem weiteren Anlauf ehrlich zum Ausdruck zu bringen“, heißt es in einem Schreiben des Sekretärs des Bischofs von Trier. Zusagen für eine Entschädigung werden freilich in keinem Antwortbrief gegeben. Und nach so langer Zeit – die Verantwortlichen dürften bereits verstorben oder hochbetagt sein – lassen sich solche Vorwürfe nicht so leicht nachprüfen. Mehr in der gedruckten Ausgabe vom 10. April 2010.

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