Landau: Verkauf bedeutet historischen Einschnitt

Schloss noch im Dornröschenschlaf

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Bad Arolsen-Landau - „Das ist das Beste, was uns passieren konnte“, schwärmt Landrat Dr. Reinhard Kubat vom geplanten Verkauf des Landauer Schlosses an den Hotelunternehmer Alexander Fitz.

Für einen Kaufpreis von 721 000 Euro sollen insgesamt 3,71 Hektar, davon 1,6 Hektar Schlossumfeld mit Hauptgebäude, Brunnenhaus, Torbogenhaus, Turnhalle und Therapiegarten, veräußert werden. Die 2,1 Hektar Weidefläche bleiben in der Verpachtung. Für die Domanialverwaltung bleiben keine Restflächen.

Die Waldeckische Domanialverwaltung ist mit gleich fünf Schlössern gesegnet, für die sie im 40-jährigen Durchschnitt nach Abzug aller Mieteinnahmen jedes Jahr rund 700 000 Euro aufwendet. Umso größer war der Schock, als nach dem Betreiber des Altenheims im Schloss Rhoden auch der Betreiber des Pflegeheims im Schloss Landau das Handtuch warf.Deshalb habe die Domanialkommission auch erstmals den Verkauf eines Schlosses in Erwägung gezogen, berichtet der Landrat.

Tatsächlich hätten sich auch mehrere Interessenten für das Anwesen in der Bergstadt gemeldet, aber nach eingehender Prüfung aller Angebote habe sich Alexander Fitz als der seriöseste Partner mit dem schlüssigsten Konzept und dem größten Verständnis für denkmalpflegerische Belange erwiesen.

Das Nutzungskonzept habe sowohl die Domanialkommission als auch den Bad Arolser Magistrat überzeugt, bekräftigte Bürgermeister Jürgen van der Horst. Fitz habe mit der Umgestaltung des Amtsgerichts in der Rauchstraße und der Nutzung des Kasernengebäudes Nr. 3 durch die Hotelgruppe Hospitality Alliance bewiesen, dass Zusagen eingehalten werden. Die jetzige Investition sichert den Standort Bad Arolsen mit derzeit 140 Mitarbeitern.

Fitz will dem Vernehmen nach das Hauptgebäude des Schlosses für Wohn- und Bürozwecke nutzen. Außerdem lassen sich hier repräsentative Tagungsräume einrichten. Die Unterbringung der Tagungsteilnehmer aus der Hospitality- und Ramada-Gruppe könnte im Brunnenhaus erfolgen, wo bereits Einzel- und Doppelzimmer des ehemaligen Seniorenwohnheims bestehen. Das markante Torhaus, das derzeit von einem historisch interessierten Freundeskreis engagierter Schützen genutzt wird, könnte auch künftig so oder ähnlich genutzt werden.

Auch die kleine Turnhalle auf dem Schlossgelände, die seit Jahren von den Landauer Grundschülern für den Sportunterricht verwendet wird, soll unverändert für Schulzwecke zur Verfügung stehen, wie der Leitende Direktor der Domanialverwaltung, Rolf Kaufmann, berichtet. Insgesamt gebe es acht privatrechtliche Nutzungsvereinbarungen und Wegerechte, die im Großen und Ganzen auch nach dem Verkauf unverändert fortbestehen sollen.

Kreistag hat letztes Wort

Kaufmann bekräftigte: „Die Domanialverwaltung ist froh, einen Käufer für das Areal gefunden zu haben, der das Objekt in seiner ganzen Tiefe denkmalpflegerisch durchdrungen hat.“ Nun dränge die Zeit, den Eigentumsübergang möglichst zügig abzuwickeln, damit das Gebäude nicht noch einen zweiten Winter über leer stehe.

Die Domanialkommission habe alle nötigen Entscheidungen getroffen und dem Kreistag eine entsprechende Beschlussempfehlung übersandt. Der Kreistag wird am 15. Dezember über den Verkauf entscheiden. Dann könnte der Vertrag noch in diesem Jahr notariell beurkundet werden.

Für die Domanialverwaltung gehörten die fünf Waldecker Schlösser seit Anbeginn zum Portfolio. Davon trenne man sich nicht ohne Wehmut. Allerdings drücke die große Deckungslast, die jedes Jahr aus den Walderträgen erwirtschaftet werden müsse.Kaufmann: „Wir trennen uns nicht so einfach von einem historischen Schlossgebäude. Aber hier stimmt alles. Sogar die halböffentliche Nutzung des Therapiegartens und des Torbogenhauses bei Festen bleibt auch künftig möglich.“ (Elmar Schulten)

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