Wirtschaftsprofessor überrascht beim Neujahrsempfang des Bathildisheims

Soziale Arbeit bringt Rendite

Die Bathildisheim-Vorstände Christian Geyer (l.) und Hans-Jürgen Scherer (r.) zusammen mit Prof. Dr. Bernd Halfar von der katholischen Universität Eichstätt-Ingolstadt beim Neujahrsempfang des Bathildisheimes. Foto: Elmar Schulten

Bad Arolsen - Soziale Arbeit hat nicht nur einen humanitären Wert, sondern beschert der Gesellschaft auch einen wirtschaftlichen Mehrwert, der sich auf Euro und Cent berechnen lässt.

Beim Neujahrsempfang des Bathildisheims überraschte Prof. Dr. Bernd Halfar von der katholischen Universität Eichstätt-Ingolstadt mit den Ergebnissen einer nüchternen volkswirtschaftlichen Betrachtung der Ausgaben für soziale Einrichtungen.

Im Rahmen einer bundesweiten Studie hat er 26 Werkstätten für Behinderte mit ihren betriebswirtschaftlichen Kennzahlen untersucht und daraus volkswirtschaftliche Rückschlüsse gezogen.

Dabei war er dem Social Return in Invest (SROI) auf der Spur, dem Renditeeffekt, den Investitionen in soziale Einrichtungen entwickeln.

In diese Berechnungen fließen die Lohnsteuerzahlungen und Beträge zur Sozialversicherung ein, die die Mitarbeiter in den Einrichtungen zu entrichten haben.

Ebenso die Auswirkungen der von den Beschäftigten für privaten Konsum ausgegebenen Gehälter. Außerdem wird ermittelt, welche andere Kosten der Gesellschaft durch den Betrieb der Werkstatt für Behinderte erspart bleiben, und welche zusätzlichen Steuereinnahmen durch ihren Betrieb ermöglicht werden. Konkret: Müssten die Beschäftigten mit Behinderungen in ihren Familien betreut werden, könnten deren Eltern nicht selber einer Beschäftigung nachgehen und Steuern zahlen.

Arbeitsplätze entstehen

Schließlich untersuchte Professor Halfar auch die Regionalökonomischen Auswirkungen der Werkstätten. Das Ergebnis ist erstaunlich: Jeder Arbeitsplatz in einer Werkstatt für Behinderte ermöglicht in der Folge 1,1 bis 1,2 Arbeitsplätze in der Region.

„Das bedeutet ja, dass das Bathildisheim mit seinen rund 800 Mitarbeitern insgesamt 2000 Arbeitsplätze in Nordwaldeck schafft“, freute sich der kaufmännische Bathildisheim-Vorstand Hans-Jürgen Scherer und bekräftigte: „Das macht uns stolz.“

Unterm Strich, so rechnete Professor Halfar vor, bringt jede Investition der öffentlichen Hand in soziale Einrichtungen eine Rendite von sechs bis acht Prozent für die Gesellschaft. Das einzige Problem bei der gesamtwirtschaftlichen Betrachtung sei die Tatsache, dass die jeweils zahlende Landes-, Bundes- oder Kommunalkasse nicht immer der Empfänger des Rückflusses sei. Die größte Rendite fahre die Rentenversicherung ein.

In der Summe aber verdiene die gesamte Gesellschaft. Und dabei sei der Mehrwert an Lebensqualität noch gar nicht eingerechnet.

Die Bathildisheim-Vorstände und ihre Gäste beim Neujahrsempfang hörten die Botschaft gerne. Schließlich wurde damit deutlich, dass soziale Einrichtungen keine Almosen-Empfänger sind, sondern selber einen beachtlichen Mehrwert für die Gesellschaft erwirtschaften.

Den musikalischen Rahmen des Neujahrsempfangs mit rund 150 Gästen, darunter Landrat Dr. Reinhard Kubat, Landtagsabgeordneter Armin Schwarz, Bürgermeister Jürgen van der Horst und sein Kollegen Hartmut Linnekugel aus Volkmarsen, gestaltete das Salonorchester Cappuccino mit Rainer W. Böttcher (Klavier), Daniel Senft (Cello), Larissa Niederquell (Oboe und Gesang), Eberhard Enß (Querflöte) und Andrea Eiselt (Violine).

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